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Powerfrau mit Herz „Es passiert einfach ...“

Sie stolpere in solche Dinge rein, erzählt Regine Felsmann-Kraak, Chefin der Gebäudereinigung Felsmann, wenn sie über Ereignisse, die ihren Lebensalltag prägen, spricht: die Firma, das Islandpferdegestüt und vor allem der soziale und ehrenamtliche Einsatz für karitative Zwecke. Eine Powerfrau über das, was sie mit Energie und Hingabe in Bewegung bringt.

- Bereits in vierter Generation führt Regine Felsmann-Kraak die Gebäudereinigung Felsmann, gegründet 1912 durch den Urgroßvater Johann Felsmann. Aufgezogen von den Großeltern Helene und Walter Felsmann, begann ihre Geschichte mit der Gebäudereinigung eigentlich schon mit der Geburt. Sobald sie aus dem Laufstall im Büro herausgewachsen war, begann die Kleine mit den roten Zöpfen, ihren Opa bei der Arbeit zu begleiten, lernte von ihm schon früh, was es für eine gute Reinigung erfordert. Trotz der engen Verbindung zum Familienbetrieb, hegte sie den Wunsch, Landärztin werden. Den Studienplatz bereits in der Tasche, verstarb während des Abiturs ihre Großmutter Helene Felsmann. Und so stand nun das Bedürfnis, sich um den an Kehlkopfkrebs erkrankten Großvater zu kümmern, im Vordergrund. Es folgten eine Banklehre, die Ausbildung als Wirtschaftsübersetzerin, das Jurastudium sowie der Erwerb des Fachwirts für infrastrukturelles und technisches Gebäudemanagement, bevor sie schließlich 2002 den Familienbetrieb übernahm.

Wer nun das Büro der Gebäudereinigung Felsmann betritt, erhält schon dort den ersten Eindruck sozialen Engagements der quirligen Unternehmerin mit Herz: Zahlreiche Patenschaftsbriefe des Bielefelder Tierheims an den Wänden zeigen, dass die Unterstützung guter Zwecke hier großgeschrieben wird. Für jede gewonnene Ausschreibung übernimmt die Gebäudereinigung eine Tierpatenschaft. Auf der Hundecouch rekeln sich ihre Schäferhunde. Die hat Regine Felsmann-Kraak vor dem Tierheim, sogar dem Einschläfern, bewahrt. Zu dichtes Fell, Überbiss, falsche Farbe, so die Gründe der Züchter für das „Aussortieren“ der Tiere. Doch dies ist nur ein Bruchteil ihres sozialen Engagements. Mit dem Erlös von Reitturnieren, Tombolas, Sponsorengeldern u.v.m. wurden bisher u.a. das Kindermittagessen des Bielefelder Tischs finanziert, die Kinderkrebsstation Bethel sowie der Verein für behinderte Jugendliche unterstützt. Oder es wurde einfach einmal eine kostenlose Bauschlussreinigung für ein neues Kinder- oder Katzenhaus durchgeführt.

Man fragt sich, warum sie denn das alles macht. „Es passiert einfach,“ erzählt Regine Felsmann-Kraak. Mit großer Sorgfalt suchte Oma Lene eine Schule aus, die ihrer Ziehtochter nicht nur eine umfassende humanistische Ausbildung, sondern auch Herzensbildung vermitteln sollte. So besuchte sie die Friedrich-v.Bodelschwinghschen-Schulen, getragen von der diakonischen Einrichtung Bethel: Eine Stiftung, die sich für Menschen mit Epilepsie, geistiger Behinderung und psychischen Beeinträchtigungen einsetzt. Dort wuchs sie zu einem sehr sozialkompetenten Menschen heran. Zum anderen hätte sie sehr viel Glück im Leben gehabt, aber auch so manche schlimmen Erfahrungen gemacht. Daher der Blick dafür, dass es immer noch Menschen gibt, denen es schlechter geht als einem selbst. Als Mitglied des Vorstands der Innung, der Familienunternehmer, der Mitgliederversammlung der Handwerkskammer, der Volksbank sowie im Verein Mensch und Pferd nutzt Regine Felsmann-Kraak ihre engen sozialen Netzwerke, um gerade diesen Menschen zu helfen. Dabei empfindet sie das, was sie tut, selbst als „nicht so riesig“. Etwas von dem zurückgeben, was sie selbst an Gutem erfahren hat, auch das steckt in ihrem Wirken. Sie sieht sich mehr als antreibende Kraft, als Vorbild, als Katalysator. „Wenn das jeder täte, dann wäre das alles ein bisschen … wärmer“ und meint damit: „Ich kann nicht Teil einer Gesellschaft sein, ohne daran teilzuhaben.“

Wer so viel Energie zu geben hat, der muss natürlich auftanken. Neue Kraft schöpft Regine Felsmann-Kraak in ihrem Zuhause und weiterem Betrieb - dem Odinshof. Etwa eine halbe Stunde außerhalb von Bielefeld, inmitten einer wunderschönen Naturlandschaft, umgeben von Weiden und Feldern liegt das Islandpferdegestüt, welches sie sich zusammen mit Ehemann Hans-Udo Kraak aufgebaut hat. Auf dem ehemaligen Bauernanwesen lebt das Ehepaar mit fünf Hunden, einer norwegischen Wildkatze, Hengst Sindri und weiteren 69 Islandpferden. Hier steht die Zeit für Regine Felsmann-Kraak still. Hier kann sie ihre Seele baumeln lassen. Einfach mal zur Ruhe kommen, die Pferdemütter mit ihren Fohlen beobachten, ohne an Termine, Projekte und und und zu denken - vielleicht auch mal gar nichts zu denken. Auf der Weide bei ihren Pferden hat das „Gebäudereiniger-Ding“ Pause. Und so sehr sie die Auszeit auf der Weide genießt: Es warten auch hier Aufgaben auf Regine Felsmann-Kraak, denen sie sich mit Leib und Seele widmet. 20 ha Land gehören zum Islandpferdegestüt. Der Chef auf dem Hof ist ganz klar Hans-Udo Kraak. Dennoch fällt der Hausherrin ein großes Aufgabengebiet zu: der Haushalt, die Zucht, Konzeption von Reitausflügen und Themenritten, Organisation und Catering von Veranstaltungen, Werbung und der Internetauftritt sowie, ganz nebenbei, der Entwurf von Designs speziell für Isländerzaumzeug. Und wer denkt, dass es das „schon“ gewesen wäre, irrt. Schließlich gibt es ja noch die Odinshof-Reitferien. Mehrmals im Jahr genießen Kinder und Jugendliche ab acht Jahre jeweils eine Woche Reiturlaub auf dem Hof, inklusive Vollverpflegung und Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Für Regine Felsmann-Kraak bedeutet das vollen Einsatz auf dem Gestüt, ohne jedoch dem Betrieb komplett fernzubleiben. Da es ihr extrem wichtig ist, den Kids eine entspannte und familiäre Atmosphäre zu bieten, wird nicht nur täglich gemeinsam geritten, sondern auch gekocht, gebastelt, gespielt, werden Geschichten gelesen und Kosmetiktipps ausgetauscht. Pferde für Mädchen, Abenteuer für Jungen: Damit die Reiterferien nicht nur Traumurlaub für Mädchen bieten, ist derzeit ein weiteres Konzept in Erarbeitung. Auch Jungs sollen sich hier so richtig austoben können. So könnten künftig Angebote wie Bogenschießen, Kraxeln, Werkeln, Bäche aufstauen, Flöße bauen oder Schnitzen mehr Action ins Spiel bringen. Im festen Programm des Odinshofs hat sich zudem bereits eine Männerreitgruppe etabliert.

Aus dem gemeinsamen Kochen mit den Reiterkindern entstand ein Projekt, dem Regine Felsmann-Kraak aktuell ihre Energie schenkt: ein Kochbuch für kleine Leute. Speziell an den Bedürfnissen von Kindern orientiert, vermittelt dieses, wie man aus gesunden Zutaten Gerichte kreiert, die den Minigourmets auch wirklich schmecken. Der Erlös fließt natürlich nicht etwa in die eigene Kasse, sondern ist für die Aktion Lichtblicke e.V., einem Projekt für in Not geratene Kinder in Nordrhein-Westfalen, bestimmt.

Offen bleibt die Frage, wie Regine Felsmann-Kraak das alles schafft. Mit dem Bewusstsein, dass man überall immer noch etwas dazulernen kann, hat sie eine große Gelassenheit erreicht, die ihr erlaubt, auch mal Fehler zu machen oder sich erschöpft zurückzulehnen - um daraus neue Erfahrungen zu sammeln und neue Kraft zu tanken. Geht es heute nicht, dann geht es eben morgen. Sicher helfen ihr dabei auch die Werte, welche die Großmutter ihr vermittelt hat: Dass man mit Disziplin, straffer Organisation, dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, aber auch mit Liebenswürdigkeit und Wärme für so ziemlich jedes Problem eine Lösung finden kann. Oma Lene wusste, wovon sie sprach, denn immerhin übernahm sie während der Kriegsgefangenschaft ihres Mannes die Führung des Betriebs - in einer Gesellschaft, die Frauen in Führungspositionen nicht vorgesehen hatte. „Und sie hat das einfach alles hingekriegt - den Haushalt, die Firma, die Enkelkinder großgezogen …“, so wie auch Regine Felsmann-Kraak das, was sie sich vornimmt, bisher immer hinbekommen hat.

Und was steht sonst noch alles an? Nicht nur wegen der Vorbildfunktion für ihre Mitarbeiter, sondern um die eigene Wissbegierde zu stillen, plant Regine Felsmann-Kraak demnächst, auch noch den Fachwirt für Reinigungs- und Hygienetechnik zu machen. Und dann? „Vielleicht werde ich irgendwann auch noch einmal Medizin studieren.“ Schließlich plant sie ihre Zukunft ja nicht detailliert voraus. Die Dinge passieren einfach.

Monika Lattner | monika.lattner@holzmann-medien.de

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