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Es muss nicht immer Nassgrundreinigung sein

Die klassische Nassgrundreinigung gehört zu den am häufigsten von Gebäudereinigungsunternehmen durchgeführten Arbeiten. Zugleich ist sie häufig Ursache für Meinungsverschiedenheiten mit Auftraggebern und/oder Nutzern. Eine trockene Pflegefilmsanierung kann die bessere Wahl sein – auch unter ökologischen Gesichtspunkten.

Jedes Jahr in den Ferien machen sich Gebäude­­­­rei­niger in Schulen und Kindergärten an die Arbeit, um die Spuren der immer wieder aufs Neue strapazierten elastischen Beläge in unzähligen Objekten grundzureinigen und neu zu beschichten. Sie sorgen dafür, dass die Böden wieder fit für das nächste Schuljahr und die nächste Nutzungsperiode werden und der Wert und die Optik der Beläge erhalten bleiben.

Meist Linoleum oder Kautschukböden

Üblicherweise wird in Schulen und Kindergärten einmal jährlich eine Nassgrundreinigung der Bodenbeläge mit anschließender Beschichtung durchgeführt. Die Beläge bestehen meistens aus ­Linoleum oder Kautschuk/Elastomer, selten aus Polyurethan und manchmal aus Polyvinyl oder Polyvinylchlorid ­sowie Polyolefin. Prinzipiell können die verschiedenen ­Belagsarten alle nass grundgereinigt werden – ­klassisch mit einem roten Pad (Hauptsache kratzfrei), einer möglichst schweren Einscheibenmaschine und einem potenten Grundreiniger. Bei strukturierten Bodenbelägen empfiehlt es sich, statt der Padscheibe eine weiche Bürste einzusetzen, um besser in die ­Vertiefungen – wie zum Beispiel bei Gumminoppenböden – zu gelangen. Sofern man einige Dinge beachtet, sollte die Nassgrundreinigung in 90 Prozent aller Fälle funktionieren.

Probleme der Nassgrundreinigung

Manchmal geht jedoch leider etwas schief – die Boden­beläge werden zerstört. Die Vielzahl an Belags­artvarianten sowie die herstellerspezifischen ­Eigenschaften, die dem Boden jeweils andere Grund­reinigungseigenschaften verleihen, machen die Sache für den Gebäudereiniger nicht ganz einfach. Zudem sorgen die unterschiedlichen Verschmutzungsarten, Abnutzungserscheinungen und Schädigungen der Bodenbeläge immer wieder für Probleme und Pannen bei der Grundreinigung und Beschichtung.

Verfahren mit Nebenwirkungen

Linoleum und Kautschuk/Elastomer reagieren bei alkalischen Grundreinigen, deren pH-Wert 9,5 bei ­Linoleum und 10,5 bei Kautschuk/Elastomer übersteigt, meistens mit Farbveränderungen, Ausblutungen und bei Linoleum im schlimmsten Fall mit Auflösungserscheinungen – der Bodenbelag verseift. Zu abrasive Mechanik, die zum Beispiel durch die Verwendung von schwarzen Padscheiben entsteht, reißt die Oberfläche der Bodenbeläge auf und zerstört die Nutzschicht. Dadurch kann die Grund­reinigerlösung tief in den Bodenbelag eindringen und ihn schädigen. Längerfristig – über Jahre oder manchmal auch spontan – zerstört die in die unteren ­Belagsschichten eindringende Grundreinigungs­lösung den Belag, löst das Gefüge auf und oder entzieht dem Boden Weichmacher. Durch das chemische Lösen der Weichmacher bekommt der Belag sehr feine Risse. Er wird spröde und bricht partiell auf. Somit verändert sich seine ­Optik, Beschaffenheit und Begehsicherheit. Für die Lebensdauer des Bodenbelags ist dies im ­besten Fall suboptimal. Die Bodenbelagseigenschaften ­ändern sich irreversibel, also unumkehrbar.

Bei der Nassgrundreinigung kann viel schiefgehen

Zwischenreinigung als Alternative

Um dieses Spannungsfeld zu umgehen, kann – wo fachlich möglich – als Alternative zur Nassgrund­reinigung über eine maschinelle ­Zwischenreinigung nachgedacht werden. Bei der ­Zwischenreinigung von beschichteten Böden wird unter Zuhilfenahme einer Einscheibenmaschine mit roter oder grüner Padscheibe und einem lösungsmittel­haltigen Allzweckreiniger (klassischerweise Salmiak oder Alkohol) der Bodenbelag im Cleanerverfahren zwischengereinigt. Dazu wird die Cleanerlösung auf einer Fläche von einem bis zwei Quadratmetern mit einer Baumspritze – oder einem Sprühkännchen bei kleineren Flächen – aufgebracht und dann mit der Padscheibe langsam abgefahren. Dadurch lösen sich die festanhaftenden Verschmutzungen. Sie sammeln sich in der Pad­scheibe, der Bodenbelag bekommt eine deutlich bessere Optik. Im Anschluss wird mit einem Sprühkännchen ein Spraycleaner auf Wachs- oder ­Polymerbasis aufgesprüht und die Cleanerlösung sofort mit der Einscheibenmaschine mit 400 bis 800 Umdrehungen pro Minute und weißer Padscheibe aufpoliert. Bei Verwendung einer polymerhaltigen Cleanerlösung sollte eine High-Speed-Maschine mit mindestens 1.250 Umdrehungen pro Minute eingesetzt werden. Die hohe Drehzahl wird benötigt, um die Polymere thermisch aufzuschmelzen (Umdrehungen pro Minute = Temperatur) und auf der Belagsober­fläche zu verdichten.

PVC oder PU vertragen mehr

Anders sieht es bei Bodenbelägen aus Polyvinyl­chlorid (PVC), Polyurethan (PU) und Polyolefin aus. Sie haben andere Nehmerqualitäten als Linoleum und Kautschuk/Elastomer. Diese Beläge vertragen Hochleistungsgrundreiniger bis zu einem pH-Wert von 14. Auch bei der Mechanik im Zusammenhang mit der Grundreinigung gibt es nahezu keine Grenzen, ­zumindest im Fall von PVC. Polyurethan- und Polyolefin­bodenbeläge mögen hingegen keine zu starke Mechanik. Das bedeutet vor allem: Verzicht auf schwarze Padscheiben. Grüne und braune Padscheiben können in der Regel bedenkenlos eingesetzt werden. Eine Arbeits- beziehungsweise Verträglichkeitsprobe an einer unauffälligen Stelle, zum Beispiel hinter den Türen, ist immer empfehlenswert.

Welche Maschinen in Frage kommen

Ein Blick auf die Maschinen für die Nassgrundreinigung: Bei der Auswahl hat der Gebäudereiniger die Wahl zwischen einer klassischen Einscheiben­maschine mit plus/minus 150 Umdrehungen pro Minute, einem Schnellläufer mit plus/minus ­­400 Umdrehungen pro Minute und einer Walzenbürst-, Dreischeiben- oder Oszillationsmaschine. Bei großen Flächen wie Sporthallen können auch Scheuersaug­automaten eingesetzt werden. Die Funktionsweisen der Maschinen sind im Prinzip alle gleich: Eine Padscheibe, Bürste oder Padplatte (bei der Oszillations­machine) rotiert beziehungsweise bewegt sich horizontal und vertikal über den Bodenbelag und ­unterstützt durch diese Mechanik das chemische ­Lösen der Beschichtung durch den Grundreiniger.

Nassgrundreinigung belastet die Umwelt

Fakt ist allerdings: Bei der Nassgrundreinigung kann viel schief gehen. Und sie hat einen entscheidenden weiteren Nachteil: Es entsteht in der Summe eine große Menge hochalkalischer Grundreinigungs­flotte, die mit Polymeren, x-verschiedenen anderen ­Zuschlagstoffen und Lösungsmitteln angereichert ist, und entsorgt werden muss – kein Leichtes für unsere Gewässer, Kläranlagen und die Umwelt. In diesem Zusammenhang drängen sich Fragen auf: Sind die jährlichen Nassgrundreinigungen und Beschichtungen eigentlich noch zeitgemäß? Kann man vor dem Hintergrund der Klima- und Umwelt­diskussion die Nassgrundreinigung überhaupt noch mit gutem Gewissen anwenden? Gibt es unproblema­tischere und weniger umweltschädliche Vorgehensweisen und/oder Verfahren? Muss es wirklich immer die klassische Nassgrundreinigung mit anschließender Beschichtung sein? Gibt es innovative Techniken, Grundreinigungschemie, Arbeitsweisen oder gar ­Bodenbeläge, die eine Nassgrundreinigung überflüssig machen?

Trockene Pflegefilmsanierung

Nicht neu, aber innovativ und wegweisend ist die trockene Pflegefilmsanierung. lm Gegensatz zur Nassgrundreinigung wird bei der Pflegefilmsanierung kein Grundreiniger benötigt. Die strapazierte ­beziehungsweise abgenutzte Beschichtung wird unter Zuhilfenahme einer speziellen Einscheiben­maschine mit mindestens 35 Kilogramm und 400 Umdrehungen pro Minute sowie Absaugaggregat mit grauem Schleifpad trocken angeschliffen (gleich­mäßig ­mattiert). Aber Vorsicht: Wird zuviel abgeschliffen, kann der Bodenbelag beschädigt werden. Danach erfolgt der Auftrag einer Polymerbeschichtung, am besten metallvernetzt. Die aufgebrachte Schicht ist in der Regel innerhalb einer Stunde trocken und kann meist nach drei bis sechs Stunden wieder genutzt werden. Der Vorteil der Pflegefilmsanierung ist, dass keine umwelt­belastende Grundreinigerlösung eingesetzt werden muss und der Bodenbelag chemisch nicht beansprucht wird. Der Belag ist schneller als bei der Nassgrundreinigung wieder begehbar und das Verfahren spart zudem ­Ressourcen. Auch ist es bei der Pflegefilm­sanierung möglich, nur Teilflächen zu behandeln, zum Beispiel Laufstraßen partiell zu sanieren, ohne dass dies optisch auffällt. Ein weiterer unschlagbarer Vorteil dieser Methode ist, dass die Pflegefilmsanierung unterjährig quasi zwischendurch in den normalen Ruhezeiten eines Geschäftsbetriebs in kurzer Zeit durchgeführt werden kann. Grundvoraussetzung für die Pflegefilmsanierung ist, dass die auf dem Bodenbelag vorhandene Beschichtung intakt ist. Ist dies nicht der Fall, so muss der Belag vor der Anwendung der trockenen Pflegefilmsanierung entsprechend vorbereitet werden.

Ein Blick in die Zukunft

Ein Bodenbelag, der weder grundgereinigt noch beschichtet werden muss? Dazu gibt es viele gute und einige weniger gute Ansätze von nahezu allen namhaften Bodenbelagsherstellern. Angefangen hat es mit herstellerseitigen Vergütungen wie der ­Lotusbeschichtung – die sich jedoch nicht durchgesetzt und als Flopp erwiesen hat. Danach kamen die ­ Level-X- Beschichtungen, denen es aber ähnlich erging wie der Lotusbeschichtung. Mittlerweile gibt es gute Ansätze mit Ein- oder Zwei-Komponenten-­­Poly­urethanbeschichtungen, die sehr robust und chemisch weitgehend beständig gegen die meisten Ein­flüsse von außen sind. Empfindlich gegen mechanische ­Beanspruchung reagieren aber auch diese Beschichtungen, wenn auch zeitverzögert. Der meines Wissens einzige Bodenbelag, der nicht beschichtet werden kann und muss, ist der Polyolefin-Belag. Er reagiert jedoch empfindlich und mit unschönen ­Verkratzungen auf punktuell starke Mechanik wie zum Beispiel Belastung durch Stuhlbeine und Stuhlrollen.

Innovativ: Entschichtung mit Laser

Eine Methode der Zukunft könnte die Entschichtung mit Lasertechnik sein. Da bei diesem Verfahren keine Chemie beziehungsweise Reinigungslösung zum ­Einsatz kommt, kann man nicht von Grund­reinigung im herkömmlichen Sinn reden. Der ­Begriff ­Ent­schichtung trifft es besser. Voraussetzung dafür ist, dass auf Bodenbelag oder Beschichtung Marker vorhanden sind, die dem Laserstrahl sagen, wo die Beschichtung aufhört und der Bodenbelag ­anfängt. Erforderlich sind zudem spezielle Maschinen ­(etwa plasmabasierend, Nd:YAG- oder CO2-Laser), die ­üblicherweise nicht im Portfolio des Gebäudereinigers zu finden sind. ­Allerdings sind diese Verfahren noch in der Entwicklungs- beziehungsweise Forschungsphase und somit noch nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen gewerblich einsetzbar.

Das Nonplusultra in Bezug auf die Grundreinigung scheint noch nicht erfunden zu sein. Betrachtet man alle relevanten Faktoren in der Gebäudereinigung – Zeit, Mechanik, Temperatur und Chemie (Sinnerscher Kreis) –, ist die trockene Pflegefilmsanierung wohl derzeit die Methode mit dem besten wirtschaftlichen und ökologischen Resultat.

Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de

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Uwe Büttner

Uwe Büttner
ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter ­und vereidigter Sachverständiger und selbst­ständiger Berater mit dem Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen | www.reinigungsexperte.de

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