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Mehr Produktivität durch gesündere Arbeitsbedingungen Ergonomie ist die ­ Summe vieler Faktoren

Das Gebäudereiniger-Handwerk gehört zu denjenigen Branchen, deren ­Personal ­besonders hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt ist. Durch ­sorgfältiges ­Auswählen von Arbeitsgeräten und Maschinen sowie bewusstes Planen der ­Tätigkeiten lassen sich ergonomisch gute Arbeitsbedingungen schaffen, ­krankheitsbedingte ­Ausfallzeiten verringern und die Mitarbeiter besser motivieren.

Dreh- und Angelpunkt in der Reinigungsbranche ist die ergono­mische Gestaltung der Arbeitsplätze. Konsequent weitergedacht heißt das: Die Arbeitsbedingungen, Arbeitsabläufe und bestmögliche Auswahl der Arbeitsmittel, sprich die gesamte Arbeits-organisation, räumlich und zeitlich optimal aufeinander abzustimmen. Ziel und Anspruch ist es hierbei, die Mitarbeiter durch eine möglichst geringe gesundheitliche Belastung nicht zu ermüden, zu schädigen, zu über- oder unterfordern, sondern insgesamt ihr Wohlbefinden zu verbessern. Per Definition bedeutet Ergonomie (griechisch: ergon = Arbeit und nomos = Gesetz), die Arbeitsbedingungen an die Fähigkeit und Eigenschaften der Menschen anzupassen und nicht umgekehrt. Angesetzt wird beim bewussten Ausführen der Bewegungen, zum Beispiel dem korrekten – vertikalen – Auswringen der Reinigungstücher, bei der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsgeräte und bei der richtigen Verteilung der Anstrengung auf die einzelnen Muskeln.

Unter Ergonomie ist jedoch noch viel mehr zu verstehen, als ­körperliche Belastungen zu senken. Sie liefert qualitativ und ­hygienisch bessere Ergebnisse, kann motivierend wirken sowie neben Rüst- und Wegezeiten auch Geld sparen. Da im Gebäude­reiniger-Handwerk viele Tätigkeiten manuell ausgeführt werden, ist es wichtig, diese Arbeiten mit ergonomiegerechten Hilfs­mitteln zu verrichten. Wirtschaftlich betrachtet ist das aus Sicht von Unternehmen ein besonders wichtiger Aspekt, weil sich damit die Ausfallzeiten senken lassen. Ergonomisch durchdachte Gerätschaften helfen, die Mitarbeiter langfristig gesund zu erhalten.

Das Schlüsselwort in der Gebäudereinigung heißt Prävention und gilt speziell für den Bereich der Ergonomie. Heute müssen immer sportlichere Leistungswerte bei gleichbleibend hoher Qualität umgesetzt werden. Das bedeutet, im Sinne der Für- und Vorsorge gute Rahmenbedingungen zu schaffen, unter anderem mit Hilfe eines betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Hier laufen alle gesundheitsbezogenen Aktivitäten zusammen: Maßnahmen zum Arbeitsschutz, zum betrieblichen Eingliederungsmanagement und zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Die Aufgabe besteht vor allem darin, die Mitarbeiter zu schulen und sie immer wieder dafür zu sensibilisieren, sich bewusst zu bewegen und das Gelernte auch umzusetzen. Von den Krankenkassen organisierte Rückenschulungen können hierbei ebenfalls gute Dienste leisten.

Muskel-Skelett-Erkrankungen vorn

Laut DAK-Gesundheitsreport 2018 entfiel im Jahr 2017 mehr als die Hälfte (53,9 Prozent) aller Krankheitstage auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, auf psychische Erkrankungen sowie Erkrankungen des Atmungssystems. Insbesondere Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems lagen mit 326,9 Arbeitsunfähigkeitstagen je 100 Versicherte unverändert an der Spitze aller Krankheitsarten. In der Hauptgruppe dieser Erkrankungen stellen die Rückenerkrankungen den größten Teilkomplex dar. Im Vorjahr war die Anzahl der Erkrankungstage mit rund 319,5 Tagen noch etwas geringer.

Muskel-Skelett-Erkrankungen können durch verschiedene Faktoren verursacht werden: Heben, Tragen, Ziehen oder Schieben schwerer Lasten, Arbeiten in Zwangshaltungen, sich ständig wiederholende Bewegungen mit hohen Handhabungsfrequenzen oder Arbeiten mit hohem Kraftaufwand. Abhilfe schaffen laut Studie gesündere Arbeitsbedingungen: Durch eine ergonomische Gestaltung der Arbeitsorganisation könnten fast alle Ausfallzeiten und ein Großteil der Produktivitätsverluste wegen arbeitsbedingter Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates vermieden werden.

Ein Thema, das weitere Kreise zieht: Gesundheitsprobleme aufgrund von Erkrankungen am Bewegungsapparat sind nicht nur ein Problem für die Betroffenen selbst, sondern auch betriebs- und volkswirtschaftlich relevant. „Durch das Optimieren der Ergonomie an den Arbeitsplätzen und den körpergerechten Umgang mit Reinigungsutensilien, -geräten und -maschinen können Unternehmer teure Personalausfälle vermeiden oder zumindest reduzieren“, weiß Martin Lutz, staatlich geprüfter Reinigungs- und Hygienetechniker und Geschäftsführer des FIGR Forschungs- und Prüfinstituts für Facility Management in Metzingen. Speziell im Dienstleistungssektor stellen gesunde, leistungsfähige und auch motivierte Mitarbeiter einen strategischen Erfolgsfaktor dar.

Nutzerfreundlichkeit hat zahlreiche Facetten

Bei der manuellen Reinigung und Desinfektion von größeren Flächen nimmt die Nutzerfreundlichkeit, neben dem Bereitstellen von ergonomiegerechten Arbeitsmitteln, eine herausragende Rolle ein. Mit Blick auf alle für die Ergonomie relevanten Aspekte muss ein Reinigungssystem zahlreiche Anforderungen erfüllen:

  • Höhenverstellbare oder gut positionierte Griffe, um eine optimale Höhe zu gewährleisten und unnötigen Kraftaufwand zu vermeiden.
  • Anordnung aller Verfahrenskomponenten in einer gut erreichbaren und korrekten Höhe, damit alle notwendigen Tätigkeiten wie das Tränken der Moppbezüge in aufrechter Position – mit geradem Rücken – erfolgen können.
  • Kunststoffstiele, um ein komfortableres Gefühl zu haben und nicht kalten Stahl berühren zu müssen.
  • Staubmopps unter Verwendung eines Teleskopstiels beim Reinigen hoher waagerechter Flächen beziehungsweise ­Beleuchtungskörper.
  • Praktikable, verständliche und logische Anordnung der Wannen, Eimer und Boxen, damit die Anwender von jeder Position aus gut arbeiten können.
  • Keine zu großen Reinigungswagen und abkoppelbare Einheiten, damit die Reinigungskräfte vor engen Stellen, Aufzügen oder schwerer zugänglichen Arealen die Wagen nicht abstellen und extra laufen müssen.
  • Mit wenig Kraftaufwand zu bedienende Pressen, ohne an Genauigkeit beim Bedienprozess zu verlieren.
  • Leichtgängige Rollen, damit sich das Reinigungssystem mühelos bewegen lässt.
  • Keine schweren Behälter am Wagen, um die Gesundheit der Anwender zu schonen.
  • Hochwertige Textilien, das heißt Mikrofaser- statt Baumwoll-­Mischfaserbezüge, damit der Wischvorgang gründlich und leichtgängig erfolgt.
  • Leichte Demontierbarkeit aller Baugruppen.
  • Möglichst wenig be- und entladen von Gegenständen auf dem Wagen durch spezielle Boxen, die den Stauraum auf dem Wagen vergrößern.

Nutzerfreundlichkeit und Praktikabilität gehen meist Hand in Hand. Wie Martin Lutz betont, hat das vollflächig staubbindende Wischen im Vergleich zum Nasswischen entscheidende Vorteile. Es erzielt einen besseren Reinigungseffekt, da Staub, feiner Sand oder Haare effektiv entfernt werden. Auch ist die Hygiene im Vergleich zum ausschließlichen Nasswischen mit Reinigungsmitteln ohne Desinfektionswirkung besser, da es keinen Feuchtigkeitsfilm gibt, der die Vermehrung von Mikroorganismen fördern kann. Martin Lutz bringt den Sachverhalt auf den Punkt: „Nässer ist nicht immer besser.“

Dienstleister, Mitarbeiter und Kunden in einem Boot

Neben den ergonomischen Anforderungen gilt es, den Ansprüchen dreier Interessengruppen gerecht zu werden: Die erste Gruppe sind die Dienstleister, für die wirtschaftliche und nachhaltige Aspekte gleichermaßen bedeutsam sind – Stichworte: qualitativ hochwertige, langlebige Produkte und Materialien, vollständige Modularität und Abwärtskompatibilität der Komponenten sowie eine zehnjährige Ersatzteilgarantie. Für die zweite Gruppe, die Reinigungskräfte, sind die ergonomischen Gesichtspunkte zur Gesunderhaltung von zentralem Stellenwert. Als dritte Gruppe tritt der Endkunde auf, für den sein Objekt sauber oder hygienisch rein sein muss und der gegebenenfalls nachweisbar valide Prozesse verlangt.

Allen ergonomischen Reinigungsprodukten ist eines gemeinsam: Sie sind zwar oft kostenintensiver als Standardprodukte, jedoch auch deutlich effektiver und effizienter. „Steigern lässt sich die Effizienz auf lange Sicht nur durch Investitionen in moderne, ergonomische Reinigungsgeräte und -maschinen“, fasst Martin Lutz zusammen. Jedoch geht die Rechnung nicht ohne die Menschen auf. Erst die Einweisung und vor allem das regelmäßige Training des Reinigungspersonals hinsichtlich des körpergerechten Umgangs mit Reinigungsgeräten und -maschinen sorgen für ein ergonomisch und ökonomisch austariertes Gesamtpaket.

Simone Bittner-Posavec, Maintext markus.targiel@holzmann-medien.de

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