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Elastische Bodenbeläge Entschichtung und Pflege von PVC- und Linoleumböden

Eine professionelle, systematische Reinigung und Pflege trägt maßgeblich zur Lebensdauer eines Bodenbelags bei. Sie zählt zugleich zu den wichtigsten Aufgaben der Gebäudereinigung. Das gilt vor allem für die Grundreinigung bzw. Entschichtung elastischer Bodenbeläge, für die es zwei Methoden gibt, die sich durch den Maschineneinsatz und den Zeitaufwand unterscheiden. Erster Teil einer Serie über maschinelle Bodenreinigung.

-Zu den elastischen Bodenbelägen gehören beispielsweise PVC und Linoleum. Bei PVC (Polyvinylchlorid) handelt es sich um synthetische, elastische Beläge, die stark belastbar sowie wasser-, alkali- und säurebeständig sind. Linoleum dagegen ist ein Naturprodukt, das aus den Rohstoffen Leinöl, Kork und einer Jute-Trägerschicht besteht. Dieser Belag ist nur bedingt alkalibeständig.

Farbgebung und Struktur lassen oft auf den ersten Blick keinen Unterschied zwischen den beiden Belagarten erkennen. Um Schäden an dem Belag durch hochalkalische Mittel zu vermeiden, empfiehlt sich vor einer Grundreinigung (Entschichtung) der so genannte Büroklammer-Test. Er funktioniert so: Man erhitzt ca. fünf Sekunden eine aufgebogene Metall-Büroklammer (Kupfer) an deren Spitze mit einem Feuerzeug. Anschließend wird die erhitzte Metallspitze an einer unauffälligen Stelle etwa drei Sekunden fest auf den zu prüfenden Belag gedrückt. Danach zieht man die Büroklammer wieder langsam aus dem Belag heraus.

Handelt es sich um PVC, ist ein kleines Loch zu sehen, das fast bis auf den Belaggrund reicht. Die Lochstelle hat am Rand einen Wulst, der aus dem angeschmolzenen Kunststoff entstanden ist. Dieser ist sehr hart und beim Berühren mit den Fingern deutlich spürbar. Beim Herausziehen der Metallspitze aus dem Belag entsteht ein kleiner Faden. Wenn der Bodenbelag aus Linoleum besteht, zeigt die Lochstelle beim selben Versuchsablauf Verkohlungen. Und: Die Einstichstelle bleibt glatt.

Grundreinigung

Zu einer der beiden Arbeitsmethoden für die Grundreinigung bzw. Entschichtung gehört der Einsatz einer langsam laufenden Einscheibenmaschine. Bei 150 U/min wird ein hohes Drehmoment auf die zu reinigende Oberfläche gebracht. Außerdem ist die Maschine mit einem Reinigungsmitteltank, einem Zusatzgewicht sowie einem Padträger mit grünem Pad ausgestattet.

Zunächst wird der lose aufliegende Schmutz mit einem Besen oder Sauger entfernt. Dann wird das Entschichtungsmittel, das im Falle von Linoleum nur einen maximalen pH-Wert von 9 haben darf, mit der Einscheibenmaschine in Bahnen vorgelegt. Während der Einwirkzeit (circa 10 Minuten) wird der Belag in stark überlappenden, kreisförmigen Bahnen mehrmals abgeschrubbt. Dadurch wird eine gleichmäßige Abtragsleistung erreicht. Die Dosierung bewegt sich je nach Beschichtungsstärke zwischen 10 und 25 Prozent. Beim Vorlegen und Bearbeiten ist darauf zu achten, dass das Mittel nicht auftrocknet. Sonst gerät der Anlösungsprozess der Beschichtungsreste ins Stocken. Daher ist ein abschnittsweises Vorgehen zu empfehlen und gegebenenfalls Reinigungsflotte nachzulegen. Für die Ecken und Randbereiche, die nicht von der Maschine erreicht werden, kommt das Handpad zum Einsatz. Sind die Beschichtungsreste vollständig angelöst, folgt als nächster Schritt das Aufsaugen der Schmutzflotte mit einem leistungsstarken und groß dimensionierten Nass-/Trockensauger.

Alternativ kann man eine kompakte Scheuersaugmaschine mit Walzenschrubbkopf einsetzen, die mit grünen Padwalzen ausgestattet ist. Der Einsatz solcher Maschinen wird bereits ab einer Fläche von 20 bis 30 m² als rentabel angesehen. Anfangs wird auch hier das Entschichtungsmittel abschnittsweise in geraden Bahnen mit geringer Überlappung aufgetragen. Während der Einwirkzeit wird die so behandelte Fläche mehrfach mit der Walzenschrubbmaschine kreuzweise abgefahren. Bei Bedarf ist Reinigungsflotte nachzulegen, um ein Antrocknen des Mittels zu verhindern. Durch den starken und gleichmäßigen Anpressdruck über die gesamte Arbeitsbreite, die hohe Drehzahl und den exzellenten Bodenkontakt wird ein sehr gutes Entschichtungsergebnis erreicht. Dank der starken Mechanik verkürzt sich der Entschichtungsvorgang erheblich.

Wenn die Beschichtung vollständig angelöst ist, folgt als nächster Schritt das Aufsaugen der Schmutzflotte mit derselben Maschine – Bahn für Bahn. Dann wird der Belag neutralisiert. Dies geschieht in der Regel durch Auftragen von klarem Wasser mit dem Nasswischverfahren und anschließende Aufnahme durch den Nass-/ Trockensauger. Schneller geht es, wenn die Fläche nochmals mit der Walzenschrubbmaschine abgefahren wird – und zwar unter Zugabe von klarem Wasser in der Ein-Schritt-Methode. Durch die zusätzliche mechanische Bearbeitung mit der Walzentechnik werden noch verbliebene Reinigungsmittelreste vom Belag optimal entfernt. Damit wird zugleich eine sehr gute Haftungsvoraussetzung für die neue Beschichtung geschaffen.

Im Anschluss daran den Fußboden vollständig trocknen lassen. Bei dem Naturprodukt Linoleum sollte die Trocknungszeit mehrere Stunden oder sogar eine ganze Nacht betragen. Wichtig ist dabei eine ausreichende Belüftung.

Beschichtung

Dann geht es an die neue Beschichtung. Die Beschichtungsmittel müssen dem Belag entsprechend ausgewählt werden. Für PVC-Beläge empfehlen sich metallvernetzte Produkte, die sich durch eine starke Widerstandsfähigkeit und einen hohen Glanzgrad auszeichnen. Im Falle von Linoleum ist ein Mittel auf Wachsbasis ratsam, das zusammen mit dem Material flexibel auf Belastungen reagiert und nicht reißt. Die Beschichtungsmittel müssen vor Gebrauch gut geschüttelt und anschließend in „Pfützen“ auf den gereinigten und getrockneten Belag aufgebracht werden.

Beim nächsten Schritt wird das jeweilige Mittel mit einem Lammfellwischer sorgfältig und gleichmäßig verteilt.

Je nach Untergrund und Beanspruchung empfiehlt es sich, die Beschichtung zwei- bis dreimal zu wiederholen. Zu beachten ist außerdem: Ältere Beläge saugen diese beim ersten Auftrag stark auf. Die erste Beschichtung kann nach etwa einer Stunde vorsichtig begangen werden. Dann kann die nächste Beschichtung erfolgen. Die belastbare Aushärtung wird jedoch erst nach circa zwölf Stunden erreicht.

Noch ein wichtiger Hinweis: Wenn ein möglichst hoher Glanzgrad das Ziel ist, kann bei Verwendung des wachshaltigen Beschichtungsmittels ein stärkerer Glanz durch zusätzliches Auspolieren erreicht werden. Das sollte frühestens nach ungefähr vier Wochen erfolgen, da sonst die Gefahr des Abtrags besteht.

Unterhaltsreinigung

Für die Unterhaltsreinigung bieten sich je nach Flächengröße zwei Wege an: der manuelle und der maschinelle.

Für die manuelle Reinigung werden ein Wischmopp, ein Wischeimer und ein Wischpflegemittel in (je nach Schmutzeintrag)
ein- bis dreiprozentiger Lösung benötigt.

Für die maschinelle Unterhaltsreinigung, mit der viel höhere Flächenleistungen möglich sind, wird eine Scheuersaugmaschine benötigt, die in der Ein-Schritt-Methode arbeitet: Sie bringt die Wischpflege in der ein- bis dreiprozentiger Lösung auf, bürstet sie ein und saugt sie im gleichen Arbeitsgang wieder ab. Der Belag ist sofort wieder begehbar.

Auffrischen/Aufpolieren

Leichte Kratzer bzw. Absatzspuren lassen sich mühelos mit Hilfe eines Spraycleaners beseitigen. Dazu wird das Cleanermittel vor allem auf die Verstrichungen aufgesprüht und dann entweder mit einer High-Speed-Maschine, einem Polierautomaten oder einer Walzenschrubbmaschine mit weißen, weichen Bürsten bzw. gelben Padwalzen auspoliert.

Fazit

PVC und Linoleum stellen auf Grund der verwendeten Herstellungsmaterialien unterschiedliche Ansprüche an die Reinigung und Pflege. Für diese Aufgabe eignen sich langsam laufende Einscheibenmaschinen oder Schrubbmaschinen mit Walzenpads. Die Entschichtung mit kompakten Schrubbmaschinen, die kaum größer als Einscheibenmaschinen sind, rechnet sich ab einer Fläche von etwa 20 bis 30 m². Scheuersaugmaschinen mit Walzenschrubbkopf können sowohl für das Entschichten und die anschließende Neutralisation als auch für die Unterhaltsreinigung eingesetzt werden.

Gerd Heidrich | Schulungsleiter, Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH
Niels W. Buhrke

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jotterbein@werner-mertz.com

nicht mehr auf der Höhe der Zeit...

Bildung in der Gebäudereinigung ist heute wichtiger denn je. Wenn aber solche Texte veröffentlicht werden, muss man sich doch fragen, wie das gehen soll. Wenn Schulungsleiter solche althergebrachten Weisheiten von sich geben, sehe ich schwarz für unsere Branche. Vielleicht ist es manchmal besser nichts zu sagen, als immer noch "Wissen" und Begriffe von vorgestern zu veröffentlichen.
Ich selbst versuche durch gute und vor allem aktuelle Schulungen das Wissen in der Gebäudereinigung voran zu bringen. Sowas macht mich einfach traurig...