Praxis -

Elastische Beläge: Auswischen ist nicht ­Grundreinigen

Nach einer Grundreinigung wiesen diverse elastische Bodenbeläge ­eine pocken­artige Oberfläche auf. Der Dienstleister hatte es versäumt, den alten Pflegefilm ­beziehungsweise die Pflegefilmreste vollständig zu entfernen – aus Kostengründen?

Im vorliegenden Schadensfall sollte für eine Stadt die Ausführung von Grundreinigungsarbeiten überprüft werden. Ein Dienstleister war damit beauftragt gewesen, in einer Vielzahl von öffentlichen Gebäuden Grundreinigungsarbeiten auf verschiedenen elastischen Boden­belägen durchzuführen. Nach Ausführung ­wurde das Ergebnis vom Auftraggeber bemängelt, da nach vollständiger Durchtrocknung des Bodens keine homogene Oberfläche vorlag. Auf den Bildern ist die pocken­artige Struktur zu erkennen. Das wird zusätzlich noch durch die Wahl eines Beschichtungsmittels mit einem entsprechenden Glanzgrad verstärkt.

Da der Dienstleister dem Auftraggeber erklärte, dies würde an den von diesem gewählten verschiedenen elastischen Bodenbelägen liegen, entschied sich der Auftraggeber dazu, das Ergebnis durch einen Sachverständigen begutachten zu lassen. Bei näherer Betrachtung (siehe Detailbild) wird sofort deutlich, was ursächlich für das schlechte Erscheinungsbild nach erfolgter Grundreinigung verantwortlich ist.

Was ist eine Grundreinigung?

Im Vorfeld sollte jedoch erst einmal geklärt werden, was denn tatsächlich eine Grundreinigung per Definition ist. Besonders einfach ist es hierbei, wenn sich die Auftraggeber an die Definition halten, die der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks im Rahmen seiner Musterausschreibungsunterlagen für die Unterhalts- und Glasreinigung veröffentlicht hat, auf die alle Innungsmitglieder freien Zugriff haben.

Hier heißt es: „Die Grundreinigung geht im Umfang und in der Intensität deutlich über die Unterhalts- und Zwischenreinigung hinaus. Die Grundreinigung umfasst die Entfernung sämtlicher Schmutzrückstände, die das Aussehen der Oberfläche beeinträchtigen und/oder abgenutzter Pflegefilme.“

Bezieht man die Definition nunmehr auf das Schadensbild, das die Fotos wiedergeben, so erkannt man deutlich, dass alte Pflegefilmreste eben nicht komplett entfernt worden sind. Die weitere Recherche in den verschiedenen Objekten und die Befragung verschiedener Reinigungskräfte und Hausmeister ergaben, dass die Produkte, die zum Einsatz gekommen waren, hervorragend geeignet gewesen wären, um ein mängelfreies Ergebnis zu erzielen. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass Auswischen nicht gleich Grundreinigen bedeutet.

Auch die Mechanik zählt

Wer einmal die Hersteller-Produktdatenblätter für Grundreiniger vergleicht, der wird darin immer auch den Hinweis auf eine entsprechende Mechanik finden, um die angelösten Verschmutzungen komplett von der zu reinigenden Oberfläche zu lösen.

Im vorliegenden Schadensfall hatte sich der Dienstleister dazu entschlossen, unter Berücksichtigung des Hinweises vom Chemiehersteller, dass sein Produkt nicht „klar gespült“ (fälschlicherweise oft als neutralisieren bezeichnet) werden muss, die Oberflächen die grundgereinigt werden sollten, nach der Einwirkzeit lediglich auszuwischen. Hierbei wurden selbstverständlich der alte Pflegefilm beziehungsweise die Pflegefilmreste nicht vollständig entfernt.

Durch den Auftrag eines neuen Pflegefilmes wurden die alten Rückstände in die Oberfläche eingebunden, so dass – wie auf den Bildern zu sehen – eine pockenartige oder einer Orangenhaut ähnliche Oberfläche entstand. Das Fazit des Sachverständigen lautete deshalb: Eine erneute Grundreinigung mit anschließender Beschichtung ist unumgänglich.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

Tipp vom Gutachter: Richtig kalkulieren

Sascha Hintze

Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger: "Wer Grundreinigungen anbietet, der sollte auch Grundreinigungsarbeiten kalkulieren. Bei großen Objekten, insbesondere, wenn es sich um alte Pflegefilme handelt, sollte darauf geachtet werden, eine Musterfläche zu erstellen, bevor ein Angebot abgegeben wird.

Im beschriebenen Schadensfall sind rund 20.000 Quadratmeter erneut zu reinigen – mit entsprechenden Kosten für Grund­reiniger, Pads und Beschichtungsmittel. Vom Personaleinsatz ganz zu schweigen."

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