Schadensfalldatenbank -

Eine Grundreinigung ging gründlich daneben

Produktdatenblätter, so wie die meisten Hersteller sie liefern, können eine sehr große Hilfe bei Reinigungstätigkeiten darstellen - wenn man sie denn beachtet. So aber ging eine Grundreinigung gründlich daneben.

Der Schadensfall darf aktuell leider noch nicht näher benannt werden, aber über die hierbei gemachten grundsätzlichen Fehler, die für einen hohen Schaden ­verantwortlich waren, soll im Vorfeld bereits berichtet werden,

Ein mit Grundreinigungsarbeiten beauftragter Dienstleister sollte in mehreren Räumen gemäß der ihm vorliegenden Pflegeanweisung Arbeiten ausführen. Der aufmerksame Leser sollte bereits bemerkt haben, dass es sich um einen Holzfußboden handeln muss, für den eine Pflegeanweisungen vorzuliegen hat, bevor der Dienstleister seine Arbeiten aufnimmt.

Leider wurden die Grundreinigungsarbeiten nicht nur qualitativ schlecht ausgeführt, sondern – und das ist wesentlich erheblicher für das Ausmaß des Schadens – auch vollkommen unsachgemäß. Dabei wäre es relativ einfach gewesen, den Schaden im vorliegenden Fall zu vermeiden.

Eine erhebliche Schädigung trat dadurch auf, dass die ausführenden Personen die Grundreinigungsarbeiten so durchgeführt haben, wie sie es üblicherweise tun, wenn Beschichtungen oder Beschichtungsreste von einem elastischen Bodenbelag zu entfernen wären, getreu der alten Regel: „Ein Streichholz sollte in der Grundreinigerflotte schwimmen können.“

Dabei kamen Produkte zum Einsatz, die bereits über die guten Produktbeschreibungen der Hersteller anwendungssicher gewesen wären. Hierbei wurde zur Vorreinigung ein Universalgrundreiniger eingesetzt, bei dem der Hersteller sein Produkt bereits im Produktdatenblatt deutlich als nicht geeignet für Holzböden ausgewiesen hat.

In vielen Diskussionen scheiden sich die Geister, ob es sinnvoller ist, neben den geforderten Sicherheitsdatenblättern auch die Produktdatenblätter im Objekt bereitliegen zu haben. Ich glaube, man muss hier nicht lange um den heißen Brei herumreden, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass die im Objekt eingesetzten Reinigungskräfte in den seltensten Fällen vor der Ausführung von Reinigungstätigkeiten die Sicherheits­datenblätter zu Rate ziehen.

Herstellerangaben beachten

Ich vertrete die Auffassung, dass Produktdatenblätter, so wie die meisten Hersteller diese liefern, eine sehr große Hilfe darstellen. Zum einen erhalten die Reinigungskräfte dadurch die Sicherheit, ein geeignetes Produkt gewählt zu haben, und zum anderen werden diese eher gelesen.

Im Gegensatz zu den Sicherheitsdatenblättern finden sich in den Produktdatenblättern zumeist auch die Hinweise darauf, für welche Werkstoffe das Produkt geeignet oder eben nicht geeignet ist. In den meisten Fällen ist sogar eine Kurzbeschreibung für die Ausführung der Reinigungstätigkeit aufgeführt. Hierfür verdienen die Hersteller ein großes Lob, denn es erleichtert, wenn dies von dem eingesetzten Reinigungspersonal beherzigt wird, die Ausführung der Reinigungstätigkeiten enorm.

Im vorliegenden Fall hätte dies einen hohen Sachschaden vermieden. Denn nach Ausführung der Grundreinigungsarbeiten sollte ein anschließender Schutz auf die Holzoberfläche aufgetragen werden. Auch bei diesem Produkt präferiere ich wieder die vom Hersteller gelieferten Produktdatenblätter. Im vorliegenden Fall mit entsprechender kurzer Handlungsanleitung für die Ausführung der Tätigkeiten.

­Tipp vom Gutachter: Produktdatenblätter sind eine große Hilfe

Sascha Hintze

Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger: "Sicherheitsdatenblätter sind wichtig, nicht nur zur Erfüllung der Vorschriften, sondern auch weil viele Informationen bezüglich Inhaltsstoffen, Erste-Hilfe-Maßnahmen et cetera nicht im Produktdatenblatt auftauchen. Aber die Verwendung der Produktdatenblätter bietet für das eingesetzte Reinigungspersonal aufgrund der starken Vereinfachung eine zusätzliche Sicherheit für die Durchführung der Arbeiten und gibt darüber hinaus auch Gewissheit, ob die Wahl eines Produktes richtig oder falsch ist."

Mir ist durchaus bekannt, dass der beste Lehrer die Erfahrung ist, aber der rote Faden als Rückversicherung – in Form der Produktdatenblätter – schafft eine zusätzliche Sicherheit für die Reinigungskräfte. Denn im vorliegenden Schadensfall haben die beiden unterschiedlichen Hersteller in ihren Produktdatenblättern darauf hingewiesen, wie die Grundreinigungsarbeiten durchzuführen sind, so dass das Ergebnis aller Voraussicht nach akzeptabel ausfallen sollte.

Der Hersteller des gewählten Universalgrundreinigers weist bereits in seinem Produktdatenblatt daraufhin, das sein Produkt für Holzwerkstoffe nicht geeignet ist. Und im weiteren Verlauf hat der Hersteller für das verwendete Pflegeöl darauf hingewiesen, das vor dem Auftrag seines Produktes die Holzoberfläche einer Trockengrundreinigung zu unterziehen ist.

Ohne weitere chemische Kenntnisse hätte hierbei auffallen müssen, dass die beiden gewählten Produkte für die vom Dienstleister gewählte Ausführung nicht geeignet sind, nämlich Nassgrundreinigung und anschließender Auftrag des Pflegeöls.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

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