Hygiene -

Desinfizieren mit UV-C-Licht: ­ Sicher, gründlich, effizient

Selbstfahrende UV-C-Roboter haben das Potenzial, schon bald zum Dauergast im Patientenzimmer zu werden. Davon ist ein Dienstleister überzeugt, der die Technologie bereits in einem Universitätsklinikum im Einsatz hat.

UV-C-Technologie ist nicht neu. In der Lebensmittel­industrie ist ultraviolettes Licht schon lange eine präferierte Methode für zuverlässige und rückstandslose Desinfektion. Obwohl es die Technologie bereits seit Jahrzehnten gibt, hat sie sich außerhalb industrieller Anwendungen bislang kaum durchgesetzt. Das lag unter anderem an der fehlenden Flexibilität durch ausschließlich stationäre Lampen. Modernste Robotertechnik fungiert nun als Trendbeschleuniger und führt zu einer entscheidenden Weiterentwicklung. Gerade im Gesundheitswesen, wo das zuverlässige Abtöten von biologischem Material jeglicher Art die Grundlage für den laufenden Betrieb darstellt, wird der Nutzen von Strahlungstechnologie in Kombina­tion mit Robotik besonders deutlich – sei es in Patientenzimmern oder auch in OP-Sälen.

Dass ultraviolettes Licht als Killer von Keimen, Bakterien oder Pilzen gerade in den aktuell schwierigen Zeiten das Potenzial hat, die Branche zu verändern, wurde unter anderem auch von der Politik erkannt: ­Ende Dezember vergangenen Jahres teilte jedenfalls EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit, dass die Europäische Union 200 UV-C-Roboter anschaffen und europaweit in Kliniken verteilen werde. Bereits im September 2020 hat Sodexo einen solchen Roboter mit UV-C-Licht erstmals auch in Deutschland getestet und setzt diesen mittlerweile an einem Uniklinikum in Baden-Württemberg unter Realbedingungen ein.

Während die Entwicklung in Deutschland zugegebenermaßen vergleichsweise langsam anläuft, nutzt Sodexo die UV-C-Technologie in den USA und Großbritannien bereits seit Jahren erfolgreich. Insbesondere im Gesundheitssektor setzt der Dienstleister dort auf eine schnelle Eingreiftruppe aus Reinigungsex­perten und autonomen UV-C-Robotern für Grund- und Sonderreinigungen. In London etwa kommt der ­Roboter an unterschiedlichen Standorten inzwischen für jede Schlussdesinfektion zum Einsatz. An die dort gesammelten Erfahrungen möchte man nun in Deutschland anknüpfen.

Prozessablauf der UV-C-Desinfektion

Autonomes Desinfizieren folgt einem klar vorgegebenen Prozessablauf: Der Roboter wird an einen Startpunkt in einen menschenleeren Raum gebracht und braucht lediglich eine kurze Aufwärmphase der ­Lampen von etwa zwei Minuten. Das Personal startet von außerhalb des Raumes die Desinfektion mit einem Klick über das an der äußeren Zimmertür befestigte Tablet und verfolgt die vollautomatisierte Desinfek­tionsreinigung über die Kamera aus sicherer Distanz. Keime, Bakterien und Pilze an Boden, Wänden, Decke und in der Luft werden in wenigen Minuten vollständig abgetötet. Während des Prozesses sorgt ein Sicherheitsmechanismus dafür, dass Menschen nicht unbeabsichtigt der Strahlung ausgesetzt werden können: Bei kleinsten Bewegungen oder Näherungen zum Raum schlägt ein Bewegungsmelder am Tablet Alarm und die Desinfektion wird automatisch gestoppt. Nach Beendigung des Vorgangs fährt der Roboter zum Startpunkt zurück und kann vom Personal zum nächsten Einsatz gebracht werden.

UV-C-Desinfektion: Von der Lebensmittelindustrie ins Gesundheitswesen

Für den verzögerten Einsatz dieser sicheren und gründlichen Form der Desinfektion gibt es in Deutschland Gründe. Wie Viren, Keime und Bakterien zu bekämpfen sind, ist hierzulande streng reglementiert und nach klaren Vorgaben festgeschrieben. Bislang bildete die manuelle Desinfektionsweise die Basis ­dieser Guidelines. Entsprechend mussten die speziellen Lösungen der UV-C-Technik für das Anwendungsfeld im Gesundheitswesen erst entwickelt und auf gesetzlich sichere Beine gestellt werden. Hinzu kommt, dass sich das Gesundheitswesen erst mit der neuen Technologie vertraut machen musste.

UV-C-Technologie versus Vernebelung

Hierzulande bekannt und erprobt zur Desinfektion von Räumen ist das vergleichsweise weit verbreitete Vernebelungs- oder auch Verdampfungsverfahren. In einem Test hat Sodexo die beiden Methoden gegenübergestellt. Hierfür wurden sowohl für die Vernebelung mit bestimmten Chemikalien als auch für die UV-C-Technologie per Roboter dieselben Bedingungen in unterschiedlichen Räumen geschaffen. Die im Nachgang verglichenen Ergebnisse überzeugten in gleichem Maße – auch in Bezug auf die so genannten Lockstufen (gerechnet in mathematischen Potenzen).

Für eine erfolgreiche medizinische Desinfektion gilt es ein Lockstufen-Ergebnis zwischen 104 und 107 zu erreichen, mit einer maximal möglichen Keimreduk­tion von bis zu 10.000.000. Zielvorgabe ist in der Regel die Lockstufe 105, welche bei dem besagten Test mit beiden Desinfektionsverfahren erreicht wurde. Das entspricht einem Wert von 99,99999 Prozent abgetöteter Keime. Zeitlich hatte die UV-C-Technologie die Nase hingegen deutlich vorne: Während bei der Vernebelung eine anschließende Wartezeit von zwei Stunden notwendig ist, damit sich die Chemikalien wieder verflüchtigen, braucht der Roboter nur neun Minuten, um den 30 Quadratmeter großen Raum vollständig zu desinfizieren und im Anschluss direkt wieder freizugeben.

Ausgeklügelte Technologie mit klaren Vorteilen

Menschen machen Fehler – statistisch gesehen bis zu sechs Prozent. Roboter reduzieren diese Fehlerquote gegen null. Damit sowie aufgrund der Zeitersparnis punktet UV-C-Robotik deutlich gegenüber herkömmlichen Desinfektionsverfahren. Vor allem der zeitliche Aspekt verschafft dem Personal Freiraum für andere wichtige Aufgaben und reduziert den Belastungs- und Stressfaktor. Gleichzeitig hilft die Technologie, ­Kosten zu sparen, kommt der Arbeitsorganisation enorm entgegen und eröffnet neue Perspektiven: Denn der Einsatz eines Roboters als Kollege (Cobot) transformiert ganze Arbeitsprozesse, sodass sich die Mitarbeiter an anderen Stellen weiterentwickeln können. Zudem kann der Umgang mit der Robotik den Arbeitsplatz auch attraktiver und interessanter machen. Nicht zuletzt sinken durch das sichere Verfahren Gesundheitsrisiken auf allen Seiten deutlich und der Schutzfaktor für Patienten, Krankenhauspersonal und Reinigungspersonal steigt – ein relevanter ­Faktor auch aus arbeitsschutzrecht­licher Sicht. Auf den Punkt gebracht: Aufgrund dieser zahlreichen Vorteile ­könnte der UV-C-Roboter die Desinfektion im Krankenhauswesen langfristig in einem hohen Maße übernehmen.

Drei Möglichkeiten der ­Desinfektion

Stationär: Der Roboter wird manuell in einen Raum geschoben und anschließend eingeschaltet. Die Desinfektion läuft ab diesem Zeitpunkt vollautomatisch. Dieses Verfahren eignet sich vor allem bei punktueller Desinfektion.

Ferngesteuert: Der Roboter wird von außerhalb über ein Tablet gesteuert und durch das Zimmer geführt. Hier ist das Personal im Nebenraum und koordiniert die Desinfektion über die verbundene Kamera.

Autonom: Das Zimmer wird vom Roboter zuvor gescannt, um Gegenstände zu berücksichtigen. Anschließend wird die Desinfektion mit entsprechender Programmierung durch­geführt. Dies ist insbesondere bei abendlichen Schlussdesinfektionen in OPs und Eingriffsräumen von Bedeutung.

Bedient wird der UV-C-Roboter nur von fachlich qualifiziertem und professionell geschultem Personal. Dies ist eine Grundvoraussetzung zur Wiederaufbereitung von Medizinprodukten, die auch durch das Medizinprodukte-Gesetz vorgegeben ist. Die strengen Richtlinien bei der Desinfektion beispielsweise von Geräten zur Diagnostik haben gute Gründe: Würde ­ungeschultes Personal die Desinfektion ­eines Röntgenbildbetrachters und dessen hochsensibler Scheibe nicht fehlerfrei durchführen, können im schlimmsten Fall Schleierbildung oder Kratzer zu einer falschen ­Diagnose beim Patienten führen. Reinigungsfachkräfte, die in Krankenhäusern und ­Kliniken arbeiten, erhalten dementsprechend gründliche Schulungen und eine umfassende Einweisung in die Bedienung des Roboters. Darüber hinaus ­werden Fachkenntnisse zum Ablauf einer klassischen Desinfektionsreinigung vor der ersten Bedienung des Roboters vorausgesetzt.

Im Einsatz kann man auf drei mögliche Verfahren zur Desinfektion mit dem UV-C-Roboter zurückgreifen – je nach Umfeld und Fläche: stationär, ferngesteuert oder autonom. In allen drei Fällen bereitet die Reinigungskraft den Prozess vor und prüft im Nachgang das Ergebnis. Besonders regelmäßig zum Einsatz kommt das autonome Verfahren. Hierfür ist zwar in der Vorbereitung eine Programmierung in Form eines sogenannten Scans erforderlich; im Prozess spart dies dann aber Zeit, weil der Roboter völlig selbstständig die Desinfektion durchführt. Der Scan erfolgt über eine Art Karte auf dem Bedientablet. Besonders geeignet für dieses Verfahren sind Räume, die nicht zu voll sind, da jedes Objekt – ­beispielsweise ein Bett – in der Karte vermerkt werden muss. Der Roboter erkennt das Hindernis, bleibt stehen und beleuchtet diese Stelle ­intensiver. Auf diese Weise lassen sich Gegenstände mit engem Menschenkontakt noch besser ­desinfizieren.

Geplant ist, UV-C-Roboter künftig segmentüber­greifend einzusetzen – also auch in Alten-/Pflegeheimen, Industrieanlagen und in großen ­Bürokomplexen. ­Aktuell ist der Roboter primär zur Prävention einer ­Corona-Infektion ein effizientes Mittel und kann für temporäre Einsätze kurzfristig gemietet ­werden.

Tobias Henninger, Sodexo | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

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