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Mit der Harley durch die USA Der Weg ist das Ziel

Günter Glöckner (Solution Glöckner Vertriebs-GmbH) ist bekennender Harley-Fan. Wo sonst, als in der Weite des nordamerikanischen Kontinents lässt es sich besser auf diesen legendären Motorrädern cruisen! Ein Reisebericht.

-„Am Sonntag wollen wir Motorrad fahren. Fährst du mit?“ Diese Frage wird mir nicht mehr gestellt, seit bekannt ist, dass die Passion des Motorradfahrens von mir eigentlich nur noch in den USA gepflegt wird, da die Rahmenbedingungen ideal sind. Ja, ich bin bekennender Harley-Fan. Dabei liebe ich diese schweren Kisten insbesondere in der Nostalgieversion. Nachdem ich erstmals vor drei Jahren zusammen mit meiner Frau eine vom ADAC ausgeschriebene Tour in den Westen der USA gemacht hatte, bin ich „auf Droge“. Route 66 und Rocky Mountains waren damals die Ziele. 5.000 km in zwei Wochen. Dieses grandiose Erlebnis setzte sich so nachhaltig fest, dass wir auch 2009 unterwegs waren. Dieses Mal eine Tour, ebenfalls in den Westen der USA, doch mit dem Schwerpunkt „Sturgis Rallye“ und weitern Zielen, wie dem Yellowstone Park.

Von Frankfurt aus flog eine 17 Personen starke Gruppe nach Denver, Colorado. Die Reise war von einem Hamburger Reisebüro, in Kooperation mit Martin, einem Harley-Händler aus Lübeck, organisiert. Auf der ersten Tour lernten wir Werner kennen, einen pensionierten Bankdirektor aus München. Der Kontakt von damals hat bis heute gehalten, so dass Werner auch 2009 mit von der Partie war. Vom Hausmann, Hausmeister bis hin zum Unternehmer unsere 2009er-Gruppe war sehr breit aufgestellt, darunter vier Frauen und 13 Männer. Nach der Ankunft in Denver, genannt auch Meilenstadt, da sie genau eine Meile hoch liegt, übernahmen wir unsere Harleys. Das Gepäck hatten wir in einem Begleitfahrzeug untergebracht. Eine kurze Tour, ca. 100 km, zum Eingewöhnen folgte. Am nächsten Tag dann die Tour durch den Rocky Mountains National Park. Passstraßen bis zu einer Höhe von über 3.000 m können dort befahren werden, grandios für Europäer unvorstellbar. Amerikaner sind es gewohnt, alles mit Fahrzeugen zu erledigen, deshalb die hervorragende Verkehrsinfrastruktur auch in Gebieten, wo wir laufen würden. Dies ist der Größe und der Weite des Landes geschuldet. Amerikaner sind wesentlich rücksichtsvoller und denfensiver im Fahrverhalten. Gegenüber Motorradgruppen sind sie sehr tolerant. Das konnten wir regelmäßig erleben und genießen.

Eine lange Tour mit fast 600 km nach Custer, Wyoming, war ebenfalls angesagt. Wyoming, fast so groß wie Deutschland, hat nur 500.000 Einwohner. Kilometerweite Straßen ohne Verkehr. Von Custer ging es dann über Mount Rushmore, den bekannten vier Köpfen amerikanischer Präsidenten, zu unserem Dreitagesstandort Belle Fourche, South Dakota. Von hier aus besuchten wir die Sturgis-Rallye, die zum 69. Mal stattfand. Sturgis ist das größte Motorradfestival der Welt. In der ersten Augustwoche treffen sich ca. 500.000 Motorradfahrer. Das kleine Nest mit 5.000 Einwohnern wird dann zum Mekka aller Motorradpilger. Unvorstellbare Mengen an Motorrädern, davon mindestens 99 Prozent Harleys, verteilen sich auf viele Camping- und Veranstaltungsplätze. Das abendliche Flanieren in der Main Street war unbeschreiblich. Es fanden hunderte von Events statt. Mit der Sturgis-Rallye können alle Klischees bedient werden. Man muss es selbst erlebt haben.

Nach drei Tagen ging es weiter nach Buffalo. Zum ersten Mal mussten wir Regenkleidung nutzen, die nur bedingt half. Nach Buffalo kam Cody, benannt nach Buffalo Bill (eigentlich William F. Cody). Dort wurden wir Zeuge eines nachgestellten Duells und einer Rodeoveranstaltung. Hier zeigte sich ein weiterer Unterschied. Selbst bei kleinsten Veranstaltungen erklingt die Nationalhymne. Dann stehen alle Amerikaner voller Patriotismus hinter ihrer Nation. Dies wäre auch wünschenswert für Deutschland. Je nach Situation wird zusätzlich ein Gebet gesprochen, wie beim Rodeo.

Ein absoluter Höhepunkt war der Besuch des Yellowstone Parks. Selbst 200 km Fahrstrecke reichten nicht, um den Park zu durchfahren. Er ist der erste und größte Nationalpark der Welt und Weltkulturerbe. 1872 gegründet, ca. 9.000 km² groß und voller Bisons, war er ehemals von Indianern besiedelt. Dies ist ein dunkler Punkt in der amerikanischen Geschichte, über den keiner objektiv redet: Der Umgang mit den Indianern verjagt, vertrieben und in Reservate gesperrt nur um der weißen Besiedlungspolitik keine Grenzen aufzuerlegen. Der Yellowstone Park ist heute Natur pur: über 3.000 aktive Geysire, Adler, Elche, Bisons sind hautnah zu erleben einmalig! Der nächste Tag brachte die Königsetappe mit fast 700 km durch vier Bundesstaaten: Wyoming, Utah, Montana, Idaho. Unbeschreiblich war das Teilstück von Salt Lake City in die Berge mit Passstraßen von mehr als 2.500 Höhenmetern. Nach über zehn Stunden Fahrt kamen wir glücklich im Hotel an: Zufrieden, der Kopf frei, ein Reset der Synapsen, Adrenalin auf andere Art.

Nach fast zwei Wochen fand die Tour wieder in Denver unfallfrei ihr Ende. Wir erlebten eine tolle Kameradschaft unter „Harley-Verrückten“. Meine Frau und ich freuen uns schon wieder auf die nächste Tour.

Günter Glöckner | markus.targiel@holzmannverlag.de

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