Kolumne -

Die Wolff-Kolumne Danach geht nichts mehr: Vorwürfe wecken das trotzige Ich

Weil wir gerade davon sprechen: Ich vermute, meine Erfahrung deckt sich mit Ihren praktischen Erlebnissen. Aus kleinsten Auseinandersetzungen entwickelt sich oft aus heiterem Himmel ein handfester Streit. Ein Streit, den wir ebensowenig wie der Gesprächspartner wollen.

So lange es sich um Erlebnisse im privaten Bereich handelt, mag das noch angehen. In einem Gespräch unter Partnern oder im Vorstand des Gesangsvereins sind solche Ereignisse zwar auch sehr ärgerlich, aber sie lassen sich einige Zeit später zum Glück meist reparieren.

Beruflich ist die Sache nicht so harmlos und einfach. Ein klassisches Beispiel: das kritische Mitarbeitergespräch. Egal, ob Sie es als Führungskraft aktiv führen oder als Mitarbeiter den passiven Part spielen dürfen.

Sehr schnell verändert sich das gut gemeinte Gespräch in ein trotziges Gegeneinander. Das nüchterne Sachgespräch schlägt um in das Wortgefecht von zwei Trotzköpfchen. Der immer wieder gleiche Auslöser für diese Stimmungsänderung – egal ob privat oder geschäftlich: Man muss nur einen gewaltigen Schuss aus der „Vorwurfs-Ölkanne“ ins glimmende Feuer gießen. Schon schießen die Flammen hoch. Statt nüchterner Argumente nur noch gegenseitige Empfindlichkeiten.

Der Vater der Transaktionsanalyse, Eric Berne, beschreibt diese Entwicklung so: Jede Seite reagiert mit dem „trotzigen Kindchen-Ich“. Dem anderen wird nicht mehr zugehört. Jeder Versuch, in dieser Situation einen Mitarbeiter noch zur Einsicht zu bringen, dass er einen Fehler begangen hat, muss scheitern.

Fazit: Wer beim Gesprächspartner wirklich etwas erreichen will, sollte die Vorwurfskeule besser verborgen halten. Und wenn es doch einmal schiefgeht: Machen Sie ruhig Vorwürfe – aber an die eigene Adresse.

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