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WFBSC Kongress: Branche auf dem Weg in die digitale Zukunft Chance oder Risiko?

Der 22. Kongress der World Federation of Building Service Contractors (WFBSC) vom 18. bis zum 20. September in Berlin stand unter dem Motto „Reinigung in einer digitalen Welt – ­Prozesse, Menschen, Technik“. Der Kernpunkt des Kongresses mit 500 Entscheidungsträgern aus dem Gebäudemanagement weltweit: Stellt die Digitalisierung für die Reinigungsbranche eher eine Chance oder ein Risiko dar?

In seiner Eröffnungsrede unterstrich Thomas Dietrich, WFBSC-Präsident und Bundesinnungsmeister des Bundes­innungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV), dass die Prozesse, die Menschen und die Technik die entscheidenden Gestaltungsfaktoren bei der Digitalisierung seien. Er prophezeite den Anwesenden, dass die Digitalisierung die Geschäftsgrundlage aller Anwesenden verändern werde.

Günther Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, hob die Gebäudedienstleistung als starken Wirtschaftssektor hervor und forderte die Branche auf, die Digitalisierung als Chance zu sehen. Gebäudedienstleister müssten in die Planung neuer Gebäude und anderer infrastruktureller Einrichtungen involviert werden. Er sprach sich deutlich für einen offenen, freien und fairen Handel aus. Das Thema Datenschutz, die Entwicklung digitaler Grundkompetenzen aller Mitarbeiter sowie die Investition in die Infrastruktur von Immobilien seien laut Oettinger die Standards, die es im nächsten Schritt zu entwickeln gelte.

Yvan Fieremans, Präsident der European Federation of Cleaning Industries (EFCI), beantwortete die Frage, ob die Digitalisierung die Reinigung übernehmen werde, mit einem klaren „Nein“. Sie werde sie lediglich unterstützen und ergänzen. Zudem spiele die Kommunikation eine besondere Rolle und mit ihr werde sich die Gebäudedienstleistung verändern. Er berichtete von einer momentanen Testphase innovativer digitaler Techniken für die Arbeitszeitaufzeichnung, die in Belgien durchgeführt werde. Solche und ähnliche Entwicklungen gäbe es in vielen Ländern und sie führten zu intensiven Diskussionen auf politischer Ebene.

Digitalisierung bereits fortgeschritten

Am zweiten Kongresstag informierte Dr. Ilham Kadri, Präsidentin von Diversey, zunächst über die Planungen für die neue Struktur des WFBSC. Der WFBSC solle fortan zukunftsorientierter und stärker an den Bedürfnissen der Mitglieder orientiert arbeiten. Auch Vertreter von Zulieferern der Branche sollen aufgenommen werden. Daneben verabschiede man sich von der Regelung, dass automatisch ein Mitglied des kongressausrichtenden Landesverbandes die WFBSC-Präsidentschaft übernimmt. Im Juni 2018, so Dr. Kadri, soll die Struktur stehen. Bei ihrem anschließenden Vortrag stellte sie fest, dass die Digitalisierung in der Reinigungsbranche bereits stark fortgeschritten sei. Bis 2020, so ihre Vorhersage, werden die 800 Millionen in der Reinigungsbranche tätigen Menschen durch 26 Millionen Geräte mit unzähligen Sensoren verbunden sein, die u. a. den Verschmutzungsgrad von Gebäuden messen. Da derzeit noch etwa 70 % des Reinigungspersonals weltweit nicht lesen und schreiben könnten, müsse die Bedienung der Geräte so einfach wie möglich (etwa durch Piktogramme) gestaltet werden. Gleichzeitig, so Dr. Ilham Kadri, sei eine bessere Bildung für die Beschäftigten auf dem Weg in die Digitalisierung unerlässlich. Die Digitalisierung der Reinigungsbranche sei zudem der einzige Weg, weniger Ressourcen (z. B. Energie, Wasser) zu verbrauchen, die Umwelt zu schonen und gleichzeitig profitabler zu arbeiten. Die Menschen würden in der Reinigungsbranche zwar immer der wichtigste Faktor bleiben, doch auch selbstlernende Roboter und damit die künstliche Intelligenz würden nach und nach Einzug halten.

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