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Sicherheitentausch Bürgschaft ist für Banken nicht gleich Bürgschaft

Auch wenn es Erstaunen hervorruft: Zwei Bürgschaften in exakt gleicher Höhe müssen für Banken noch längst nicht die gleiche Bedeutung besitzen. Unternehmer mit Konten bei verschiedenen Banken sollten ihre Strategie überdenken.

-Das Kreditvolumen von Berthold U., Mitgesellschafter eines Betriebes aus der Reinigungsbranche, wird seit fast 15 Jahren auf zwei Banken, einer Sparkasse und einer Volksbank, verteilt. Bei beiden Kreditinstituten unterhält U. auf ebenfalls zwei Geschäftskonten jeweils einen Überziehungskredit (Sparkasse: 50.000 Euro, Volksbank: 20.000 Euro). Darüber hinaus bestehen bei der Sparkasse weitere Darlehensverbindlichkeiten von insgesamt rund 200.000 Euro. Dass über das Geschäftskonto bei der Sparkasse die weitaus meisten Umsätze des Betriebes laufen, verdeutlicht deren Hausbankfunktion. Berthold U. hat es während der vergangenen Jahre immer wieder vermieden, das Konto bei der Volksbank aufzulösen und sämtliche Umsätze über die Sparkasse laufen lassen, da er stets der Meinung war, zu einem Mittelbetrieb seiner Größe gehören mindestens zwei Bankinstitute.

Diese Strategie hat sich insgesamt auch bewährt: U. profitierte in der Vergangenheit durchaus von der Konkurrenzsituation beider Banken in den unterschiedlichen Dienstleistungen wie den Zinssätzen bei Geldanlagen, den durchaus differenzierten Kontoführungsmodellen oder den vielfältigen Angeboten im so genannten „Electronic Banking“.

Mit einem, allerdings wichtigen, Punkt ist U. dagegen nie so richtig glücklich gewesen: Es geht um die Zinssätze seiner Überziehungskredite und seiner Darlehen, die grundsätzlich, selbst bei wohlwollender Betrachtung, maximal durchschnittlich waren und es auch heute noch sind. Vor allem auf Grund des insgesamt relativ geringen Kreditvolumens und der guten wirtschaftlichen Lage des Betriebes, der die Zinskosten bisher problemlos verkraftete, gab sich U. mit den jeweiligen Zinssätzen zufrieden.

Bank fordert mehr Sicherheiten

Das wird sich nun aber wohl ändern: Sowohl bei den Überziehungskrediten als auch bei der bevorstehenden Verlängerung zweier Darlehen drohen höhere Zinsen, die nach Aussage der jeweiligen Bankmitarbeiter vor allem mit „den allgemeinen Zinserhöhungen an den Geldmärkten“ zu tun haben. Darüber hinaus wird bei der Sparkasse als Hausbank argumentiert, dass sie mit den zur Verfügung gestellten Kreditsicherheiten „nach wie vor nicht zufrieden ist“ und dass sie unter den bisher geltenden Bedingungen zu keinen weiteren Zugeständnissen bei den Zinssätzen bereit ist.

Zum besseren Verständnis: Während sowohl bei der Sparkasse als auch bei der Volksbank jeweils eine von U. unterschriebene Bürgschaft in gleicher Höhe hinterlegt ist, gibt es bei der Volksbank als Zweitbankverbindung eine zusätzliche Grundschuld, mit der das Privatgrundstück von U. belastet ist. Dieser hat in der Vergangenheit durchaus versucht, die Volksbank zur Freigabe beziehungsweise zur Abtretung dieser Grundschuld an die Sparkasse zu bewegen, ist damit aber stets gescheitert. Sein Hinweis, dass die Volksbank ja bereits die Bürgschaft als Sicherheit besitzt, wird bisher nicht akzeptiert, da die Volksbank die Grundschuld als „finanzielle Unterlegung“ dieser Bürgschaft betrachtet. Andererseits ist sie aber auch nicht bereit, über bessere Konditionen beim Überziehungskredit zu verhandeln, da sie auf Grund ihrer Zweitbankfunktion angeblich „anders kalkulieren muss als die Sparkasse als Hausbank“.

Ordnung schaffen bei Krediten und Sicherheiten

An dieser mehr oder weniger verworrenen Situation hat sich bisher nichts geändert, da U. in der Vergangenheit aus den erwähnten Gründen auf beide Bankinstitute Wert legte. Durch die Zinssatzentwicklung scheint sich bei ihm aber nun doch die Einsicht durchzusetzen, die Geschäftsverbindung mit der Volksbank aufzugeben und sich mit seinem betrieblichen Engagement ausschließlich auf die Sparkasse zu konzentrieren.

Die dazu erforderliche Ordnung sowohl seiner Kredite als auch seiner Sicherheiten würde dann wie folgt aussehen: Erhöhung seiner Kreditlinie auf dem Geschäftskonto der Sparkasse von bisher 50.000 Euro auf 70.000 Euro bei gleichzeitiger Abtretung der Grundschuld an die Sparkasse. Darüber hinaus verzichtet die Volksbank auf die dann nicht mehr benötigte Bürgschaft. U. wird mit der Sparkasse außerdem über die dort noch bestehende Bürgschaft verhandeln. Diese ist ebenfalls nicht mehr nötig, da die Grundschuld, die im ersten Grundbuchrang steht, absolut werthaltig ist und keine zusätzliche Kreditsicherheit erfordert.

Im Ergebnis sollten beide Geschäftspartner davon profitieren, da die Sparkasse immerhin davon ausgehen kann, zusätzliche Kontoumsätze zu erhalten. U. kann dann seinerseits wiederum mit verbesserten Zinskonditionen rechnen.

Zwei Bankverbindungen kein Thema

Unternehmer Berthold U. denkt darüber hinaus daran, sein bestehendes Privatkonto und vor allem weitere Dienstleistungen bei einer anderen Geschäftsbank intensiver als bisher zu nutzen. Damit will er zumindest annähernd die Informationslücke schließen, die durch die Aufgabe der Geschäftsverbindung zur Volksbank entstehen wird.

Denn eins steht für Berthold U. nach wie vor nicht zur Diskussion: Das Aufrechterhalten von mindestens zwei Bankverbindungen.

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