Homepage -

Boden mangelhaft saniert: Reinigung noch möglich?

Im vorliegenden Schadensfall sollte die Reinigungsfähigkeit eines Aachener­-Blausteins überprüft werden, nachdem dieser im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen mangelhaft bearbeitet wurde.

Ursprünglich sollte die Oberflächenstruktur des Bodens in der Art verändert werden, dass eine getrommelte Oberfläche (ähnlich Hammerschlag) entsteht. Hierbei entsteht die Struktur durch spezielle Strahlverfahren, das kann im verlegten Zustand zu zusätzlichen Schwierigkeiten beim Herstellen einer homogenen Oberfläche führen.

Die geforderte gleichmäßige Optik konnte im vorliegenden Fall nicht erreicht werden, weshalb die Entscheidung getroffen wurde, die ursprüngliche Struktur durch Schleifmaßnahmen wiederherzustellen. Anschließend wurde die Oberfläche durch die beauftragte Firma imprägniert.

Mangelhafte Imprägnierung des Bodens

Dies erfolgte jedoch mangelhaft. Der Imprägnierüberschuss wurde einerseits nicht entfernt, andererseits wurde die Imprägnierung zum Teil nicht vollflächig aufgetragen. Des Weiteren waren die Kanten der Steine muschelförmig ausgeschlagen, die Fugenmasse war zudem ebenso stark beschädigt.

Je nach Art der zu imprägnierenden Oberfläche (saugfähig/weniger saugfähig) und je nach Zusammensetzung des Imprägniermittels ist nach dem Auftrag und der vorgegeben Einwirkzeit der Imprägnierüberschuss nach Herstellervorgabe zu entfernen.

Geschieht dies nicht, trocknet der Überschuss auf der Oberfläche auf, wodurch die Optik stark beeinträchtigt wird. Eine Entfernung im abgetrockneten Zustand ist dann nur noch mit erheblichem Aufwand möglich und das Ziel der Imprägnierung (ausschließlich das Eindringen des Imprägniermittels in die Oberfläche zum Schutz des Werkstoffs) wird nicht erreicht.

Zusätzliche Beschädigungen

Die Kanten der einzelnen Fliesen hätten im Vorfeld geschützt werden müssen, um den Kantenbruch zu verhindern. Eine Sanierung ist nur dann möglich, wenn die Kanten neu geschnitten werden. Dies bringt jedoch die Problematik mit sich, dass sich die ursprüngliche Plattengröße verändert, wodurch sich ebenfalls die Fugenbreite verändert.

Im vorliegenden Fall verbreitert sich die Fuge um rund sechs Millimeter. Eine gleichzeitige Veränderung der Optik, auch zu den angrenzenden Flächen der Nebenräume, wäre die Folge.

Fugenmaterial entfernen und erneuern

Das beschädigte Fugenmaterial ist zu entfernen und zu erneuern. Werden die Fugen im Bereich der Küche nicht fachgerecht erneuert, muss damit gerechnet werden, dass bei Reinigungsmaßnahmen Wasser in ­undichte Schwachstellen eindringen und es zu Schäden wie Schimmelbildung, Rissen et cetera kommen kann. Erst nach Durchführung dieser Maßnahme kann eine uneingeschränkte Reinigung wieder durchgeführt werden.

Weitere Schadensfälle finden Sie in unserer Schadensfalldatenbank.

Tipp des Sachverständigen: Boden vor Reinigung prüfen

In diesem Fall trat der Objektbetreiber direkt auf den Sachverständigen zu, um die Reinigungsfähigkeit zu prüfen. In vielen Fällen wird jedoch nach den Sanierungsmaßnahmen der Boden abgedeckt, damit weitere Arbeiten durchgeführt werden können und erst der Gebäudereiniger entfernt die Abdeckung.

In solchen Fällen sollte jeder Dienstleister sein Personal dahingehend schulen, dass die bearbeiteten Flächen vor der Aufnahme von Reinigungsarbeiten geprüft und Auffälligkeiten dokumentiert werden. Bei Unsicherheit beziehungsweise Zweifeln ist der Auftraggeber sofort zu informieren, so können ungerechtfertigte Schadensmeldungen oftmals bereits im Vorfeld abgewiesen werden.

Sascha Hintze, Sachverständiger


Sascha Hintze
ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter ­Sachverständiger. Sachverständigenbüro für Gebäude­reinigung & ­Entwicklung, Duisburg.
Kontakt: hintze@sach­ver­staendigenbuero-hintze.de

© rationell-reinigen.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Log-in

* Pflichtfelder bitte ausfüllen