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Zum Beitrag Wäschedienste ein sinnvolles Zusatzangebot? „Besser kann man sein Geld nicht verbrennen“

Zum Beitrag „Wäschedienste ein sinnvolles Zusatzangebot?“ ( rationell reinigen 5.2010, Seite 58 ff.) erreichte uns folgender Leserbrief:

„Es klingt sehr vielversprechend, seine Fachkompetenz mit einem artfremden Gewerbe zu ergänzen. Ich selbst als Wäschereifachmann würde es mir allerdings nicht zutrauen, die Fußbodenreinigung als Zusatzbrot aufzubauen. Natürlich hört es sich gut an, alles aus einer Hand zu haben. Auch Syner-gieeffekte sind bei der Wäscheverteilung durchaus zu verzeichnen. Reicht das aus, eine Wäscherei gewinnorientiert mitzubetreiben, oder bin ich versucht, bei einem Ge-samtangebot von Fußboden- und Wäschereinigung, das ich unter allen Umständen haben will, eine meiner zwei Gewerbegrund-lagen nur mit dem Deckungspreis anzubieten? Und: Wie oft fallen Mitarbeiter aus. Nehme ich dann die Mitarbeiter aus dem anderen Fachbereich, um wenigstens meinem Kerngeschäft nachzukommen? Spätestens hier fangen die inneren Konflikte an.

Ich habe noch keinen Kunden erlebt, der freiwillig mehr bezahlt, nur weil er alles aus einer Hand erhält. Im Gegenteil: Er wird versuchen, den Preis zu drücken, weil doch der Auftragsumfang so immens geworden ist und man doch so viel an ihm verdient.

In kleinen Einrichtungen kann man mit einer kleinen Wäscherei durchaus noch punkten. Hier ist der Markt nicht so heiß umkämpft, wie bei mittleren und großen Einrichtungen. Darunter verstehe ich Heime ab 50 Betten und Krankenhäuser jeder Art. Um ohne Verluste mitbieten zu können, muss die Wäscherei auf dem neuesten energetischen Stand sein und eine hohe Produktivität besitzen. Der Maschinenpark muss mindestens für jede Bearbeitungsstufe eine Maschine aufweisen. Das bedeutet eine Waschmaschine, einen Trockner, eine Kleinteilefaltmaschine, eine Mangel mit Eingabe- und Falttechnik, einen Finisher mit Legemaschine und eine Presseneinrichtung. Wer noch Heimbewohnerwäsche bearbeiten möchte, benötigt zusätzlich einen Hosentopper, einen Jackenformer, einen Hemdenkabinettsatz und einen Bügelplatz. Wer allseitig sein will, braucht auch eine chemische Reinigungsmaschine. Nicht zu unterschätzen sind die Transportmittel. Verpackungsmittel wie Wäschesäcke und Einschweißfolien mit Schweißgerät runden das Ganze ab. Alles andere ist nicht konkurrenzfähig. Und man braucht entsprechende Wäschemassen und -arten, um den Maschinenpark auszulasten.

In der Regel hat ein kleiner und mittlerer Ge-bäudereiniger viel geringere Maschinenanschaffungskosten. Der große Posten ist sein Personal. In Wäschereien dürfen die Personalkosten nicht über 50 Prozent liegen.

Größere Einrichtungen verlangen Mietwäsche. Für Krankenhäuser sind das pro Bett Anschaffungskosten im leicht dreistelligen Bereich erreichen. Will jede Einrichtung auch noch ihre Wäschefarben, lässt sich nicht einmal ein Gesamtpool bilden. Dienstbekleidung ist eine Sache für sich. Selbst hier haben sich die Wäschereien subspezialisiert.

Das Gesundheitswesen birgt so viele Stolperfallen. Die Wäscherei muss nach der RAL-Norm 992/2 „Krankenhauswäsche“ eingerichtet sein. Dazu muss die Schmutzseite von der Sauberseite durch eine Trennwand mit Containerwaschanlage und Personenschleu-se ausgerüstet sein. Die Maschinen müssen Durchladecharakter haben. Eine Taktwaschmaschine mit Trennseiten genügt ebenfalls. Die Waschmittel müssen durch das Robert Koch-Institut gelistet sein und der Desinfektion genügen. Das gilt auch für Heimwäsche. Will der Betrieb bis in den Operationssaal sterile Wäschesets liefern, benötigt er auch die DIN EN ISO 13485 mit separater Packeinrichtung unter Reinraumbedingungen. Die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 setzt jeder Kunde voraus. Wird der Betrieb nach der RAL-Norm zertifiziert, kann er getrost auf das Zertifikat RABC verzichten. Über das Abwasser der Waschmaschinen kann man die Moppreinigung in einer separaten Waschmaschine vornehmen. Das ist die Bearbeitungsart bei Moppwäschern für das kleine Geld. Die Mopps sollten dauerhaft mit Chips versehen werden. Ansonsten müssen sie mühselig gezählt werden. Oder es gibt ständig Streit über Moppverluste - und jeder spielt sich den Schwarzen Peter zu.

Es geht nicht nur um Qualitätssicherung. An erster Stelle steht die Logistik. Gerade wer sich auf viele Kleinkunden spezialisiert, um den Maschinenpark auszulasten, benötigt eine strenge Logistik. Wir erzielen das über ein Chipsystem in der Wäsche. Wir stehen mit der Flachwäsche noch am Anfang und haben schon 150.000 Teile verchipt. Wer auch Bewohnerwäsche anbietet, kann eine weitere Kennzeichnung durchführen. Wir liegen zurzeit bei 250.000 Stück. Und: Alles muss über eine Wäschereisoftware erfasst, berechnet und ausgeliefert werden.

Die großen Einrichtungen haben um auch die Mehrwertsteuer zu sparen bereits mit Auftraggebern Betreibergesellschaften gebildet. Für die Berliner Wäscher ist deshalb der große Kuchen Charité Geschichte.

Der mit Wäschereikapazität gesättigte Markt wartet nur auf die Wäscheoffensive der Ge-bäudereiniger? Besser kann man sein Geld nicht verbrennen. Klüger wäre es, wenn der Reiniger mit einem Wäscher eine Kooperation eingeht, um sich die Synergieeffekte eines Gesamtangebots zu verschaffen. Noch besser wäre, wenn beide gegenseitig Anteile an ihren Unternehmen erwerben. Aber: Eine Kooperation ist wie eine Ehe, manchmal hält sie ewig. Den Partner sollte man sich gut aussuchen. Wir als letzte Krankenhauswäscherei in Berlin werden den Weg der Kooperation einschlagen müssen. Nur so haben wir eine Chance auf dem Markt, uns weiterhin zu etablieren. Ich bin gespannt, wie viele Reiniger bei uns anklopfen.“

Gerhard Gruner, Geschäftsführer

der Krankenhauswäscherei

Königin Elisabeth Herzberge, Berlin

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