Glas und Fassade -

Graffiti entfernen – ein Überblick der Verfahren Beizen, Abstrahlen, Imprägnieren

Die Möglichkeiten, Graffiti mit Hilfe von Chemie oder verschiedener Strahlverfahren zu entfernen, sind groß. Die „Wahl der Waffen“ fällt dem Fachmann zu. Wir zeigen, wie der Angriff gelingt.

-Menschen, die ohne künstlerischen Anspruch im gestalterischen Sinne sich „verewigen“ wollen, beschmieren mit diversen Sprüchen und sonstigen geistigen Ergüssen in Schriftform so ziemlich alle zugänglichen freien Flächen: Graffiti prangen von Häusern, Trafostationen, Brücken, Unterführungen, Eisenbahnfahrzeuge und -anlagen, Schallschutzwänden, Denkmälern und historischen Gebäuden oder Grabsteinen, in Großstädten auch von Bauwagen, Bussen und Lkws, aber auch kleineren Flächen wie Stromkästen oder Verkehrsschildern.

Je schwieriger, desto größer die Anerkennung

Als Faustregel gilt, je schwieriger ein Objekt zu erreichen und zu besprühen ist, desto größer die Anerkennung für den Sprüher in der Szene. Eine nur über ein Hausdach zu erreichende Wand, ein ganzer Eisenbahnzug oder ein einzelner Waggon eines Zuges sind in der Regel schwieriger zu besprühen als eine Straßenunterführung und bringen dementsprechend mehr Ansehen. Hierbei hängt der Grad der Anerkennung aber auch von Qualität, Sauberkeit, Stil u.Ä. und Quantität ab. Das Sprühen von Graffiti auf öffentliche oder private Flächen ohne Genehmigung des Eigentümers stellt eine Straftat dar. Die Entfernung unerlaubter Graffiti an Gebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln verursacht nach Angaben des Zentralverbandes der Deutschen Haus- und Grundeigentümer pro Jahr Kosten von bis zu 250 Millionen Euro. Wir wollen uns hier speziell mit den Graffiti auf mineralischen Untergründen befassen. Graffiti werden zumeist mit Lacken aus Sprühdosen oder mit Farb- bzw. Filzstiften hergestellt. Der aufgesprühte Lack ist in der Regel so innig mit der Wandoberfläche verbunden, dass er die Porenräume mineralischer Wände verschließt und die Wasserdampfdurchlässigkeit vermindert. Nur Abbeizen oder Abstrahlen kommt für seine Entfernung in Frage.

Abbeizen mit chemischen Mitteln

Die chemische Industrie hält seit Jahren entsprechende Abbeizer, sog. „Cleaner“, zum Entfernen von Graffiti bereit. Es handelt sich zumeist um lösemittelhaltige Produkte von gelartiger Konsistenz, die tropffrei auf die beschmierte Stelle aufgetragen werden. Es dürfen allerdings nur beim Umweltbundesamt gemeldete und registrierte Abbeizer verwendet werden. Vor dem Einsatz eines chemischen Abbeizmittels sollte man unbedingt eine technische Beratung durch den Hersteller anfordern.

Gewöhnlich sind die im Handel erhältlichen Cleaner gebrauchsfertig. Sie werden mit kreisenden Bewegungen mit einem Pinsel oder Quast in die verschmutzten Oberflächen eingearbeitet. Bei rauen, strukturierten, also zumeist bei mineralischen Untergründen sollte man eine kräftige Bürste verwenden; aber Vorsicht - dabei kann nämlich die etwa aus Putz oder Naturstein bestehende Oberfläche in ihrer Struktur verletzt werden und die abgebeizte Fläche bleibt in der Wand als optische Veränderung sichtbar. Man sollte deshalb immer zunächst eine Probefläche anlegen, um solche Auswirkungen des Abbeizers rechtzeitig erkennen und vermeiden zu können.

Fläche darf nicht zu schnell trocknen

Nach kurzer Einwirkzeit, etwa zwei bis drei Minuten, höchstens fünf Minuten, kann die Schlämme aus Farbe und Reiniger mit einem Gummiabzieher entfernt werden. Bei kleineren Flächen kann dieses aggressive Gemisch mit Papier- oder Putztüchern aufgenommen und entsorgt werden. Es handelt sich jedenfalls immer um einen Problemabfall, der gemäß Abfallverzeichnis-Verordnung behandelt werden muss. Bei größeren Flächen muss die Schlämme in Eimern aufgefangen und als Sondermüll entsorgt werden.

Mit einem angefeuchtetem Schwamm erfolgt die abschließende Reinigung. Ihr Erfolg wird außerdem durch tensidhaltiges Wasser unterstützt, weil dieses infolge der fehlenden Oberflächenspannung tief in die mineralischen Poren eindringen kann. Der Anwender muss freilich darauf achten, dass das angelöste Farb-Reiniger-Gemisch während der Reinigungsphase nicht trocknet. Die Gefahr einer vorzeitigen Trocknung ist umso größer, wenn starker Wind weht oder die Wand direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Dann sollte keine Reinigung ohne ausreichenden Wind- oder Sonnenschutz durchgeführt werden.

Sollten nach der Reinigung Farbschatten bleiben, können diese mit einem besonderen Farbschatten-Cleaner in einem zweiten Arbeitsgang noch einmal gereinigt werden. Zu diesem Zweck gibt man diesen speziellen Abbeizer auf einen Lappen und reibt die betroffene Stelle sorgfältig ab. Danach sollte auch der geringste Farbschatten verschwunden sein.

Schutzbrille und Handschuhe tragen

Abbeizer bestehen aus gefährlichen Chemikalien und reizen zumeist die Augen, die Atmungsorgane und die Haut, ihre Dämpfe können Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen. Sie sind in der Regel für Wasserorganismen giftig und können in Gewässern langfristig schädliche Auswirkungen haben. Deshalb sind die Produkte jeweils mit besonderen Gefahrenkennzeichen deutlich sichtbar als reizend und umweltgefährlich markiert. Der Handwerker, der mit solchen Cleanern arbeitett muss unbedingt eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe tragen. In bestimmten Fällen ist sogar ein Atemfiltergerät erforderlich. Vor den Pausen und bei Arbeitsende sind stets die Hände zu waschen. Sollten trotz sorgfältigem Umgang mit der Chemikalie etwa die Haut oder gar die Augen kontaminiert worden sein, müssen solche Stellen unbedingt sofort mit Wasser und Seife abgewaschen und dann gespült werden. Mit einem Abbeizer verunreinigte Bekleidungsstücke muss man unverzüglich entfernen. Bei anhaltenden Beschwerden muss ein Arzt konsultiert werden. Es sind die Sicherheitsdatenblätter des Herstellers zu beachten.

Abstrahlen mit Dampf oder Wasser

Beim Abstrahlen von Graffiti mit heißem Dampf oder Wasser wird eine Farbschlämme erzeugt, die ebenfalls als Sondermüll zu behandeln ist. Außerdem löst das Strahlwasser bauschädigende Salze in den mineralischen Baustoffen an, die an der Oberfläche kristallisieren und infolgedessen den Baustoff zerstören. Besser ist es, umweltschonendes, beim Abstrahlen kaum Schlämme erzeugendes Trockeneis als Strahlmittel einzusetzen. Es wirkt in vielen Fällen durchaus zufriedenstellend. Aber oft genügt diese schonende Abstrahlung nicht, um Graffiti zu entfernen. Wiederum gibt erst eine Probefläche die nötige Erkenntnis über die Wirksamkeit des eingesetzten Strahlmittels. Dann kann es erforderlich werden, dass gegen besonders hartnäckig haftende Sprühlacke härtere Strahlmittel wie Walnussgranulat oder sogar Quarzsand eingesetzt werden müssen. Da Abstrahlen fast immer ein abrasives Verfahren ist, wird mit den Strahlmitteln zumeist die zu säubernde Oberfläche beeinträchtigt. Abstrahlen sollte deshalb nur bei großflächig mit Graffiti kontaminierten Wandflächen eingesetzt werden, und zwar bis zu den Rändern der abgestrahlten Wand oder bis zu abgrenzenden Gesimsen oder Vorsprüngen (siehe dazu auch rationell reinigen 7.2008, Seite 9–11).

Antigraffiti-Schutzsysteme – nur auf festem Untergrund

Um noch unberührte oder frisch gesäuberte Flächen vor Graffti zu schützen, hat die chemische Industrie umweltgerechte, wässrige, semipermanente Graffiti-Schutzimprägnierungen entwickelt. Sie können zur Behandlung von Wänden aus mineralischen Baustoffen wie Naturstein, Kalksandstein, Mauerziegel oder Beton, aber auch zum Schutz für Skulpturen, Denkmalen oder Grabsteinen eingesetzt werden.

Voraussetzung für die Wirksamkeit aller Graffitit-Schutzsysteme ist ein tragfähiger, fester und sauberer Untergrund. Ein absandender oder mürber Untergrund muss entweder beseitigt oder mit einem Festiger tragfähig gemacht werden. Nicht geeignet sind auch alte Farbfassungen, anhaftende Schmutz- und Schadstoffkrusten sowie Ausblühungen, Algen, Moose und Wärmedämm-Verbundsysteme. Baumängel wie Risse, ausgerissene Fugen, fehlerhafte Anschlüsse, aufsteigende und hygroskopische Feuchtigkeit müssen selbstverständlich zuvor repariert werden. Grundsätzlich dürfen in Wasser gelöste Schadsalze nicht hinter die behandelte Zone dringen. Wenn bauschädliche, weiße Krusten bildende Salze wie Sulfate, Chloride oder Nitrate beobachtet werden, ist eine quantitative Schadstoffanalyse eines qualifizierten Bauschadenlabors unerlässlich.

Durch eine geeignete Reinigung, wie wir sie bereits beschrieben haben, wird die Öffnung der Kapillaren und Poren für die Aufnahme des Graffitischutzes hergestellt. Allerdings ist bei der Wahl des Reinigungsverfahrens darauf zu achten, dass die vorhandene Bausubstanz so wenig wie möglich geschädigt wird. Reinigerrückstände wie etwa Tenside können die Wirkung des Graffitischutzes beeinträchtigen und müssen deshalb vollständig entfernt werden.

Der Untergrund muss auf jeden Fall einem Wasserstrahl einer Heißwasser-Hochdruckreinigung mit mind. 80 °C auf der Wandoberfläche standhalten. Antigraffiti-Schutzsysteme können zudem auch im Bodenbereich nicht eingesetzt werden.

Imprägnierung sprühen, pinseln oder rollen

Bei den chemischen Schutzsystemen gegen Graffiti handelt es sich meist um eine wässrig-milchige, farblos auftrockende Imprägnierung. Sie wird bei einer Objekttemperatur von 10 °C bis 25 °C im Niederdruck-Sprühverfahren mit einer Breitstrahldüse satt solange aufgesprüht, bis ein 30–50 cm langer Flüssigkeitsfilm an der Baustoffoberfläche herabläuft. Dabei wird die Sprühdose an der Wand entlanggeführt und sofort mit einem Flächenstreicher oder Haarbesen nachgearbeitet. Der Vorgang wird öfter wiederholt. Um Fehlstellen zu vermeiden, muss man begrenzte Abschnitte ohne Unterbrechung fertigstellen. Bei kleineren Flächen arbeitet man besser mit Pinsel oder Rolle. Dabei müssen zu geringe Auftragsmengen vermieden werden. Der Graffitischutz lagert sich dann an den Kapillar- und Porenwänden als makromolekulare Schicht ab. Die frisch behandelte Fläche sollte mindestens fünf Stunden lang vor Schlagregen geschützt werden, denn sonst wäscht der Regen den Graffitischutz ab. Die Verdunstung des Trägermaterials kann bei starkem Wind und direkter Sonneneinstrahlung die Eindringtiefe des Graffitischutzes vermindern.

Häufig sind zu schützende Untergründe bereits hydrophob eingestellt. In diesen Fällen muss der Untergrund vor dem Aufbringen im Niederdruck-Sprühverfahren kurz mit der Graffiti-Schutz-Imprägnierung vorbehandelt werden. Dabei soll das Produkt mit Deckenbürsten oder Flächenstreichern in den Untergrund einmassiert werden. Spezielle Additive heben dann kurzfristig die Hydrophobie auf und lassen so die Anhaftung der wässrigen Imprägnierung auf dem wasserabweisenden Untergrund zu.

Graffiti von geschützten Flächen entfernen

Mit Sprühlacken erzeugte Graffiti auf einer mit Graffitischutz behandelten, mineralischen Bauteiloberfläche lassen sich mit Hilfe eines Hochdruckreinigers mit Heißwasser von mind. 80–90 °C im Sprühverfahren schattenlos entfernen. Mit dem Graffiti löst sich dabei natürlich auch die Imprägnierung von der Wand. Daher muss nach jeder Reinigung und nach dem Abtrocknen der Wandoberfläche der Graffitischutz erneut aufgebracht werden. Das zum Reinigen verwendete Heißwasser muss auf der zu reinigenden Bauteiloberfläche mindestens noch 80 °C Wassertemperatur besitzen, weshalb die Wassertemperatur vor dem Austritt aus der Düse des Hochdruckreinigers noch um einiges höher sein muss. Je weiter der Abstand der Spritzdüse von der Wand ist, desto niedriger fällt die Wassertemperatur auf der Wandoberfläche aus. Wenn etwa ein Heißwasser-Hochdruckstrahl mit 80 °C und 50 bar Druck in einer Neigung von 40° in einem Abstand von 1 m auf eine Bauteilwand trifft, besitzt er dort nur noch eine Temperatur von ca. 35 °C. Dieses Beispiel zeigt, dass bei niedrigem Druck und hoher Temperatur, etwa 25 bar und 120°C, bessere Reinigungsergebnisse erzielt werden als bei hohem Druck und niedriger Temperatur, also 120 bar und 85 °C. Auf manchen, gegen Druck empfindlichen Flächen verbietet sich ein Hochdruckreiniger und das Arbeiten mit niedrigen Drücken ist unerlässlich.

Hände und Haut schützen

Zum Aufsprühen des Graffitischutzes eignen sich alle Niederdruck-, Förder- und Spritzgeräte. Sie müssen selbstverständlich trocken und sauber sein. Vor längeren Arbeitspausen und nach Gebrauch sind sie mit Wasser gründlich zu reinigen. Antigraffitimittel sind im Gegensatz zu den Abbeizern weder für Mensch noch Umwelt gefährlich, da sie in der Regel aus dem chemischen Stoff Alkylalkoxysilan bestehen. Sie sind nur schwach wassergefährdend. Trotzdem sollte man beim Umgang mit diesen Mitteln eine Schutzbrille und leichte Schutzbekleidung tragen. Nach dem Kontakt mit der Haut muss man sie auf jeden Fall sofort mit Wasser und Seife abwaschen und gut nachspülen. Sollte auf empfindlicher Haut eine Rötung entstehen, ist diese durch einen Arzt zu behandeln. Dies gilt auch bei Kontakt der Imprägnierung mit den Augen. Wenn man etwas von dem wässrigen Imprägnierungsmittel geschluckt hat, empfiehlt es sich, viel Wasser in kleinen Schlucken zu trinken, um das Mittel im Magen zu verdünnen. Sollten sich Beschwerden einstellen, ist der Gang zum Arzt unerlässlich.

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