Glas und Fassade -

Verputzte Fassaden und Natursteinmauerwerk Behutsam zu Werke

Abgase, Graffiti und der Zahn der Zeit nagen an Mauern und Putz. Beim Entfernen von Schmutz, Anstrichresten und Farbe gibt es zwei Dinge zu beachten: Die Fassade so schonend wie möglich reinigen und die Umwelt dabei so wenig wie möglich belasten.

-Verputzte Fassaden und Natursteinmauerwerk behutsam zu reinigen, so dass die Oberfläche nicht oder kaum angegriffen wird, ist nicht immer einfach. Je hartnäckiger der Verschmutzungsgrad, desto schärfer wird der Reinigungsprozess in die Substanz der Fassadenoberfläche eingreifen müssen und desto aggressiver werden die angewendeten Reinigungsmethoden sein. Es lässt sich oftmals nicht verhindern, dass dabei sehr giftige Reinigungsmittel zum Einsatz kommen. Der Umgang mit ihnen setzt große Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein voraus. In der Denkmalpflege lautet die Forderung allerdings: Mauerwerksoberflächen sollen möglichst samt Patina erhalten bleiben.

Brisante Gemische – richtiges Entsorgen

Beim Entfernen von Beschichtungen auf Fassaden wie Altanstriche, farbige Besprühungen (Graffiti), Öle, Teere, Bitumen, Gummierungen, aber auch Ausblühungen werden umweltunverträgliche Bestandteile der Beschichtung freigesetzt. Das brisante Gemisch bildet problematische Schlämme, die umsichtig und fachgerecht entsorgt werden müssen.

Angesichts zunehmenden Umweltschbewußtseins muss auch die Reinigungsfachkraft insbesondere beim Reinigen von mineralischen Oberflächen sehr sorgfältig arbeiten. Es gilt schädliche Immissionen zu vermeiden und Chemikalien, etwa in Farbschlämmen, umweltverträglich zu entsorgen. Auch Staubemissionen, die bei abrasiven Reinigungstechniken entstehen, müssen sorgfältig aufgefangen und umweltgerecht entsorgt werden.

Selbstverständlich dürfen nur solche Reinigungsmethoden angewendet werden, welche die Oberflächen behutsam und mit geringstmöglichem Grad an Zerstörung von alter Bausubstanz befreien. Das erweist sich bei jedem Mauerwerk aufs Neue als Herausforderung für die ausführende Firma. Dienstleister sollten sich vorab bei den jeweiligen Fachberatern der Hersteller von Reinigungsgeräten und -mitteln gründlich informieren, bevor sie ans Werk gehen, und auch von Fortbildungsseminaren der Hersteller und Vertreiber von Strahlgeräten Gebrauch machen.

Schwachstellen in Zeichnung dokumentieren

Viele Fehler beim Reinigung und Entsorgen der Schlämme lassen sich vermeiden, wenn im Vorfeld genau untersucht wird, was zu tun ist. Lassen Sie den Feldstecher zu Hause und suchen Sie stattdessen die Fassade z.B von der Hubarbeitsbühne aus auf kritische Zonen ab. Nur so können Sie Schäden wie lose Putzpartien, zerstörten Fugenmörtel, verwitterte und dabei salzbelastete Flächen des Mauerwerks – also Zonen hygrischer Feuchte –, festsitzende, nur durch Ablaugen zu entfernende Farbpartien, Moosbewuchs und vieles mehr richtig erkennen. Prüfen Sie die Wandoberfläche mit allen Sinnen: sehen, tasten, riechen und hören (abklopfen) gibt Aufschluss über den Zustand der Fassade. Fotografieren Sie besonders aufwendig zu reinigende Partien und tragen Sie sie in eine Fassadenzeichnung ein. Schließlich entsteht ein Kenndatenprofil der gesamten belasteten Oberflächen der Fassade. Das hilft später bei der Abrechnung den erforderlichen Aufwand zu belegen. Jedes Mauerwerk verschmutzt in den Jahren. Staub und Ruß bilden mit der Zeit eine schwärzliche Kruste, die oft innig mit der Fassadenoberfläche verbunden ist. Sie schadet dem Mauerwerk, weil sie die Poren verstopft und damit die Atmungsfähigkeit (genauer: die Wasserdampfdiffusionsfähigkeit) sowie den kapillaren Wassertransport stark beeinträchtigt. Es kommt hinter den dichten Krusten zu einem Wasserstau, was zu Frostaufbrüchen führen wird. Die Partikel können je nach Oberflächenmaterial auch chemische Reaktionen auslösen, die zur Zerstörung des Natursteinmauerwerks beitragen.

Meist liegen auch Altanstriche in Schichten übereinander und verstopfen ebenfalls die Poren. Außerdem haften sie in der Regel nicht mehr besonders gut und taugen nicht mehr als Untergrund für neue Anstriche. Entfernen Sie sie sorgfältig und lückenlos. Oft gesellen sich noch Graffiti zum üblichen Schmutz. Sie haften fest und müssen meist abgebeizt oder abgestrahlt werden.

Latex, Gummierungen, Bitumen, Epoxidharze und Chlorkautschuk stellen insbesondere bei minder festen Untergründen ein Problem dar. Sie haften besonders hartnäckig und erzwingen Zusätze zum Strahlgut, die die Oberflächen zerstören und häufig eine Belastung für die Umwelt sein können. Ein wichtiges Ziel der Reinigung ist es, dass die Poren mineralischer Baustoffe wieder geöffnet werden und sich die Wasserdampfdiffusionsfähigkeit erhöht. Die Oberfläche muss dabei intakt bleiben, abgewitterte Teile wie loser Fugenmörtel, absandende oder abschalende Naturstein- oder Backsteinoberflächen müssen jedoch entfernt werden.

Farbschlämmen und Strahlgut richtig entsorgen

Denken Sie lange vor Beginn der Reinigungsarbeiten daran, welche Reinigungsmittel Sie einsetzen werden (Testflächen) und welche Stoffe entfernt werden. Danach richten sich die Vorkehrungen für die umweltgerechte Entsorgung der Stoffe. Kontaktieren Sie die zuständigen Bauordnungsbehörde oder das Umweltamt der Stadt oder des Kreises und erarbeiten Sie gemeinsam ein Entsorgungskonzept. Dort erfährt der Dienstleister die gesetzlich geregelten Bestimmungen über die Zulässigkeit des Einleitens von Schmutz- bzw. Schadstoffen in den Baugrund oder in die örtliche Kanalisation. Sehr hilfreich sind dabei „Vorläufige Technische Hinweise“ wie vom Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft.

Fassadenabwässer dürfen auf keinen Falle durch provisorische Filter (z.B. alter Teppich) laufen, der die Feststoffe zwar auffängt, das Abwasser aber ungehindert in den Boden sickern lässt. Kontaminierte Abwässer dürfen auch nicht in die Kanalisation gelangen. Hierfür gibt es örtliche Bestimmungen. Eine bundesweite Regelung (ATV-Merkblattes 370) soll bald die Erfordernis von Auffangvorrichtungen für Abwässer an Fassaden festlegen. Im Merkblatt wird eine Fassadenfreifläche von höchstens 300 m2 zugegeben, bei der eine Auffangvorrichtung und eine weitergehende Abwasseraufbereitung entfallen dürfen. Voraussetzung dafür ist, dass nur klares Wasser ohne Einsatz von Chemikalien zum Einsatz kommt. In allen anderen Fällen muss das schmutzige Reinigungswasser in einer Folienwanne aufgefangen und in eine geeignete, mobile, für die Behandlung von Fassadenabwässern zugelassene Wasseraufbereitungsanlage mit Bauartzulassung gepumpt werden. Man kann das Abwasser aber auch in speziellen Fässern zur nächsten Sondermüllkippe transportieren und entsorgen. Gleiches gilt für anfallende Farbschlämmen, chemisch verunreinigte Fassadenabwässer oder im Wasser befindliche Strahlmittel. Nur trockene Farbabfälle und Strahlmittel können wie Bauschutt entsorgt werden.

Für die Entsorgung von Fassadenabwässern gilt:

  • die Verordnung zur Einführung des europäischen
    Abfallkatalogs EAKV und
  • die Verordnung zur Bestimmung von besonders
    überwachungsbedürftigem Abfall .

Aus der erstgenannten Verordnung resultiert eine Zuordnung der Abwässer nach dem Europäischen Abfallkatalog EAK, der einer jeden Abfallart einen eigenen Abfallschlüssel zuweist. Je nach Gefährlichkeit des Abfalls unterscheidet man nach drei Abfallkategorien:

  • nicht überwachungsbedürftigem,
  • überwachungsbedürftigem und
  • besonders überwachungsbedürftigem Abfall.

Danach gehören insbesondere Farb- und Lackschlämmen zu den letztgenannten Abfällen. Sie tragen die Abfallschlüsselnummern EAK 080107 und 190201. Für solche Abfälle dürfen auch auf der Baustelle nur spezielle, von zugelassenen Entsorgungsfachbetrieben zur Verfügung gestellte ASP-Behälter aufgestellt werden. Auch das Entsorgen der zum Abkleben der Fenster oder für Folienwannen eingesetzten Folien muss nach den Abfallrichtlinien ausgeführt werden. Mit Planen und Folien verhindern Sie, dass (umweltschädlicher) Staub verweht wird oder Wasser aus dem Hochdruckstrahler aus dem Baustellenbereich spritzt.

Zum Lärmschutz eignen sich lärmgeschützte Baumaschinen und Schallschutzwände. Denken Sie an die arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften: Geeignete Schutzanzüge und Bauhelme sind Pflicht.

Handwerklich saubere Arbeit

Reinigungsarbeiten sollten nicht von gerade erst angelernten Kräften ausgeführt werden. Gerade die gleichmäßige Führung der Strahldüse im richtigen Abstand von der Wand Bedarf einiger Übung und muss während der gesamten Reinigung gewährleistet sein.

Die eingesetzten Kräfte sollten daher viel Erfahrung im Umgang mit Geräten, aber auch mit Reinigungsmitteln haben. Hohes Verantwortungsbewusstsein für das Mauerwerk, aber auch für die Arbeiter und die Umwelt muss alle Entscheidungen hinsichtlich des richtigen Vorgehens leiten.

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