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Ausrüstung leasen ­­oder ­ mieten – lohnt sich das?

Gebäudedienstleister können als Alternative zum Kauf eigentlich alles leasen oder ­mieten, was für den Unternehmensalltag benötigt wird: Autos, Büroausstattung und IT ebenso wie Reinigungs­maschinen und ­-geräte oder auch Berufsbekleidung. Was dafür und was dagegen spricht.

Statistik vorweg: Leasing als Investitionsform hat in den vergangenen fünf Jahren an Bedeutung gewonnen. "Der Anteil der Heavy-User, also an Unternehmen, die sich bei Investitionsentscheidungen immer oder häufig für Leasing entscheiden, steigt deutlich an", informiert der Bundesverband Deutscher ­Leasing-Unternehmen in seiner jüngsten Studie.

Wie Leasing funktioniert

Zwei von fünf Unternehmen nutzen aktuell diese Möglichkeit zur Investition intensiv – bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern ist es sogar jedes ­zweite. Rund 74,4 Milliarden Euro Finanzierungs­volumen hat die Branche, eine eigene Statistik für das Handwerk gibt es nicht.

Beim Leasing schließt der Gebäudedienstleister mit dem Leasing-Geber – zum Beispiel einer Bank, einer Leasing-Gesellschaft oder einem Hersteller – einen Vertrag über die Nutzung eines Leasing-Objekts ab. Darin werden die Nutzungs­dauer, die Gebühren, die monatliche Rate, Wartung und Instandhaltung ­sowie die Rückgabekonditionen geregelt. Am Ende der ­Vertragslaufzeit hat der Dienstleister grundsätzlich drei Möglichkeiten. Entweder

  • er verlängert den Leasing-Vertrag,
  • er kündigt ihn oder
  • er kauft das Leasing-Objekt zum Restwert.

Die am häufigsten geleasten Objekte in Deutschland sind Fahrzeuge. Sie machen 78 Prozent des deutschen Leasing-Marktes aus. Mit weitem Abstand folgen Maschinen für die Produktion (acht Prozent), Nachrichten- und Signaltechnik sowie Büromaschinen und IT (mit jeweils fünf Prozent) und Immobilien mit zwei Prozent.

Was Leasing-Nehmer überzeugt

Die professionelle Ausstattung im Gebäude­reiniger-Handwerk ist oft teuer – gute Maschinen, Werkzeuge, IT und Büroausstattung kosten viel Geld. "Wer hochwertige und immer die modernsten Geräte nutzen, aber nicht viel Geld auf einmal investieren möchte oder kann, entscheidet sich deshalb oft für Leasing. So schont er seine Liquidität und kann die Leasing-­Raten als Betriebsausgabe von der Steuer absetzen", erklärt Thomas Kehne, Vorstand im Bundesverband Finanzierung und Leasing (BVFL).

Positiv auch: Fällt eine Maschine aus, übernimmt ­– wenn vereinbart – der Anbieter die Reparatur und haftet auch für Ausfälle. Zudem hat der Gebäude­dienstleister Planungs­sicherheit, denn die Monats­raten sind über die gesamte Laufzeit fest. Ein ­weiteres Plus: Das Leasing-Objekt wird meist nicht in der ­Bilanz des Unternehmens ausgewiesen. Der Vorteil: Die Eigenkapitalquote bleibt unbelastet, was die ­Kreditaufnahme für andere Vorhaben erleichtert.

Was Leasing kostet

Für die Nutzung zahlt der Leasing-Nehmer monat­liche Raten. Sie sind oft höher als bei einem kreditfinanzierten Kauf des Leasing-Guts – der Leasing-­Geber muss sein Risiko finanzieren und außerdem an dem Geschäft etwas verdienen. Ein Vergleich lohnt. Anders ist die Situation, wenn ein Hersteller ein Objekt per Leasing zur Finanzierung anbietet: "Leasing-Angebote von Herstellern und Handel sind bisweilen von umfang­reichen Dienstleistungen ­begleitet, nicht ­selten ­werden ­besondere Preisnachlässe gewährt. Hierbei erhält der Leasing-Nehmer meist ein sehr gutes Leistungspaket" sagt Thomas Kehne.

Was gegen Leasing spricht

"Mit Geräten zu arbeiten, die einem nicht gehören, ist für manchen Handwerker keine zufriedenstellende Vorstellung. Hin und wieder entsteht auch Konfusion, wenn das geleaste Gerät zum Vertragsende nicht automatisch in das Eigentum des Handwerkers übergeht“, weiß Thomas Kehne.“

Manchen Unternehmer schreckt, dass Leasing-­Verträge kaum Spielraum für vorzeitige Kündigungen lassen. Wenn der Gebäudedienstleister das Leasing-Gut ungeplant nicht mehr benötigt oder ­einen plötz­lichen Liquiditätsbedarf hat, steckt er im ­Leasing-Vertrag fest – oder leistet hohe Ausgleichs­zahlungen, wenn er vorzeitig kündigt. Ist das Auto, die Maschine oder das Gerät jedoch sein Eigentum, kann er es verkaufen und so sofort Liquidität gewinnen.

Unsicherheit herrscht auch bezüglich der Rück­gabe: Ist das Leasing-Objekt nicht im vereinbarten ­Zustand, können Nachzahlungen folgen. Zudem gibt es die ­Gefahr der fristlosen Kündigung: Wenn der Leasing-Nehmer in Zahlungsverzug ist, kann der ­Leasing-Geber kündigen und Schadenersatzforderungen stellen. Ist das Leasing-Gut überlebenswichtig für den Betrieb, kann dieses Kündigungsrecht als Insolvenzbeschleuniger wirken.

Verlängerungsoption kann sinnvoll sein

Expertentipp: Wer eine komplexe technologische Ausrüstung least, sollte eine Verlängerungsoption in ­seinen Vertrag aufnehmen, denn diese Anlagen können häufig nicht termingerecht am Tag des Endes eines Leasing-Vertrages ersetzt werden. Wer ­Leasing in Betracht zieht, sollte auf die Qualität des Leasing-­Gutes, die passende Vertragslaufzeit und den Preis ­– inklusive transparenter Nebenkosten – achten.

Übrigens: Bedienfehler an Maschinen, ein Brand, Schäden durch Dritte am Auto – es gibt Ereignisse, die das Leasing-Objekt schädigen. Hier schützt eine Inhaltsversicherung. "Neben geleasten Sachen sollte das gesamte Betriebsinventar zum Neupreis abgesichert sein – auch bei grober Fahrlässigkeit", rät Christina Müller von der Nürnberger Versicherung.

(Quelle: handwerk magazin)

Yvonne Döbler | heike.holland@holzmann-medien.de

Was halten Gebäudedienstleister vom Thema Leasing oder Miete als Alternative zum Kauf? rationell reinigen hat nachgefragt.

Florian Wackler: "Entscheidend ist ­ der Zusatznutzen"

Florian Wackler
Florian Wackler -

Florian Wackler, Geschäftsführer, GEG Gebäudedienste, Lonsheim: "Wir erwägen Leasing oder Miete als Alternative zum Kauf bei jeder Anschaffung über GWG-Wert.

Im Hinblick auf die Liquidität ist es immer ein Thema. Das reine Leasing zur Finanzierung ist für unser Unternehmen bei der derzeitigen Zinshöhe allerdings meist unattraktiv, hier würde, wenn eine Finanzierung notwendig ist, für uns auch ein Kredit in Frage kommen. Entscheidend für Leasing oder Miete ist der Zusatznutzen, der sich aus dem Service zu den Produkten ergibt.

Bei Druckern bewährt sich das Leasing für uns, da nach der Nutzungszeit die Geräte auch entsorgt werden. Früher ­handelte es sich oft um Sondermüll, heute verwenden wir nachhaltige Geräte, die regelmäßig auf den neuesten ­Technikstand gebracht werden. Während der Leasingdauer werden die Geräte gewartet und benötigtes Tonermaterial geliefert, ­Servicetechniker stehen bei Problemen schnell zur Verfügung.

Für größere Reinigungsgeräte und Waschmaschinen hat sich der Kauf oft als günstiger für uns erwiesen, wenn über den Händler auch der Service separat zuverlässig gewährleistet ist. Das Umsetzen der Geräte bei Bedarf in andere Objekte oder auch Verkauf sind hier bislang für uns einfacher und kostengünstiger zu bewerkstelligen.

Für Arbeitsbekleidung in besonderen Bereichen testen wir auch immer wieder die Mietarbeitsbekleidung. Wichtig ist, dass Waschen und Tausch der Kleidung im Service inbegriffen sind. Unsere Mitarbeiter erhalten ausreichend Wechselbekleidung in passender Größe. Allerdings ist bei Auftragsverlust vor Ende der Leasingdauer die Ware meist zu kaufen. Hier vereinbaren wir individuell Kündigungsmodalitäten für ein vorzeitiges Vertragsende, falls der Auftrag verloren geht, so dass die Kleidung gekauft werden kann, ohne den Service weiter nutzen zu müssen. Bei Personalwechsel muss das Grundsortiment in den Größen wieder angepasst werden, was zu weiteren Kosten führt.

Insgesamt ist die Vielseitigkeit der Anschaffungsmöglichkeiten von Maschinen und Geräten für uns sehr wichtig, um in allen Objekten schnell und zuverlässig arbeiten zu können."

Richard Orthuber: "Wir achten auf ­ ­ einen sinnvollen Mix"

Richard Orthuber
Richard Orthuber -

Richard Orthuber, Geschäftsführer, August Weber, München: "Für mich macht ein Barkauf von Maschinen nur Sinn, wenn die Liquidität gegeben ist. Für unseren Gerätepark steht ein technischer Mitarbeiter zur Verfügung, der für die Instandhaltung und Wartung der Reinigungsgeräte und -automaten zuständig ist. Dadurch können wir flexibel und wirtschaftlich handeln und sind weder von Laufzeiten noch von Liefer­engpässen eingeschränkt. Durch die ständige Pflege der Geräte erreichen wir eine längere Nutzung und können nachhaltig handeln. Das Arbeiten darf nicht durch sinnlose Logistik ­unterbrochen sein, die Geräte müssen gewartet und aufgeladen permanent zur Verfügung stehen.

Andererseits ist Leasing für unser Unternehmen oft günstiger als unflexible Barzahlungsangebote, die Bonität bleibt gegeben. Bei hochpreisigen Maschinen wie Räum- oder Kehrmaschinen fahren wir damit besser. Waschmaschinen werden  bei uns im Full Service geleast, mit 24-Stunden-Reparatur und Austausch nach drei Jahren, inklusive Kündigungsmöglichkeit bei Objektverlusten. Auch im Bereich der intelligenten Gebäudetechnik kommen ausschließlich geleaste Geräte, wie Saugroboter und Luftreiniger, zum Einsatz.

Unsere Mitarbeiter werden zudem mit geleasten Mobil­telefonen ausgestattet. In Verbindung mit unserer App dienen die Geräte zur Leistungs- und Qualitätskontrolle. Bei schnell­lebigen Geräten ist das definitiv die richtige Wahl. Für mich als Arbeitgeber ein Posten, den man in der Planung und Kalkulation nicht außer Acht lassen sollte.

Bei der Kündigung eines Objekts laufen die Kosten ohne Umsatz weiter. Dann zahlt sich eine intakte, abgeschriebene Maschine natürlich aus, weil außer Wartungskosten keine weiteren Kosten entstehen. Ein Leasingvertrag läuft hingegen weiter – für mich als Unternehmer ein großer wirtschaftlicher Nachteil. Nur durch die zeitnahe Verteilung in andere oder neue Objekte lassen sich die laufenden Kosten dann kompensieren.

Als umweltzertifiziertes Unternehmen achten mein Team und ich auf einen sinnvollen und wirtschaftlichen Mix aus Kauf und Leasing in den verschiedenen Produktgruppen. "

André Schreck: "Standardtechnik kaufen, Spezialausrüstung leasen"

André Schreck
André Schreck -

André Schreck, Geschäftsführer, Reuter & Schreck, Bad Lausick: "Ich möchte Leasing oder Miete für unser Unternehmen nicht grundsätzlich aus­schließen. Durch Varianten mit Service­vertrag behält man die Kosten im Blick und die Liquidität bleibt. Das hilft bei Verträgen mit kurzer Dauer.

Bei Standardreinigungstechnik wie Einscheibenmaschinen oder Reinigungswagen kommt aus meiner Sicht nur ein Kauf in Betracht. Bei kostenintensiver oder spezieller Reinigungstechnik wie Waschmaschinen, Reinigungsautomaten oder in Zukunft auch Robotik sieht das anders aus. In solchen Fällen wird es gar nicht anders gehen, als zu mieten beziehungs­weise zu leasen. Dabei spielt auch die Laufzeit der Reinigungsverträge eine entscheidende Rolle. Meine Überlegung dabei ist unter anderem: Kann ich die gekaufte Ausrüstung bei Auftragsverlust ohne weiteres in einem anderen Objekt einsetzen?

Für einige Reinigungstätigkeiten mieten wir zum Beispiel ­Hubarbeitsbühnen, da diese nur kurzfristig benötigt werden und die Größe der Bühne entsprechend den objektspezi­fischen Bedingungen gewählt werden kann. Um Lager- und Produktionshallen zu reinigen, haben wir in der Vergangenheit auch auf ein Mietmodell für einen Scheuersaug­automaten gesetzt. Da der Auftrag nach zwei Jahren beendet wurde, war dies die richtige Entscheidung. Unsere IT haben wir größtenteils geleast, von unserem Fuhrpark ist etwa ein Drittel geleast. Aufgrund der ständig steigenden Kosten bei der Rücknahme wird Fahrzeugleasing für uns in Zukunft aber weniger eine Rolle spielen. Beim Leasing von Reinigungs­geräten oder -­maschinen handelt es sich bei uns um Einzel­fälle: Entweder lässt der Auftragszeitraum, die Spezifikation des Objektes oder die Liquidität – oder alles im Verbund – keinen Kauf zu. Die Vorteile vom Leasen/Mieten mit ­Servicevertrag sind auf jeden Fall die Rückgabemöglichkeit der Maschine und die feststehenden monatlichen Kosten.

Ein Risiko ergibt sich aber aus wechselnden Nutzern. Als Eigentümer kann man schon mal mit der einen oder anderen Schramme leben. Bei einem geleasten Fahrzeug sind hin­gegen kleinste Dellen schon ein Mangel, der einem in Rechnung gestellt wird. "

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