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Die E-Bilanz kommt Auch für Kleinstbetriebe

Für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2011 enden, ist der Jahresabschluss künftig in elektronischer Form dem Finanzamt vorzulegen. Allerdings wird es die Finanzverwaltung nicht beanstanden, wenn im ersten Jahr der Pflicht zur Vorlage eines E-Abschlusses ein Abschluss noch in alter, konventioneller Form erfolgt.

-Es empfiehlt sich jedoch dringend, die Buchhaltung bereits in diesem Jahr auf die Erfordernisse der Neuregelung umzustellen, um sich einerseits mit der neuen Praxis vertraut (und fit) zu machen, sich andererseits aufwändige - und damit teure - Umbuchungsarbeiten zu ersparen. Sollte der Steuerberater die erforderliche Systemumstellung noch nicht eingeleitet haben, sollten Sie ihn daher umgehend darauf ansprechen.

Was ändert sich?

Der neu vorgeschriebene Kontenplan ist ungleich differenzierter als bisher und verlangt sogar eine noch größere Auffächerung als es das Handelsgesetzbuch für „Große Kapitalgesellschaften“ fordert. Als bislang unbekannte Neuerung ist auch eine EDV-gestützte Überleitungsrechnung vorzulegen, wenn neben der Steuerbilanz auch eine Handelsbilanz erstellt wird. Wird beispielsweise ein bilanzierter Firmenwert von 100.000 Euro in der Handelsbilanz über einen 5-Jahres-Zeitraum abgeschrieben, obgleich der steuerliche AfA-Satz normalerweise auf 15 Jahre ausgelegt ist, ist die Abschreibungsdifferenz zwischen Handels- und Steuerbilanz zu ermitteln und in der Überleitungsrechnung auszuweisen. Wurde beispielsweise ein im Berichtsjahr angeschafftes Wirtschaftsgut (Kaufpreis 50.000 Euro) mit einem steuerlichen (linearen!) AfA-Satz von 10 Prozent in der Handelsbilanz mit 20 Prozent degressiv abgeschrieben, ist ebenso zu verfahren (siehe Tabelle unten).

Warum die Neuerung?

Die elektronische Steuererklärung bedeutet für einen Betrieb kein absolutes Novum. Sie dient zweifellos einem beachtlichen Rationalisierungsschub zu Gunsten des Finanzamts.

Der Fiskus nutzt sie aber auch für den Betriebsvergleich. Durch die normierte Gliederung lassen sich branchengleiche Unternehmen ziemlich treffsicher vergleichen. Während auftauchende Anomalitäten in der Vergangenheit zuweilen nur dem aufmerksamen Finanzbeamten auffielen, wird mit der E-Bilanz ein Rastersystem ermöglicht, das automatisch auf Auffälligkeiten im Betriebsvergleich durch Plausibilitätskontrollen hinweist und selbst schläfrigen Beamten Warnrufe sendet.

Zusätzliche Betriebsprüfer

Als Rationalisierungseffekt werden aber Beamte frei, die sich nun als zusätzliche Betriebsprüfer einsetzen lassen. So dass sich die Prüfungsdichte künftig merklich erhöhen wird. Ein neues, mit Sicherheit wirksames Mittel, Steuerhinterziehung schneller als bisher zu enttarnen. Abschließend sei darauf verwiesen, dass selbst Kleinstbetriebe zur E-Bilanz-Abgabe verpflichtet sind. Weiter, dass nach der einjährigen Schonfrist abgelieferte Abschlüsse in alter Form als nicht abgegeben gelten und nach § 328 Abgabenordnung mit Zwangsgeld bis zu 25.000 Euro geahndet werden können.

Michael Bandering | markus.targiel@holzmann-medein.de

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