Glas und Fassade -

Internationales Congress Center Dresden An der schönen blauen Elbe

Sommer in Dresden: Nicht umsonst spricht man vom „Elbflorenz“. Doch die heißen Monate haben auch Nachteile. Mücken und Spinnen schlüpfen zuhauf und hinterlassen Dreck auf Scheiben und Fensterrahmen. Die Betreiber des Kongresszentrums Dresden, ein moderner Glasbau direkt an der Flusspromenade, suchten eine Lösung. rationell reinigen war am „Tag der Entscheidung“ dabei.

-Normalerweise berichtet rationell reinigen über Objekte, in denen Hersteller von Maschinen oder Chemie, Gebäudereiniger und ihre Kunden gemeinsam eine Lösung für ein Reinigungsproblem gefunden haben. Wenn der Redakteur oder die Redakteurin vor Ort sind, sind sie meist die einzigen, die die anderen Beteiligten noch nicht kennen. Hersteller, Dienstleister und Kunde sind oft schon seit Monaten oder Jahren ein eingespieltes Team. Es fallen Sätze wie „Ach, erinnern Sie sich noch Herr Müller, am Anfang haben wir doch probiert ...“ oder „Da haben wir lange gemeinsam daran getüftelt, stimmt’s Herr Meier?“.

Diesmal war es anders. rationell reinigen war eingeladen, zu beobachten, wie Gebäudereiniger, die bisher noch keinerlei Erfahrung mit der Glasreinigung mittels Karbonstangensystem hatten, auf die neue Technik reagieren würden. Und, ob ein potenzieller Neukunde sich tatsächlich für das System begeistern ließ. Als neutraler Beobachter eine spannende, aber auch brenzlige Situation, denn was, wenn der potenzielle Neukunde bereits bei der Präsentation mit wüsten Worten über das Produkt herzieht?

Um es vorwegzunehmen, so war es nicht. Dennoch hatte Manfred Mihatsch, Key Account Manager bei Unger Germany, in Heiko Malyska, Glas- und Gebäudereiniger des Maritim Hotels und des angeschlossenen Kongresszentrums, ein durchaus kritisches Gegenüber. Malyska hatte bis zu diesem Tag noch nie mit einem Stangensystem gearbeitet. So übrigens auch die 20 weiteren Teilnehmer, die der Einladung der Igefa gefolgt waren. Sie hatte die Präsentation am Kongresszentrum organisiert, um Interessenten aus der Umgebung die Chance zu geben, sich näher über diese Methode der Glasreinigung zu informieren.

Das Kongresszentrum eignete sich gut als Anschauungsobjekt, denn die langen großen Glasfronten wurden bisher eingerüstet und herkömmlich mit Wischer und Abzieher gereinigt. Fassadenkletterer nahmen sich der Bereiche an, die mit dem Gerüst nicht zu erreichen waren, und sie vor allem von Spinnen und Insektendreck befreiten, die in den Sommermonaten in Heerscharen in Flussnähe auftauchen. Naheliegende Frage: „Warum wurde hier keine Hebebühne eingesetzt?“ Malyska: „Der Eingangsbereich ist überdacht und liegt hinter einer großen Treppe, das ist das erste Problem. Das zweite Problem sind die Platten aus Muschelstein. Darunter sind Hohlräume, das heißt, die Platten brechen bei zu hoher Belastung leicht.“

Die Architektur des Baus machte das Einrüsten dazu sehr schwierig. Denn die Bodenplatten sind nicht horizontal verlegt. Die gesamte Fläche fällt leicht in die Richtung der Eingangstreppen ab, die Gerüste mussten also unterlegt und entsprechend gesichert werden. Ein Riesenaufwand.

Manfred Mihatsch erläuterte der Gruppe zunächst, wie die Stangen verschraubt und der mobile Harzfilter oder alternativ die mobile Umkehrosmoseanlage mit integrierter 230-V- und Chemiedosierpumpe aufzubauen ist. „Beim Harz- bzw. Ionenaustauschfilter fallen laufende Betriebskosten an“, erklärte er, „nach 3.000 bis 4.000 l Wasserdurchfluss – wie viel genau hängt von der Wasserhärte ab – muss das Harz ausgetauscht werden.“ Anders verhält es sich bei der Umkehrosmoseanlage, die keine laufenden Kosten verursacht. „Welches System für Sie wirtschaftlicher ist, hängt natürlich davon ab, wie oft und wie viele Quadratmeter Sie reinigen“, sagte Mihatsch.

Die Arbeit mit deionisiertem Wasser eignet sich für alle Glasflächen wie Wintergärten, Bürofassaden und sogar Photovoltaikanlagen. Hier warnte Mihatsch: „Diese Flächen bitte nie mit Hochdruck reinigen. Sie könnten die Anlagen beschädigen und wenn Sie mit normalem Wasser arbeiten entstehen Kalkflecken, die einen Leistungsverlust der Anlage bewirken.“

Entscheidend bei der Glasreinigung mit Karbonstangen ist die richtige Technik. „Die Bewegung kommt aus den Beinen, nicht aus der Schulter. Gehen sie also mit dem ganzen Körper“, machte der Fachmann vor. Er verheimlichte nicht, dass diese Methode etwas Übung verlangt: „Ich sage jedem, ich brauche Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung.“ Bei einer Höhe von 15 m beträgt das Gewicht der Stangen plus Bürste übrigens etwa 9 kg.

Manfred Mihatsch erläuterte noch einige Details, wie das automatische Abschalten der Anlage, wenn der Hahn an der Stange zugedreht wird, bevor die Interessenten selbst Ausprobieren konnten. Auch Heiko Malyska wagte seine „ersten Sprünge“ mit den Karbonstangen. Der Wechsel über die Stahlstreben von einer Scheibe auf die nächste gelingt, wenn die Stangen in Schwingung versetzt werden und der Glasreiniger die Stangen samt Bürste im richtigen Augenblick abheben lässt.

Malyskas Urteil fällt schließlich positiv aus. „Es ist schon vorteilhaft und an diesem Objekt überhaupt mal eine Lösung“, sagt er. Die anderen Gäste sehen ebenfalls Vorteile, einige warten noch, bis die Sonne die letzten Tropfen auf den Scheiben hat verdunsten lassen. Ist das Ergebnis wirklich streifenfrei? Die Beobachter wirken zufrieden mit dem, was sie sehen. Ein Interessent gibt zu Bedenken: „Für mich ist entscheidend, ob mein Kunde damit zufrieden ist. Bei diesem System muss ich zunächst viel erklären. ‚Warum verwendet Ihr keine Seife?‘ ‚Warum zieht Ihr das Wasser nicht ab?‘. Es entfällt ja ein voller Arbeitsschritt, da muss man erst mal klarmachen warum.“

Eine Gruppe von Frauen, die mit ihrer Chefin angereist sind, kann sich vorstellen, das System an einem Objekt einzusetzen, wo sie bisher keine gute Lösung gefunden hatten. Sorgen macht ihnen der Wasserverbrauch. Läuft da nicht eine ganze Menge an der Scheibe runter? Dafür geht die Arbeit schneller und im Normalfall ohne Chemie ...

Manfred Mihatsch kennt die Bedenken potenzieller Neukunden. Das Herkömmliche zu überwinden und das Neue im Alltag zu integrieren braucht seine Zeit. „Ich kann nur sagen, wer einmal mit dem Karbonstangensystem gereinigt hat, will nichts anderes mehr.“ Dass er das auch auf der nächsten Demonstration irgendwo in Deutschland unter Beweis stellen will ist – man gestatte das Wortspiel – glasklar.

Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de

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