Hagleitner Hygiene will durch gezielte Rücknahme und Entsorgung von leeren Flaschen und Kanistern für Reinigungsmittel eine Recyclingquote von 100 Prozent erreichen. Am 1. August startete dazu ein Feldversuch.

Mit seinem Vorhaben will das Salzburger Unternehmen ein landläufiges Verwertungsdilemma lösen: "Plastikabfall zu sammeln, ist gut; dafür finden sich Annahmestellen. Noch besser aber wird Kunststoff-Recycling, wenn es sortenrein passiert. Dann unterbleiben sonst unvermeidliche Fehlwürfe – normalerweise landet ihretwegen immer ein Teil des Plastikabfalls im Feuer, das betrifft selbst den Gelben Sack", umreißt Hans Georg Hagleitner die Problematik.
Das Konzept hinter dem am 1. August gestarteten Feldversuch, der auf unbestimmte Zeit angelegt ist beziehungsweise in einem Jahr zum ersten Mal evaluiert werden soll: Nicht der Verbraucher entsorgt das Gebinde, sondern der Anbieter. Nachdem Hagleitner die leeren Verpackungen zurückgeholt hat, werden diese zunächst komprimiert. Dazu hat das Unternehmen an sechs Standorten (Wien, Graz, Ansfelden, Villach, Imst sowie Zell am See) eigene Kunststoffpressen für insgesamt 150.000 Euro angeschafft. Anschließend gelangen die Ballen nach Wöllersdorf (Niederösterreich). Dort befindet sich ein Unternehmen namens PET-Recycling-Team (Tochter des Kunststoffspezialisten Alpla), welches die Ballen reinigt und sie zu Granulat verarbeitet.
Zunächst tangiert der Feldversuch knapp 1.700 Kunden von Hagleitner. Diese sind bewusst gewählt, denn sie greifen auf den Komplettservice des Unternehmens zurück – samt proaktiver Wartung. Insgesamt 25 t Leergut will man allein im ersten Jahr an den sechs Standorten zu Ballen verpressen beziehungsweise der Umwelt bis dahin 20 t CO2-Äquivalent ersparen, heißt es vonseiten des Hygieneherstellers. Diese Zahl erschließe sich aus dem prognostizierten Recyclingvolumen, als Messlatte dient der Gelbe Sack, auf dem der Referenzwert fußt. Das heißt: Wer bei Hagleitner kauft, hatte Flaschen und Kanister vor dem Feldversuch ausschließlich selbst entsorgt.
Die Treibhausgasbilanz im Detail
Mit der Klimakalkulation hinter dem Feldversuch hat Hagleitner Sattler-Energieconsulting beauftragt, ein Sachverständigenbüro in Oberösterreich. Dieses kam im Detail zu folgenden Ergebnis: Je Kilo Kunststoff fallen 0,53 kg CO2-Äquivalent an, wenn Hagleitner die Verpackung sortenrein in den Kreislauf zurückführt (die Messgröße erfasst sämtliche Treibhausgase, um deren Effekt gebündelt darzustellen). Beim Gelben Sack betrage das CO2-Äquivalent 1,34 kg – also 151 % mehr. Relativ schlecht käme bei Hagleitner ein drittes Setting weg: Flaschen und Kanister zu waschen. Das CO2-Äquivalent würde sich dann auf 1,48 bis 1,93 kg summieren – je nachdem, welchen Recyclinganteil (0/30/70 %) das Gebinde enthält.
Marcus Hutter, Mitglied der Geschäftsleitung bei Hagleitner, nennt einen weiteren Grund, der gegen das Waschen der Kleingebinde spricht: "Nicht alle Behälter kehren intakt retour. Bei Flaschen und Kanistern reicht oft schon ein Kratzer und das Stück ist unten durch. So ein Gebinde wieder aufzufüllen, bietet sich nicht mehr an, denn die Hülle könnte leck werden. Generell steigt dieses Risiko mit jedem Mal Spülen, spätestens nach dem vierten Mal ist daher Schluss." Doch damit nicht genug: "Eine Menge Abfall entsteht, ganz zu schweigen von der Wasserverschwendung. Auch braucht es Energie, um das Wasser hinreichend zu erhitzen – und viel Mühe, um das Gebinde zuverlässig zu säubern: Vom alten Reiniger darf kein Rückstand bleiben, das fordert in der Praxis am meisten; würde doch jeder Rückstand das neue Produkt kontaminieren", merkt Hutter abschließend an. /GH