Gerd Schmid ist begeisterter Funkamateur Eine Brücke zur Welt

Im Alltag greift auch Gerd Schmid zum Telefon. In seiner Freizeit setzt er sich an die Funk­station. Als begeisterter Funkamateur ist er mit Menschen aus aller Welt im Gespräch.

  • Bild 1 von 4
    © rationell reinigen
    „Man redet über Gott und die Welt“: Gerd Schmid ist seit fast 50 Jahren in der Welt des Amateurfunks zu Hause.
  • Bild 2 von 4
    © rationell reinigen
    DL 6 SAH ist das Funkamateurrufzeichen von Gerd Schmid. Es wird bei der Amateurfunkprüfung auf Lebenszeit vergeben.
  • Bild 3 von 4
    © rationell reinigen
    Nicht nur die Technik ist es, die Gerd Schmid an seinem Hobby fasziniert.
  • Bild 4 von 4
    © rationell reinigen
    Amateurfunk bedeutet nicht nur Sprechfunk. Auch das Morsen gehört dazu.

„CQ DL 6 SAH“, sagt der 61-Jährige ins Mikrofon und stellt auf Empfang. DL 6 SAH ist sein amtlich registriertes Amateurfunkrufzeichen, CQ bedeutet „allgemeiner Anruf“. Jetzt heißt es: Warten. „Das ist der spannende Moment. Man weiß nie, wer antwortet“, erklärt Gerd Schmid, gelernter Spitzendreher, Maschinenbautechniker und Industriefachwirt. Seit fast 20 Jahren arbeitet er als Kundendienstleiter beim Reinigungsmaschinenhersteller Columbus in Stuttgart.


Ivan aus Bulgarien hat Gerd Schmid gehört und meldet sich mit seinem Rufzeichen, das bei der Amateurfunkprüfung auf Lebenszeit vergeben wird. Auf Englisch fragt er munter drauflos. Wo Gerd wohne, was für eine Anlage er habe und wie das Wetter in Stuttgart sei. Amateurfunk unterliegt vielen Regeln. Eine davon: Funk­amateure duzen sich. Eine weitere: Gespräche über Politik sind tabu. Jeder, der auf der richtigen Frequenz ist, kann mithören. Zwei, drei Minuten dauert der Funkkontakt, dann legt Gerd Schmid den Stift zur Seite. Auf einem Blatt Papier hat er sich die Daten seines Gesprächspartners notiert. Später wird er sie auf eine Funkkontaktbestätigungskarte übertragen und an den Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs, Bundesverband der Funkamateure, weiterleiten. Der schickt die sogenannte QSL-Karte nach Bulgarien. Irgendwann wird auch bei den Schmids in Stuttgart eine solche Karte eintreffen.

Ohne Prüfung geht nichts
Seit fast 50 Jahren ist Gerd Schmid in der Welt der Funkwellen zu Hause. In der Schule fing alles an. Plötzlich lag da ein Buch über Amateurfunk auf dem Tisch. Ein Mitschüler hatte es wohl vergessen. „Ich habe das Buch durchgeblättert und da hat es bei mir gefunkt“, erzählt der Stuttgarter. Seine ersten Geräte waren Marke Eigenbau. Als er nach einem Fernlehrgang dann das Funkamateurzeugnis in der Tasche hatte, konnte er richtig loslegen.


Einen allgemeinen Anruf starten, auf einen solchen reagieren oder sich an einem bestehenden Gespräch beteiligen? Gerd Schmid kennt alle Varianten, ob beim Sprechfunk oder auch beim Morsen. Welche Frequenz ist geeignet? Wie muss die Antenne auf dem Dach ausgerichtet sein, damit genau die Verbindung möglich wird, die es gerade sein soll? Amateurfunk ist eine Wissenschaft für sich. Und dabei gilt: Ohne Prüfung geht nichts, Schwarzfunker werden verfolgt.

„Man redet über Gott und die Welt“
Zum einen ist es die Technik, die Gerd Schmid an seinem Hobby fasziniert („alles, was funkt, begeistert mich“), zum anderen aber auch der Kontakt zu Menschen aus allen Erdteilen. „Man redet über Gott und die Welt“, sagt er, „über die Geräte und auch über Persönliches“. Mit Menschen aus vielen fremden Ländern hat sich der Stuttgarter schon ausgetauscht, mit ganz unterschiedlichen Gesprächspartnern, die immer wieder Interessantes oder Ungewöhnliches zu berichten haben – der deutsche Entwicklungshelfer in Namibia zum Beispiel oder der Pilot, der während des Funkkontakts gerade über die Straße von Gibraltar flog, der Russe, der von klirrender Kälte berichtete, und der Mann aus dem Senegal, der gleich danach über 38 Grad Hitze stöhnte. Fast wäre es Gerd Schmid sogar einmal gelungen, mit König Hussein von Jordanien ins Gespräch zu kommen. „Ich habe gerufen und gerufen“, erinnert er sich, aber der Angesprochene habe ihn nicht ge­hört. Was soll’s, beim nächsten Mal sind vielleicht gerade Fürst Albert Grimaldi von Monaco (3A0AG), der spanische König Juan Carlos (EA4AOR) oder der Sänger und Gitarrist der Popgruppe Barclay James Harvest, John Lees (G0HEP), auf dem Amateurfunkparkett unterwegs. „Versuchen Sie mal, solche Leute auf dem Handy zu erreichen. Eigentlich eine aussichtslose Angelegenheit“, sagt Gerd Schmid und betont: „Für Funkamateure ist das kein großes Problem.“

Die Reiseausrüstung ist immer dabei
Für sein Hobby kann er sich immer wieder begeistern. Nachts steht er schon mal auf, wenn er nicht schlafen kann, und mischt sich unter all die Funkamateure, die um diese Zeit auf der Suche nach interessanten Gesprächen sind. Und im Urlaub ist die Reise­ausrüstung mit Teleskopmast stets dabei. Mittlerweile sitzt Gerd Schmid aus beruflichen Gründen zwar nicht mehr ganz so oft an seiner Funkstation, die im Laufe der Jahre immer größer geworden ist und jetzt im früheren Kinderzimmer ihren Platz gefunden hat. Doch die Faszination ist geblieben: „Man kommt mit Leuten ins Gespräch, die man sonst nicht kennenlernen würde“, schwärmt Gerd Schmid, der nur eines noch nicht erlebt hat: einen Funk­kontakt mit einem Kollegen aus der Reinigungsbranche.

Funkamateure sehen immer nach oben
80.000 Funkamateure gibt es in Deutschland, weltweit sind es rund 2,8 Millionen. Sie können auch im Not- oder Katastrophenfall einen Beitrag leisten. Weshalb sie sich gar nicht so selten erkennen, ohne voneinander zu wissen, ist nicht ganz erklärbar. Vielleicht liegt es an dem typischen Blick, mit dem Funk­amateure immer nach oben sehen, egal wo sie sind: Ist irgendwo auf den Dächern eine Funkantenne aufgebaut? „Man klingelt, stellt sich vor, ist stets willkommen, fachsimpelt und sieht sich die Funkstation an“, erzählt Gerd Schmid. Nicht nur, weil die Technik sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt hat: Mit Walkie-Talkies für jedermann hat Amateurfunk nichts zu tun. Gerd Schmid benutzt solche Geräte lediglich, wenn sein Enkel zu Besuch ist. „Opa – hörst du mich?“, fragt der Vierjährige dann immer ins Walkie-Talkie, auch wenn der Großvater direkt neben ihm steht. Dem Enkel macht’s Spaß und Gerd Schmid sieht’s mit Freude. Vielleicht wächst da ja ein Funkamateur heran?
Heike Holland | heike.holland@holzmann-medien.de