Methoden zur Reinigung und Pflege von Natursteinbelägen Vorsicht: Naturstein!

Bei hochpolierten Natursteinbelägen können durch unsachgemäße Bearbeitung Veränderungen am Belag entstehen, wie z.B. Mattigkeit, Flecken oder Farbabweichungen. Nachstehend einige Tipps, wie sich solche unerwünschten Folgen vermeiden lassen.

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    01 Die am häufigsten anzutreffenden Natursteinbelagsarten: Granit, ...
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    02 ... Marmor,
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    03 ... Solnhofer Platte,
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    04 ... Travertin,
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    05 ... und Schiefer.
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Vorsicht: Naturstein!

-Bei der Erstreinigung eines Natursteinbelags, der geschliffen bzw. poliert oder gehauen bzw. strukturiert ist, wird im ersten Arbeitsgang zunächst der Grobschmutz durch Kehren oder Aufsaugen beseitigt.

Hartnäckige Verunreinigungen wie z.B. Lacke werden mit einem Holzspatel bzw. einer Klinge abgestoßen. Dispersionsfarben lassen sich mit einem alkalischen Grundreiniger mühelos entfernen, indem man ihn unverdünnt aufträgt, ca. fünf Minuten einweichen lässt und mit einem grünen Handpad abscheuert. Bei Schiefer, der alkaliempfindlich ist, sollte nur die mechanische Methode mit Holzspatel oder Klinge angewendet werden. Gips- oder Mörtelreste werden mit einem Spachtel entfernt.

Da Mörtel Quarzsand enthält, ist besonders bei den hochpolierten Flächen darauf zu achten, dass keine Verkratzungen entstehen. Durch das Verfugen des Natursteinbelags bleibt in der Regel ein Zementschleier zurück, der nach einer ausführlichen Vorwässerung des Belags mit einem sauren Reiniger entfernt wird. Vorab sollte mit dem sauren Reiniger die Reaktion (Farbtonänderung) insbesondere auf den säureempfindlichen Belägen wie Marmor, Jura, Solnhofener Platten oder Travertin an einer später nicht einsehbaren Stelle getestet werden.

Bei diesen kalkhaltigen Bodenplatten darf der Zementschleierentferner nur in geringer Dosierung (maximal 5-prozentig) aufgebracht und bearbeitet werden. Hier hat sich besonders der Einsatz einer kompakten Walzenschrubbmaschine in der Einschrittmethode bewährt. Auf glatten/polierten Flächen kommen die grünen Walzenpads zum Einsatz und auf den gehauenen/strukturierten Oberflächen die roten Walzenbürsten.

Die Einschrittmethode bewirkt, dass der saure Reiniger aufgetragen und mit den Padwalzen bzw. Walzenbürsten eingearbeitet und nach einem Bruchteil von Sekunden über die Sauglippen wieder aufgenommen wird.

Der Zementschleier löst sich mühelos dank der hohen Mechanik der Walzentechnik (Anpressdruck: 210 g/cm², 1.100 U/min), die hier – ohne negative Auswirkungen – am Boden wirksam wird. In extrem hartnäckigen Fällen ist der Vorgang mehrmals zu wiederholen. Bei einem säureunempfindlichen Belag wie Granit kann der Zementschleierentferner ca. fünf Minuten einwirken. Während der Einwirkzeit wird die Fläche mit der Walzenscheuersaugmaschine mehrmals kreuzweise abgefahren.

Danach wird die Schmutzflotte aufgesaugt (Zweischrittmethode). Abschließend wird der Belag mit klarem Wasser bis zur Neutralisation gespült.

Unterhaltsreinigung

Das ursprüngliche Erscheinungsbild der Natursteinbeläge bleibt bei der Unterhaltsreinigung am ehesten durch den Einsatz von Alkoholreinigern bzw. tensidfreien Reinigungsmitteln erhalten (Dosierung je nach Schmutzeintrag 0,5- bis 2-prozentig), da diese die geringsten Rückstände hinterlassen und einer Wiederanschmutzung entgegenwirken. Eine Überdosierung ist unbedingt zu vermeiden, da auf den geschliffenen bzw. polierten Untergründen Wischspuren sichtbar werden. Außerdem entstehen Reinigungsmittelaufbauten und der Belag wird matt. Für die kleineren schwer zugänglichen Stellen empfiehlt sich ein Zweikammer-Nasswischwagen mit Wischgerät oder eine auf diese Flächengröße zugeschnittene Scheuersaugmaschine (Einschrittmethode). Auf den gehauenen/strukturierten Natursteinbodenbelägen ist die Scheuersaugmaschine mit Walzentechnik die beste Lösung, da beim Nasswischen die schlechte Gleitfähigkeit des Wischgeräts sowie der rasche Verschleiß der Reinigungstextilien nachteilig sind.

Außerdem greift die Walzenbürste besonders gut in die Oberflächenstruktur des Belags und in die Fugen ein, um den Schmutz zu lösen. Schieferbeläge können zusätzlich mit Schieferöl behandelt werden, um den speziellen Charakter mit seinem matten Glanz zu erhalten.

Werterhaltung

Durch ständiges Belaufen erhalten hochpolierte Kalksteine wie z.B. Carrara-Marmor, Travertin, Terrazzo oder Solnhofer Platte, die ja zur Kategorie der weichen Gesteine gehören, im Laufe der Zeit Kratzer und Riefen. Die Beschädigungen lassen das Glanzbild matt und unansehnlich erscheinen. Um einer Sanierung vorzubeugen bzw. den ursprünglichen Glanz wieder aufleben zu lassen, ist eine Steinkristallisation empfehlenswert. Dafür können zwei verschiedene Methoden zur Anwendung kommen. Tiefere Kratzer lassen sich allerdings mit einer Kristallisation nicht entfernen. Diese können nur durch vorhergehendes Abschleifen beseitigt werden.

  • Methode I

Bei dem nachstehend geschilderten Kristallisationsverfahren hat sich die langsam laufende Einscheibenmaschine (150 U/min) bewährt. Weiter werden ein Zusatzgewicht, ein Padtreibteller, ein Kristallisationspad und eine Sprühflasche benötigt. Für die abschließende Reinigung sind ein Nass-/Trockensauger, eine Schrubbbürste für die Einscheibenmaschine und ein Wischmopp erforderlich. Wichtig: Dieses Kristallisationsverfahren sollte nur von geschultem Fachpersonal angewendet werden.

  • Arbeitsschritte

1. Der Belag muss grundgereinigt, d. h. fett- und staubfrei sein. Außerdem müssen alle eventuell aufliegenden Pflegefilme entfernt werden.

2. Auf den grundgereinigten Belag wird das Kristallisationspulver dünn aufgestreut (30 g/m²) und mit etwas Wasser aus einer Sprühflasche benetzt.

3. Mit dem Kristallisationspad wird die Mixtur eingearbeitet, so dass eine cremige Konsistenz entsteht.

4. Dann wird die Kristallisationsmixtur so lange in den Belag eingearbeitet, bis das Material auftrocknet und ein gleichmäßiger Glanz entsteht.

5. Anschließend die Materialreste – insbesondere aus den Fugen – mit der Einscheibenmaschine , der Schrubbbürste und viel Wasser herausbürsten und mit dem Nass-/Trockensauger aufnehmen. Alternativ können diese Aufgaben auch von einer Kompakt-Walzenscheuersaugmaschine in der Einschrittmethode übernommen werden. Zum Schluss kann bei Bedarf mit einem Wischmopp nachgewischt werden. Die Flächenleistung bei der Methode I liegt zwischen 10 und 15 m²/h.

Durch dieses Kristallisationsverfahren bekommt der Belag wieder seinen ursprünglichen Nassglanz. Zugleich wird die Abriebfestigkeit erhöht. Außerdem werden die Farben und die Maserung hervorgehoben. Die behandelten Böden erleichtern die Unterhaltsreinigung. Und: Bei richtiger Pflege bleibt der Nassglanz über einen langen Zeitraum erhalten. Während und nach der Bearbeitung tritt keine Geruchsbelästigung auf. Der Belag ist anschließend sofort wieder begehbar.

  • Methode II

Die alternative Kristallisationsmethode eignet sich überall dort, wo ein Mattglanz erreicht werden soll bzw. gehauene/strukturierte Oberflächen vorhanden sind. Je nach Flächengröße wird mit einer entsprechend ausgelegten Scheuersaugmaschine mit Walzenschrubbkopf gearbeitet, der mit grünen Gritwalzenbürsten ausgestattet ist. Außerdem werden ein Reinigungsmittelsprayer und ein Feuchtwischgerät zum Ausbringen des Kristallisators (echtes Steinfluat auf Fluorsilikatbasis) und die Verteilung auf dem Belag benötigt.

  • Arbeitsschritte

1. Das Kristallisationsmittel partiell mit säurefester Druckspritze dünn aufsprühen und mit dem Mopp gleichmäßig verteilen. Dabei nur so viel Fläche mit dem Kristallisator einsprühen, wie mit der jeweiligen Walzenschrubbmaschine feucht eingearbeitet werden kann.

2. Nach dem Auftragen des Kristallisationsmittels die Fläche mit der Walzenschrubbmaschine mit den grünen Gritwalzenbürsten bei maximalem Anpressdruck in langsamer Fahrt vor- und rückwärts fünf- bis sechsmal abfahren – so lange, bis ein gleichmäßiger Glanz entsteht. Die Fläche ist anschließend sofort wieder begehbar und die Trittsicherheit bleibt erhalten. Die Flächenleistung liegt bei einer Arbeitsbreite von 40 cm bei ca. 100 m²/h.

3. Abschließend die kristallisierte Fläche mit der Maschine und klarem Wasser in der Einschrittmethode abfahren, um den durch die Kristallisation entstandenen Staub aufzunehmen.

Achtung: Bei unvorsichtiger Verwendung des Kristallisationsmittels besteht Verätzungsgefahr. Daher sollten säureempfindliche Materialien – wie z. B. Aluprofile – vorher sorgfältig abgeklebt werden.

Die Kristallisation bietet eine Reihe von Vorteilen:

  • Eine glänzende Optik, die Sauberkeit vermittelt und den Charakter des Steins erhält.
  • Härtung der Oberfläche und Erhöhung der Widerstandsfähigkeit.
  • Die Oberfläche bleibt atmungsaktiv, so dass Restfeuchte entweichen kann.
  • Verdichtung der Oberfläche im µ-Bereich. Daraus resultieren eine geringere Wiederanschmutzung, eine wesentlich effizientere Unterhaltsreinigung, eine gleich bleibend hohe Reinigungsqualität sowie eine hohe Wirtschaftlichkeit bei der Reinigung und Pflege.

Allerdings ist die Kristallisation kein absoluter Säureschutz, sondern vermindert nur die Anfälligkeit gegenüber säurehaltigen Flüssigkeiten, wie z. B. Mineralwasser oder Orangensaft.

Gerd Heidrich | Schulungsleiter, Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH

Niels W. Buhrke | freier Journalist