Praxis -

24 Stunden Vorbereitung aufs Unbekannte

Das Coronavirus ist bei der Desinfektion auch nicht anders zu ­bekämpfen als viele andere Viren, wie wir heute wissen. Gleichwohl bringt der Kampf gegen ­dieses ­Virus tausendfach höhere Aufmerksamkeit als bei anderen Infektionskeimen. Das ­zeigte sich auch im Rahmen eines Desinfektionseinsatzes beim ersten offiziell ­gemeldeten Corona-Fall in Deutschland vor rund einem Jahr. Als der Gebäudedienstleister den Auftrag erhielt, gab es zum Coronavirus noch keine validen Fakten.

Ende Januar 2020: Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Welt auch außerhalb von China vom ­Coronavirus betroffen sein wird. Dann tritt der erste Fall in Deutschland auf: Eine chinesische Mitarbeiterin des Automobilzulieferers Webasto wird nach ihrer Rückkehr nach China positiv auf das Virus getestet; Kollegen im Firmensitz in Stockdorf (Bayern) steckten sich an. Ein Reinigungsteam von Dussmann Service Deutschland führt daraufhin beim langjährigen Kunden Webasto eine Hygienereinigung und -desinfektion durch. In drei Tagen desinfizieren Reinigungskräfte unter der Leitung von geprüften Desinfektoren den Unternehmensstammsitz.

Die Webasto-Gruppe ist ein globaler Systempartner nahezu aller Automobilhersteller, zählt zu den 100 größten Zulieferern der Branche und stellt Schiebe-, Panorama- und Cabriodächer, Thermo- und Batteriesysteme sowie Ladelösungen her . Am Stammsitz in Stockdorf arbeiten rund 1.000 Menschen. Hier ist Dussmann Service seit 2008 mit sämtlichen Facility-­Management-Aufgaben inklusive der Gebäudereinigung, der Betriebsgastronomie und dem Konferenzservice betraut – man ist gut eingespielt, kennt und versteht sich, Webasto wie auch Dussmann sind schließlich beides Familienunternehmen. Auch an weiteren deutschen Webasto-Standorten gehört Dussmann Service zu den Dienstleistern. In dieser Ausnahmesituation beauftragte Webasto den Partner mit dem Sonderprojekt einer Hygienereinigung.

24 Stunden Vorbereitung

Nach dem Anruf von Webasto, dass in Stockdorf der Verdacht auf einen Corona-Fall bestehe, begann für Stefanie Dolgow, Projektleiterin bei Dussmann Service, und ihre Kolleginnen Laura Kappl und Sandra Weiß die Arbeit.

„Wir haben uns innerhalb von 24 Stunden auf den Einsatz vorbereitet, geeignete Desinfektionsmittel und persönliche Schutzausrüstung (PSA) für unsere Leute beschafft und bei einem anerkannten Hygieneinstitut detaillierte Fachinformationen eingeholt. Denn gegen das neuartige Coronavirus gab es ja branchenweit noch keine standardisierten Prozesse und Handlungsanweisungen. Kurzfristig und dennoch gründlich die Informationen recherchieren, am Krisenmeeting teilnehmen und ein Team zusammenstellen und einweisen – das waren die ersten Maßnahmen“, erinnert sich Stefanie Dolgow.

Das vom Hygieneinstitut empfohlene Desinfektionsmittel sowie die notwendige PSA entsprechen den RKI-Empfehlungen. Als sich der Verdacht schließlich bestätigte, begann das Dussmann-Team, die ersten Räume zu desinfizieren. Nach Bekanntwerden der ersten Fäll e schloss Webasto den Standort auf eigene Initiative vorübergehend und beauftragte die Desinfektion aller Räume. 26 Dussmann-Reinigungskräfte, größtenteils Stammkräfte mit viel Erfahrung, reinigten und desinfizierten in drei Tagen alle Arbeitsplätze, Besprechungsräume, Küchen, sanitären Anlagen und abwischbaren Flächen.

Drei geprüfte Desinfektoren von Dussmann ­Service überwachten dabei alle ­Desinfektionsmaßnahmen. Neben täglichen Unterweisungen aller Reinigungs­kräfte vor Arbeitsbeginn kontrollierten die Desinfektionsspezialisten, dass die persönliche Schutzkleidung korrekt angelegt wurde, um das Reinigungspersonal vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

Alle Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt sowie dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Die ausschließlich manuell ausgeführte Desinfektion gehörte ebenso zu den Herausforderungen des ohnehin ungewöhnlichen Auftrags wie das anstrengende Arbeiten in Schutzkleidung.

Präventionsmaßnahmen werden weitergeführt

Nach zwei Wochen eröffnete der Standort wieder. Dr. Holger Engelmann, der Vorstandsvorsitzende von Webasto, sagte nach dem Reinigungseinsatz: „Die Einsatzteams von Dussmann Service haben den gesamten Standort desinfiziert. Stockdorf war danach wahrscheinlich der keimfreiste Webasto-Standort weltweit. Somit konnten unsere Mitarbeiter wieder mit einem guten Gefühl an ihre Arbeitsplätze zurückkommen.“

Auch wenn bis heute viele Beschäftigte noch teilweise mobil arbeiten, geht Webasto auf Nummer sicher, will kein unnötiges Risiko eingehen und gab Präventionsmaßnahmen in Auftrag. Außerdem erhalten die Mitarbeiter Einweg-Desinfektionstücher, mit denen jeder bei Bedarf seinen Arbeitsplatz desinfizieren kann. Auch die regulären Reinigungsleistungen wurden in enger Abstimmung mit dem Kunden angepasst und sind jetzt noch bedarfsorientierter. Mehr denn je geht es um den Schutz der Mitarbeiter.

Dienstleister und Kunde ziehen positive Bilanz

Für das Dussmann-Team war der Desinfektionseinsatz bei Webasto eine besondere Erfahrung: „Eine Pandemie ist aus beruflicher Sicht spannend. Man erfährt jeden Tag Neues und wächst an seinen Aufgaben. Im Kollegenkreis sind wir noch stärker zusammengewachsen, indem jeder im Team die Aufgaben übernimmt, die ihm am meisten liegen – von der Bedarfseinschätzung über die Materialbeschaffung bis zur Kundenkommunikation“, sagt Stefanie Dolgow. Doch ganz neu war die Erfahrung gleichwohl nicht: „Unsere Reinigungsteams in Krankenhäusern sind auch jeden Tag einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt. So betrachtet, war dieser Job nichts Außergewöhnliches, wir hatten es nur mit einem bislang unbekannten Erreger zu tun.“

Philipp Conrads, Vorsitzender der Geschäftsführung von Dussmann Service, sagt: „Wir sind als Dienstleister voll für unsere Kunden da, wenn sie uns brauchen, und stellen unsererseits auch kurzfristig alle Ressourcen zur Verfügung.“ Auch für die gesamte eigene Branche hatte der Einsatz einen Effekt, so Conrads: „Solche prominenten Desinfektionseinsätze wie bei Webasto haben in der Gesellschaft das Bewusstsein für die systemrelevante Aufgabe von Reinigungsunternehmen geschärft.“

Und auch für Dussmann Service hatte der Einsatz positive Folgen: Empfehlungen von Webasto führten zu Präventionsdesinfektionen auch bei anderen Unternehmen. Webasto selbst erhielt viel Lob für seinen professionellen Umgang mit der Situation. Torsten Schneider, Standortleiter Stockdorf bei Webasto, ergänzt: „Die Reinigungskräfte und Desinfektoren der Firma Dussmann standen in dieser Ausnahmesituation mit fachlicher Kompetenz, schneller Reaktion und beherztem Engagement als verlässlicher Partner fest an unserer Seite.“

Michaela Mehls, Dussmann Service | markus.targiel@holzmann-medien.de

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