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Bau(ab)schlussreinigung von Naturstein Zementschleier richtig entfernen

Hinweise für die richtige Ausführung einer Bau(ab)schlussreinigung sind das Ergebnis des dritten von der Zeitschrift „Naturstein“ veranstalteten Expertengesprächs. rationell reinigen freut sich, diesen Beitrag in leicht geänderter Fassung nachdrucken zu dürfen.

-Ausführungsfehler wie der Einsatz säurehaltiger Reiniger auf nicht säurefesten Gesteinssorten bei der Zementschleierentfernung im Rahmen der Bau(ab)schlussreinigung können große Schäden verursachen, die den Verleger teuer zu stehen kommen. Mit unseren Hinweisen wollen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, dabei unterstützen, Schäden und damit auch Reklamationen zu vermeiden. Lassen Sie sich für mögliche Probleme sensibilisieren!

Bei der Definition von Bau(ab)schlussreinigung orientierten sich die Experten an der Bautechnischen Information 3.2 „Reinigung und Pflege“ des DNV, siehe Infobox auf S. 25. Der synonym verwendete Begriff „Baufeinreinigung“, auf den hier verzichtet wird, soll den Unterschied zur Baugrobreinigung aufzeigen. Bei der Baugrobreinigung wird während der Bauphase Bauschutt etc. entfernt (z.B. vor Estricharbeiten).

Bau(ab)schlussreinigung: Was gehört alles dazu?

Der beauftrage Gebäudereiniger ist im Rahmen einer Bau(ab)schlussreinigung verantwortlich für:

  • 1.Die Beseitigung des lose aufliegenden Grobschmutzes (z.B. Sand) und Feinschmutzes (Grobstaub).
  • 2.Die Beseitigung des haftenden Schmutzes, der wasserlöslich sein kann (z.B. Erde oder Feinstaub) und oder auch nicht wasserlöslich (z.B. Mörtelreste, Zementschleier, Fugmittelrückstände, Spachtelmassen, Aufkleber, Markerstriche).
  • 3.Die Beseitigung des Sonderschmutzes (z.B. Epoxidharzreste) oder spezieller Verunreinigungen (z.B. Flecken von Verpackungsmaterial, das auf dem Belag gelagert war).

Für die Entfernung von Gipsspritzern, Farbflecken und Lackspritzern müssen in der Regel spezielle Produkte eingesetzt werden, die auf die Art der Verschmutzung und des Natursteinbelages abgestimmt sein müssen. Hier sollte man allerdings besonders umsichtig sein. Vielfach treten Verschmutzungen auf, die sich als besonders hartnäckig bzw. schwierig entfernbar herausstellen und den Spezialisten erfordern. Häufig erfolgt eine Fehlinterpretation der Verschmutzungsart oder die Möglichkeit der Schmutzentfernung wird vollkommen überschätzt (z.B. Ölflecken).

Um empfindliche Baustoffe vor Verschmutzungen zu schützen, ist im Vorfeld der Baumaßnahme ein klare, auch zeitliche Regelung zu erzielen, damit es später nicht zu Missverständnissen kommt. Wenn durch andere Gewerke Reinigungsmaßnahmen durchgeführt werden, bei denen der Bodenbelag aus Naturwerkstein durch Reinigungsmittel „verfleckt“ und dann einer nicht gesteinsspezifischen „Notreinigung“ unterzogen wird, sind besonders kritische Situationen die Folge.

Beseitigung von Grobschmutz: Grobschmutz ist ausschließlich mechanisch durch Bürst- bzw. Kehrsaugen zu entfernen. In der Praxis wurde (und wird) häufig mit dem Besen gearbeitet. Dabei wird i.d.R. Staub aufgewirbelt. Da z.B. quarzhaltige Stäube gesundheitsschädlich sind, ist seit Inkrafttreten der neuen Gefahrstoffverordnung zu Beginn des Jahres 2005 das Reinigen von Arbeitsbereichen durch Trockenkehren nicht mehr zulässig. Die Staubvermeidung ist demnach Pflicht!

Beseitigung von haftendem Schmutz (wasserlöslich): Wasserlöslicher Schmutz wird durch Feucht- oder Nasswischen entfernt. Beim Scheuersaugen (Scheuersaugautomat) erfolgt eine mechanische Unterstützung (Scheuern) zum Lösen des haftenden Schmutzes, wobei das Schmutzwasser abgesaugt wird. Vergleichbares gilt auch für das Nassscheuern mit Bürste oder Pad und anschließendem Nasssaugen.

Beseitigung von haftendem Schmutz (nicht wasser löslich): Verschmutzungen, die nicht mit Wasser entfernt werden können, lassen sich nach ihrer Löslichkeit unterscheiden in:

  • mit sauren Reinigungsmitteln zu entfernende Verschmutzungen (z.B. Zementschleier, Mörtelreste),
  • mit alkalischen Reinigungsmitteln zu entfernende Verschmutzungen (z.B. Wachse, Fette, allgemeine Verschmutzungen),
  • mit lösemittelhaltigen Reinigungsmitteln zu entfernende Verschmutzungen (z.B. Öle, Klebebänder).

Zementschleierentfernung

Beim Einsatz von Zementschleierentfernern (ZSE) können besonders viele Fehler gemacht werden. Deshalb informieren wir im Folgenden ausführlich zu diesem Punkt. Zementschleier stellen Reste von zementären Fugenfüllstoffen auf der Oberfläche des Bodenbelags dar. Zementschleier lassen sich nur durch säurehaltige Reiniger entfernen, die nur bei säurebeständigen Gesteinen eingesetzt werden dürfen. ZSE sind dementsprechend säurehaltige Produkte, die zementäre oder kalkhaltige „Reststoffe“ wegätzen. Die Zusammensetzung (Art und Konzentration der Säure) der Produkte kann dabei erheblich variieren. Jede Säure hat ihre Tücken und ist nicht immer für jeden Naturwerkstein geeignet.

Idealerweiser sollte bei der Verwendung eines ZSE auf geeigneten Gesteinen je nach Oberflächenbearbeitung und Verschmutzungsintensität eine mechanische Unterstützung erfolgen. Sind Gesteine nicht säurebeständig, kann eine mechanische Entfernung mit Hilfe eines alkalischen Reinigungsmittels probiert werden, wobei das Reinigungsmittel keine direkte Lösungswirkung erzielt.

Grundsätzlich ist dabei der verlegte Naturwerkstein das Maß aller Dinge. Von ihm hängt ab, welches Reinigungsmittel für die Zementschleierentfernung verwendet werden kann. Auf säureempfindlichen, polierten Gesteinsoberflächen ist der Einsatz von ZSE grundsätzlich problematisch, da hier der Naturwerkstein durch die Säurebestandteile verätzt und die Politur angegriffen werden. Bei einer mechanischen Reinigung ist darauf zu achten, dass die verwendeten Reinigungswerkzeuge wie Bürste oder Pad an einer Einscheibenmaschine den Belag nicht zerkratzen.

Bei säureempfindlichen Gesteinen mit einer sehr groben Oberflächenbearbeitung stellt sich die Situation bei vorhandenem Zementschleier etwas anders dar. Häufig steht man vor der Entscheidung, den gesamten Bodenbelag zu überschleifen bzw. zu überarbeiten oder schlimmstenfalls auszutauschen. Hier kann nach entsprechendem Vornässen mit einem ZSE in hoher Verdünnung mit mechanischer Unterstützung flächig abgesäuert werden, sofern die entstehende Aufrauung auf der rauen Gesteinsoberfläche kaum auffällt und die Gesteinsschädigung vertretbar ist. Selbstverständlich ist vor der flächigen Verarbeitung eine Musterfläche (idealerweise nicht eingebaute Bodenplatte) anzulegen! Es sei explizit darauf hingewiesen, dass dies keine Empfehlung darstellt, sondern eventuell eine Alternative zum „Herausreißen“.

Das Anlegen einer Musterfläche ist bei allen Maßnahmen zur Zementschleierentfernung wichtig. Dadurch lässt sich feststellen, ob

  • das Reinigungsmittel die Verschmutzungen entfernt,
  • eine mechanische Unterstützung auf jeden Fall notwendig ist,
  • ein anderes Reinigungsmittel besser geeignet wäre,
  • der Belag die gewünschte Optik erreicht und
  • die Fläche mit Sicherheit nicht geschädigt wird.

70 Prozent der immer wieder auftretenden Schäden im Rahmen der Zementschleierentfernung lassen sich so vermeiden. Bei der Wahl eines ZSE sollte man sich an die Faustregel „So mild wie möglich und so effektiv wie nötig!“ halten.

Die Inhaltsstoffe (Säuren) von ZSE lassen sich in folgende drei Gruppen unterteilen:

  • 1.ZSE auf Amidosulfonsäurebasis = geringstes Lösungspotenzial, bezogen auf die Lösung von Eisen (Fe) im Gestein = geringeres Verfärbungspotenzial.
  • 2.ZSE auf Salzsäurebasis = relativ großes Fe-Lösungspotenzial = größeres Verfärbungspotenzial.
  • 3.ZSE auf Phosphorsäurebasis, evtl. in Kombination mit anderen Säuren = relativ großes Fe-Lösungspotenzial = größeres Verfärbungspotenzial.
  • 4.ZSE auf der Basis verschiedener Säuren = unbekanntes, aber relativ großes Fe-Lösungspotenzial.

Da Fugmörtel grundsätzlich säureempfindlich sind, was auch für kunststoffvergütete Fugen (sind zementär) gilt, müssen diese vor der Behandlung mit ZSE ausgehärtet sein! Ausgehärtete elastische Fugen (Siliconfugen) sind i.d.R. unproblematisch. Beim Einsatz alkalischer Reinigungsmittel ist eine Wartezeit von drei, beim Einsatz saurer Reinigungsmittel (ZSE) eine Wartezeit von zehn Tagen zu beachten. Bei schnellabbindenden Fugmörteln ist eine geringere Wartezeit möglich (Hersteller fragen).

Generell sollte man nach der Verfugung von einer zehntägigen Wartezeit bis zur Zementschleierentfernung ausgehen und die Hinweise der Fugmörtelhersteller beachten.

Beim Einsatz von Materialien mit hoher Oberflächenrauigkeit ist zu beachten, dass Zementschleier an solchen Oberflächen extrem haften; hier empfiehlt sich der Einsatz eines Fugmaterials, das schon kurz nach Abschluss der Verfugung eine Zementschleierentfernung verträgt.

Fordern Sie vor dem Einsatz eines ZSE vom Fugmittelhersteller eine Unbedenklichkeitserklärung an! Es wird warnend darauf hingewiesen, dass ZSE im Bereich der Fugen haftungsmindernd wirken.

Nachfolgend eine kurze Checkliste für die Verwendung von ZSE:

  • Aushärtezeit des Fugmörtels in Verbindung mit Reinigungsmittel beachten!
  • Fußbodenheizung frühzeitig ausschalten, damit der Belag naturkalt ist (die ideale Verarbeitungstemperatur liegt zwischen +12 und +25 °C!)
  • Etikett des ZSE lesen und die Verarbeitungshinweise beachten!
  • Angrenzende Flächen und empfindliche Materialien vor Arbeitsbeginn ausreichend schützen!
  • Naturwerkstein und Fuge bis zur Sättigung gut vornässen! Überschusswasser aufnehmen!
  • ZSE auf Verarbeitungskonzentration verdünnen!
  • Zementschleierentferner aufbringen, kurz gemäß Vorgabe einwirken lassen und gegebenenfalls durch mechanische Unterstützung Wirkungsweise erhöhen!
  • Keine zu große Fläche auf einmal angehen (Reiniger darf nicht antrocknen)!
  • Flüssigkeit aufnehmen und Fläche sogleich mit Wasser reichlich spülen, Wasser wieder aufnehmen!

Bei Arbeiten in Räumen muss für eine gute Durchlüftung gesorgt werden. Lebensmittel etc. sind vor den Arbeiten zu entfernen. Bei der Verwendung von säurehaltigen Produkten ist weiterhin darauf zu achten, dass nicht nur der direkte Kontakt, sondern auch die Dämpfe von flüchtigen Säuren wie Ameisen-, Essig- und Salzsäure zur Korrosion von metallischen Gegenständen führen können (z.B. Rosten von Armaturen oder Metallschienen). Der Anwender sollte unbedingt das Gefahrstoffpotenzial in Bezug auf den verwendeten Naturwerkstein und auf den Anwender bzw. auf die Umwelt berücksichtigen.

Die zutreffenden Schutzmaßnahmen legt der Arbeitgeber aufgrund seiner Gefährdungsbeurteilung gemäß § 8 der Gefahrstoffverordnung in der Betriebsanweisung fest.

Fremdvergabe

Bei einer Fremdvergabe der Zementschleierentfernung bzw. Bauschlussreinigung sind alle notwendigen Informationen vollständig an den Gebäudereiniger bzw. einen spezialisierten Dienstleister weiterzugeben, und zwar in schriftlicher Form. Folgende Informationen sind mitzuteilen:

  • korrekte Gesteinsart und Oberflächenbearbeitung,
  • verwendete Mörtel bzw. Fugenmörtel,
  • die zeitliche Abfolge der durchgeführten Verlegearbeiten.

Die Beauftragung eines Dienstleisters muss unmissverständlich erfolgen, z.B. Bauschlussreinigung mit Zementschleierentfernung (die Zementschleierentfernung stellt für den Gebäudereiniger i.d.R. eine Sonderleistung dar). Achtung: Gebäudereiniger definieren viele Begriffe anders als die Verleger von Naturwerkstein.

Beseitigung von Sonderschmutz

Es gibt Verschmutzungen, die nicht ohne Weiteres in den genannten Kategorien eingeordnet werden können, z.B. Markierungen, Kleberreste, Silicon- und Epoxidharzreste und organische Flecken (Flecken durch auf dem Belag abgestellte Verpackungen, Schimmel etc.). Wenn die Beseitigung solcher Flecken ansteht, wenden Sie sich bitte an einen namhaften Hersteller Ihres Vertrauens von entsprechenden Reinigungsmitteln. Nennen Sie ihm den verlegten Naturwerkstein und dessen Oberflächenbearbeitung und schildern Sie ihm das Erscheinungsbild des jeweiligen Flecks. Sie werden dann kompetent beraten. Bei Bedarf ist auch ein Ortstermin notwendig.

In diesem Zusammenhang soll angemerkt werden, dass beim Einsatz von Reinigungsmitteln unbedingt darauf zu achten ist, ob diese Lösungsmittel enthalten. Dies kann insbesondere bei Reinigungsmitteln für die Entfernung von Sonderschmutz der Fall sein. Bei der Verwendung von Lösungsmitteln sollte immer darauf geachtet werden, dass ein ausreichender Personenschutz vorhanden ist, um den gesetzlichen Vorgaben zu genügen. Die Hinweise der Hersteller der gewählten Produkte sind zwingend zu beachten und einzuhalten. Angrenzende Flächen sind zu schützen.

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von „Naturstein“.

Mehr zum Thema Zementschleier entfernen lesen Sie im Beitrag Verfugungsrückstände entfernen: Was gegen Zementschleier hilft.

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