Anlässlich der jährlich stattfindenden Tagung der Sepawa-Fachgruppe „Professionelle Reinigung und Pflege (PRP)“ trafen sich die Teilnehmenden zu einer Vortragsreihe und zum gemeinsamen Austausch unterschiedlicher Themen. Die Vorträge thematisierten Desinfektion, Biozidprodukte und Formulierung von Reinigungs- und Pflegemitteln. Ausserdem trugen die Referenten Inhalte zu aktuellen Schwerpunktthemen der chemischen Industrie vor.
Nach den Begrüssungsworten des PRP-Fachgruppenleiters Thomas Hofmann, Dozent für Chemie und Hygiene an der ZHAW, wurde in einem Einführungsvortrag das breite Spektrum der Desinfektion skizziert. Grundlegende Aspekte, die Notwendigkeit, unterschiedliche Methoden sowie die Validierung und Grenzen bestehender Desinfektionsmassnahmen wurden mit einem auf der Biofilmproblematik liegenden Fokus aufgezeigt.
Die Teilnehmenden lernten im Detail ein Sonderverfahren zur Oberflächendesinfektion, die „Desinfektion in der Gasphase“, kennen. Eine Dekontamination von Räumen mittels HPV-Technologie („Hydrogen Peroxide Vapour“) stellt im Vorfeld besondere Anforderungen an das technische Know-how des Anwenders. Ein abgeschlossener Bereich wird mittels Verdampfen von Wasserstoffperoxid begast. Beim Erreichen einer Sättigungskonzentration kondensiert das in den Raum eingebrachte Wasserstoffperoxid an den Oberflächen (Mikrokondensation), wobei am Taupunkt die höchste desinfizierende Wirkung erzielt wird. Die Durchführung einer derartigen Desinfektionsmassnahme ist durch entsprechende Applikationsgeräte professionell und prozessorientiert steuerbar. Dennoch müssen einige grundlegende Dinge, auch im Hinblick auf die Materialverträglichkeit, beachtet werden. Die HPV-Technologie ist nicht als Ersatz für die klassische Oberflächendesinfektion anzusehen, sondern muss vielmehr als ergänzende Massnahme betrachtet werden, die in einigen Bereichen sicherlich zu empfehlen ist.
Der Begriff Hygiene steht lange nicht mehr für Sauberkeit allein, sondern auch für Qualität und Sicherheit. Mit zunehmender Bedeutung der Hygiene steigen auch die gesetzlichen Anforderungen, gerade hinsichtlich der Produkt- und Produktionshygiene. Im Zuge der zusammenwachsenden Märkte nimmt das Verlangen nach international anerkannten Standards immer mehr zu. Auf internationaler Ebene hat sich die EU mit diesem Thema befasst und bereits diverse Wirksamkeitsprüfungen verabschiedet. Weitere Wirksamkeitsnormen, unter Berücksichtigung der jeweiligen Anforderungen an die Produkte bzw. die Anwender, werden folgen. Neben diesen neuen internationalen Prüfmethoden existieren auch anerkannte Prüfmethoden namhafter nationaler Institutionen.
Die Anpassung von Desinfektionsmitteln an die europäischen Normen stellt Hersteller vor neue Herausforderungen. Die Entwicklung einheitlicher Prüfvorschriften eröffnet im Gegenzug aber auch neue Chancen bei der Zulassung von Präparaten im europäischen Rechtsraum.
Im dritten Themenblock der Tagung wurden hochverdünnbare Emulsionen als effiziente Bodenreiniger charakterisiert und ergänzt durch einen internetbasierten Vortrag, in dem auf eine Internetdatenbank als Informationsbasis für Formulierer zurückgegriffen wurde.
Von besonderem Interesse für die Teilnehmenden waren die abschliessenden Ausführungen und Ausblicke von Hans Sinnige zur Entwicklung des neuen EU-Chemikalienrechts und dessen Bedeutung für Formulierer. Neben regulatorischen Massnahmen stellte Hans Sinnige legislative Hürden des EU-Chemikalienrechts heraus, die nach dem Vortrag aufgegriffen und rege diskutiert wurden.