Die Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft werden immer schneller und sorgen für ein ständig wachsendes berufliches Anforderungsniveau. Gekrönt wird das Ganze noch von einem speziellen «Sahnehäubchen»: dem, so die Fachleute, «durchsetzungsintensiver» werdenden zwischenmenschlichen Wettbewerb.
Durchhaltewillen gefragt
Da mitzuhalten und im Rennen zu bleiben, das fordert nicht nur einen immer stärkeren Einsatz, sondern auch einen ausgeprägten Anpassungs- und Durchhaltewillen. Dazu braucht es psycho-mentale Stärke. Die klassische berufliche Weiterbildung allein genügt unter diesen Rahmenbedingungen nicht mehr. Für die persönliche berufliche Werterhaltung wird die Sorge um innere Stabilität und Widerstandskraft, Resilienz in den Worten der Psychologen, immer wichtiger. Und die entsprechende Vorsorge. Wer das übersieht, riskiert, erst zur oder zum Frustrierten/m und im Folgenden ein Opfer immer stärkerer Resignation zu werden. Womit der Prozess beruflicher Selbstdemontage eingeleitet ist.
Um dem vorzubeugen, muss die entsprechende Vorsorgearbeit von der rein körperlichen Gesundheitspflege auf die geistig-seelische Ebene ausgedehnt werden. Ein wichtiges Stichwort dazu heisst Gedanken- und Vorstellungs-, Bewusstseinssteuerung also. Die Psychologieprofessorin Carol Dweck von der amerikanischen Stanford University spricht in diesem Zusammenhang von der dringenden Notwendigkeit, das blockierende statische Selbstbild gegen ein dynamisches auszutauschen. Womit sie nichts anderes anregt, als sich der wie auch immer im Lebenslauf erworbenen Denk- und Handlungsmuster inklusive der dahinterstehenden Überzeugungen bewusst zu werden. Was praktisch nichts anderes bedeutet, als einfach mal anzufangen, in Alternativen zu denken. Für viele eine sehr vernachlässigte Art der Hirnbenutzung.
Ihre Untersuchungen zeigen, dass eine Veränderung scheinbar ganz einfacher Glaubenssätze grosse Wirkung haben kann. Und zu diesen scheinbar ganz einfachen Glaubenssätzen und Grundeinstellungen, sprich Überzeugungen, gehören für sie beispielsweise Vorstellungen wie «Das geht so oder gar nicht.», «Das ist alternativlos!», «Man hat mich abgelehnt, ich bin zu dumm, da brauche ich mich gar nicht weiter zu bemühen.», «Ich bin sowieso immer die/der Dumme.», «Höhergestellten widerspricht man nicht.» usw.
Selbstanalyse wichtig
Ratsam wäre, sich einen Moment Zeit zu nehmen und eine entsprechende Selbstanalyse durchzuführen. Jeder dürfte rasch irgendwie fündig werden. Sinnvoll mithin, sich ein entsprechendes Korrekturprogramm zu verordnen. Wie könnte das gehen? Professor Hans Eberspächer von Mentalinform, weithin anerkannter Vordenker und Fachmann für Fragen des Selbstmanagements, hält es für wichtig, zunächst zu erkennen, «dass wir immer als erlebende Personen in erlebten Situationen handeln». Und dass «das jeweilige subjektive Situationsmodell unser Denken wie auch das Handeln regiert». Eberspächer’s «subjektives Situationsmodell», das ist Dweck’s statisches Selbstbild. Glaubenssätze, Grundeinstellungen, Überzeugungen, kurz: Drehbücher im Kopf, die meist einer simplen, gefährlichen Wenn-dann-Logik folgen.
Das Bemühen, das eigene Denken und das daraus hervorgehende Verhalten nicht von automatisierten statischen Vorstellungen und den oft damit verbundenen Ängsten und Befürchtungen steuern zu lassen, entpuppt sich somit als die eigentliche Kunst der Bewährung im Beruf. Diese programmiert ablaufende Gedanken- und Handlungssteuerung, warnt Eberspächer, «ist der wirkungsvollste berufliche Stolperstein, den man sich nur denken kann». Weshalb? Weil es weniger die Ereignisse an sich seien, die uns in Schwierigkeiten brächten, sondern unsere Ansichten davon.
Dieser Hinweis sollte zum persönlichen Mantra erhoben werden. Das Wort kommt aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich «Instrument des Denkens» und bezeichnet eine meist kurze, formelhafte Wortfolge, die als Bewusstseinsbildner und -stabilisator anhaltend wiederholt wird. Fest in herausfordernder Zeit im Beruf zu stehen, das, wiederholt Eberspächer, heisse, zu begreifen: Weniger das, was auf uns einstürmt, was bewältigt, durchgestanden, gelöst werden muss, laugt aus als die Art und Weise, wie im Kopf damit umgegangen wird. «Stolpern, ob im Beruf oder sonstwo im Leben», sagt Eberspächer, «beginnt immer im Kopf.»
Mentales Training
Um diese Gefahr «jede Minute am Tag zu bannen», empfiehlt er, sich «wenigstens» zwei Elemente des mentalen Trainings aus dem Hochleistungssport zu eigen zu machen: die Selbstgesprächs- und die Vorstellungsregulation. Selbstgespräche und Handeln seien nicht voneinander zu trennen. «Menschen reden immer mit sich selbst!» Doch die Art der Selbstgespräche mache einen gravierenden Unterschied im Hinblick auf das berufliche Durchhaltevermögen und die erzielbare Leistungshöhe: Weniger Erfolgreiche legten sich mit Selbstzweifeln lahm, sie konzentrierten sich auf ihre Ängste und Befürchtungen. Erfolgreiche machten sich mit zuversichtlichen Gedanken Mut, fokussierten sich in ihren Selbstgesprächen auf ihre Aufgabe und brächten sich so voran. Zweckmässig geführte Selbstgespräche, so Eberspächer, «sollen das, was bewältigt oder erreicht werden muss, im Hinblick auf die Befindlichkeit, Motivation und Handlungsstrukturierung stützen und nicht stören.»
Entsprechendes gelte für die Vorstellungen. Schliesslich beeinflussten sie massgeblich das, was von einem Menschen erlebt werde. Vorstellungen, so Eberspächer, «schaffen die Erwartungshaltung, die sich auf Auftreten, Handeln und Überzeugungsfähigkeit, mithin auf die gesamte Performance, auswirkt.» Vorstellungen seien somit wichtige Prüf- und Führungsgrössen für das Handeln. Mit den Worten Carol Dweck’s gesprochen: In einem statischen Selbstbild gefangene Vorstellungen machen passiv und verhindern jedes aktiv-kreativ-innovative Handeln. Und rufen in der persönlichen Aussendarstellung im Gegenüber leicht die Vermutung von Unwillig- oder, schlimmer noch, von Unfähigkeit hervor.
Zahlreiche Forschungsarbeiten belegen mittlerweile die Macht subjektiver Denkweisen. Zu den bekanntesten zählen die Untersuchungen des amerikanischen Motivationsforschers Mihály Csíkszentmihályi. Unter dem Begriff «Flow» sind sie weltweit bekannt geworden. Knapp zusammengefasst lauten die Erkenntnisse des international renommierten Psychologieprofessors: «Alles, was wir erleben, wird im Bewusstsein als Information dargestellt. Können wir diese Informationen kontrollieren, können wir bestimmen, wie wir uns fühlen. Freude am und Offenheit gegenüber dem Leben hängt letztlich davon ab, wie der Verstand die tagtäglichen Erfahrungen filtert und deutet.»
Ein Mensch kann sich glücklich oder unglücklich machen, unabhängig davon, was tatsächlich «draussen» geschieht, indem er den Inhalt seines Bewusstseins verändert. Immer wieder trifft man auf Menschen, die durch die Kraft ihres Denkens eine schwierige Situation in eine Herausforderung verwandeln und bewältigen. Diese Fähigkeit, allen Hindernissen und Rückschlägen zum Trotz nicht zu resignieren, ist die vermutlich wichtigste Voraussetzung für den Erfolg, für Lebensfreude und Zufriedenheit.
Hartmut Volk
Dipl.-Betriebswirt | selbstständiger Wirtschaftsjournalist | Themenspektrum: Unternehmensführung, Weiterbildung und Wissensentwicklung, Selbstmanagement. Schreibt auch regelmässig für die «FAZ», den «Standard» in Wien und die «Handelszeitung» in Zürich.
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