Eine Woche vor Beginn des wichtigsten Branchenereignisses des Jahres, der ISSA/Interclean in Amsterdam, war die Verunsicherung beim Messeveranstalter, bei den Ausstellern und auch bei so manchem potenziellen Besucher noch groß. Hektisch wurden Wetterberichte und Flugpläne studiert und so manche alternative Reisemöglichkeiten geprüft. So mancher sah sich schon den von Wien aus über 1.300 km langen Weg mühsam im Auto zurücklegen. Alleine die Situation beruhigte sich rechtzeitig, so dass fast alle pünktlich zur Reinigungsmesse anreisen konnten. Am stressigsten hatte es wahrscheinlich der Vertriebsleiter eines bekannten Maschinenherstellers, der es am zweiten Messetag knapp doch nach Amsterdam geschafft hatte, nachdem er zehn Tage in Bangkok festgesessen war.
Trotz verhaltenen Beginns am Montag (die Messe wurde wegen des Königinnen-Feiertags am Freitag um einen Tag vorverlegt) waren die Aussteller am Donnerstagabend mehr als zufrieden. Nicht nur die Anzahl der Besucher war besser, als es die Umstände erwarten ließen. Auch die Qualität der Fachbesucher, die zum Großteil Entscheidungsträger und Einkäufer waren, sorgte für lachende und fröhliche Gesichter auf der Ausstellerseite. Insgesamt kamen an den vier Messetagen über 23.000 Besucher, die von den über 600 Ausstellern aus 40 Ländern auf einer Fläche von 30.000 m2 mit den neuesten Trends rund um das Reinigen und Pflegen samt aller dazugehörigen Themen versorgt wurden.
Trotz der Zusicherung vor zwei Jahren auf der letzten ISSA/Interclean (die Messe findet immer in den geraden Jahren statt, an den ungeraden ist Berlin mit der CMS dran), dass 2010 das Messegelände vollständig erneuert ist, sprachen die Baukräne, Absperrungen und Provisorien eine andere Sprache. Durch die Bauverzögerung waren die Wege zwischen den einzelnen Messehallen zum Teil lang, aber zum Glück nicht mehr unterirdisch verwirrend, wie beim letzten Mal. Die gut tagesbelichteten Hallen 1 bis 5 im Erdgeschoß wurden von den Besuchern aber ebenso geschätzt wie die entfernten Hallen 9, 10 und 11 im Obergeschoß.
Aus österreichischer Sicht war die Ausstellerbeteiligung auf den ersten Blick eher bescheiden. Nur sechs Aussteller waren aus der Alpenrepublik angereist, um sich dem internationalem Publikum zu präsentieren. Wenn man aber die internationalen Konzerne dazunimmt, die Tochter- oder Vertriebsniederlassungen in Österreich haben, dann kam man doch gleich wieder auf einen guten und repräsentativen Querschnitt aller wichtigen Player und Anbieter am Markt.
Trends und Neuheiten
Neben den vielen Gesprächen, Hintergrundinformationen und einem kompakten Marktüberblick an einem oder zwei Messetagen stehen die Innovationen auf einem Branchentreff natürlich im Mittel- und Blickpunkt der Besucher. Gibt es aber in einer Zeit, in der man glaubt, dass alles bereits erfunden ist und nur mehr kleine Verbesserungen möglich sind, bahnbrechende Neuerungen oder gar Erfindungen, die das Zeug haben, eine Branche zu revolutionieren?
Diese hohen Ansprüche sind tatsächlich nicht einlösbar. Trotzdem sind Trends und Innovationen nicht zu übersehen, genau wie die starke Präsenz der asiatischen Anbieter. Was früher das Thema „Dampfreiniger“ oder der Trend zur Fensterreinigung mit Stangensystemen war, ist heute das Thema „Mikrofasertücher“, der Trend zu immer kompakteren Geräten (wenn möglich mit leistungsstarken Batterien), modernen Dosiersystemen oder Designerlösungen für alle Arten von Spendern. Es gab aber auch echte Neuentwicklungen, wie z.B. die von Wetrok völlig neu konstuierten Scheuersauger Wetrok Shuttle, die in Amsterdam erstmals vorgestellt wurde. Besonders bemerkbar war die Präsenz der vielen asiatischen Firmen. Dabei waren es nicht nur einfache oder lohnintensive Produkte wie Mikrofasertücher, die ausgestellt wurden, sondern die kopierfreudigen Asiaten beeindruckten mit einer stattlichen Anzahl an breitem Maschinenangebot aller Art. Viele europäische Anbieter, die vor allem auf innovatives Design für ihre Produkte setzen, bestanden auf ein striktes Fotografierverbot für die Ausstellungsstücke. Dies galt auf Nachfrage dann für den europäisch aussehenden Reporter natürlich nicht.
Als Resümee der ISSA/Interclean in Amsterdam aus österreichischer Sicht kann zusammengefasst werden: Die Reise ins Land der Tulpen hat sich nicht nur wegen der Neuheitenpräsentation gelohnt. Nirgendwo wie in Amsterdam konnte und wird man in diesem Jahr in Europa so viele Hintergrundgespräche über das vielschichtige Thema „Reinigung“ mit so hochkarätigen Gesprächspartner in kurzer Folge führen können. Die ISSA/Interclean Amsterdam 2012 wird also gleich wieder in die Fixtermine eingetragen.
Ständige Weiterentwicklungen
Viele kleine und größere Neuerungen und Innovationen gab es auf den einzelnen Messeständen zu finden. Lesen Sie bitte auch die detaillierten Produktberichte von den österreichischen Ausstellern im allgemeinen Teil in dieser Ausgabe und in der nächsten Ausgabe von rationell reinigen.
Folgende internationale Firmen hatten spezielle Angebote und Betreuer in Amsterdam: Bei Wetrok war die Aufmerksamkeit auf die völlig neu konstruierte Wetrok Shuttle gesetzt. Die intelligent konstruierte Aufsitz-Scheuersaugmaschine besticht neben vielen innovativen Details vor allem durch ihre Beweglichkeit. Durch elektrisch gesteuerte Hinterräder und einer völlig bewegliche Stirnräderkonstruktion wird eine maximale Flexibilität erreicht. Diese Maschine wird in Österreich im Herbst auf den Markt gebracht.
Im Gegensatz dazu läuft der Minischeuersauger Discomatic Samba lauft Angaben von Managing Director Felix Hoffmann-Becking sehr gut. „Wir liefern derzeit 30 bis 40 Geräte pro Monat aus. Großkunden wie die Asfinag, die Tankstellenkette BP oder der Lebensmitteleinzelhandel schätzen die Vorteile dieses Moppersatzes sehr.“ Das kompakte Gerät kann in praktisch jedem Auto transportiert werden, so dass auch Dienstleister die Vorteile bei kleinen, verwinkelten Flächen schätzen. Die Amortisierungszeit liegt nach Herstellerangaben bei nur einem Jahr.
Viel Interesse fand auch der Rückentragesauger Wetrok Scuba. Weil ein Taucher seine Ausrüstung eben auch nicht hinter sich herzieht, designten die Wetrok-Entwickler den leichten und angenehm zu tragenden Rückensauger in Form einer Tauchflasche. Speziell kleine oder schwer zugängliche Flächen wie Treppen, Aufzüge, Kinosäle oder Züge lassen sich so schnell und einfach vom Schmutz befreien.
Eine besondere Premiere war die Vorstellung des Wetrok-Gesamtkatalogs als täglicher Ratgeber. Das umfangreiche Buch hat eine aufwändige Aufmachung und versteht sich weniger als Produktkatalog, sondern viel mehr als Nachschlagewerk für die Wahl der besten Reinigungsmethode samt den dazugehörigen Maschinen und Reinigungsprodukten nach genau eingeteilten Systemen.
Für den Komplettanbieter Kärcher gab es mit dem ISSA-Innovationspreis einen besonderen Grund, stolz zu sein. Wie Key Account Manager Professional, Gregor Studlar, betont, setzt man bei Kärcher besonders auf die Kundenwünsche der Anwender. Mittels eigener Erfa-Gruppen werden regelmäßig Kundenwünsche gesammelt, diskutiert und dann umgesetzt. So ist die neue Farbe „Grau“, die sehr dezent und viel weniger aggressiv als das traditionelle grelle Kärcher-Gelb wirkt, Ausdruck dieser Bemühungen. Auf den neutralen Hintergrund der Maschinen kann dann auf Wunsch gut sichtbar das Firmenlogo des Dienstleisters angebracht werden.
Neben speziellen Dosiersystemen, einem fixen Gardenaanschluss mit Wasserstop („Man braucht nicht mehr 15 Minuten neben der Maschine stehen und aufpassen, das geht jetzt alles automatisch und absolut sicher.“) setzt man bei Kärcher vor allem auf die Batterietechnologie. Viele Maschinen werden bald mit den neuen, leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet erhältlich sein. Auch mit dem bewährten Chemie-Gesamtsortiment will man bei den Maschinenkunden im Sinne der Anwendungssicherheit und dem Systemgedanken noch mehr punkten.
Neben der vor Kurzem eingeführten „Mobilette Variomaxx“ von Ecolab, einem modular aufgebauten, abkoppelbaren Reinigungswagen-System, welches auch in Österreich auf sehr großes Interesse stößt, setzt man beim innovativen Hersteller auf die Dosieranlage „Penguin4you“, die Fehldosierungen verhindert und deren Konzentratkanister versperrt werden können. Weiters erfolgreich in Österreich eingeführt wurde die „Isimax“-Beschichtung, die kein Nachspülen nach der Grundreinigung erfordert. Nach dem feuchten nachmoppen und einer Wartezeit von 30 Minuten, statt der sonst erforderlichen 12–24 Stunden, kann die Beschichtung bereits wieder aufgetragen werden. Durch eine neue Rezeptur ist ein Abpudern nicht mehr zu befürchten.
Für Heinz Roscher, Verkaufsleiter Österreich, stand bei Tana das Thema „Küchenreinigung“ an vorderster Stelle. Er konnte zahlreiche Kunden aus Österreich am Tana-Stand begrüßen und besonders auf die hohe Wirksamkeit und das „Nordic Swan“-Umweltzeichen hinweisen, das eine möglichst geringe Umweltbelastung bestätigt.
Rezi stellte bereits zum zweiten Mal Mikrofasertücher und Schwämme in Amsterdam aus und ist mit dem internationelen Interesse sehr zufrieden. Speziell aus Spanien, Frankreich und Polen kamen viele Interessenten. Wie Christian Houdek, Key-Account-Manager für Österreich, betont, gibt es einen sehr harten Preiskampf am Markt. Weil Rezi seit dem Vorjahr Teile der Produktion nach Shanghai ausgelagert hat, ist man besonders wettbewerbsfähig. Neben den 44 Mitarbeitern in Österreich sind 40 Damen in der Produktion in der chinesischen Küstenstadt beschäftigt. Die Kunden bekommen weiterhin die bekannt hohe Rezi-Qualität geliefert, da eine österreichische Qualitätskontrolle ständig vor Ort ist. Durch die steigenden Rohstoffpreise, teilweise sind die Vormaterialien um bis zu 30 Prozent teurer geworden, geht man bei Rezi von einer Preiserhöhung von 5–8 Prozent zum Jahresende aus. Im Gegensatz zu den Herstellern, die ihre Produkte containerweise auf den Spotmärkten zum Tagespreis vermarkten, garantiert der Qualitätshersteller sein Preisniveau für ein Jahr.
Weitere Meldungen und detaillierte Produktvorstellungen der österreichischen Unternehmen Tempore, Semperit, Hinowa, Rotowash, Hagleitner und Carpet Cleaner finden Sie im allgemeinen Teil dieser und der nächsten Ausgabe.
Thomas Mayrhofer | thomas.mayrhofer@rationell-reinigen.at