Aktuelles Heft 5/2012

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Was Margit Leidinger anpackt, bekommt Glanz

Königliche Steinpflegerin

Heft 6/2010
 
 
Königliche Steinpflegerin
Fotostrecke: (2 Bilder)
Cheops: Auch im fernen Ägypten setzt man bei der Konservierung historischer Stätten auf das Know-how aus Österreich.
Bild: Finalit

Mit ihren Produkten bringt Margit Leidinger nicht nur ausländische Prestigeprojekte wie die Pyramiden in Kairo, das Diana-Memorial im englischen Hydepark oder die Frauenkirche in Dresden zum Glänzen, auch heimische Gebäude wie die Albertina, die Wiener Staatsoper oder das Parlament in Wien zählen zu den Glanzobjekten.


Als Margit Leidinger im Februar 1997 das Unternehmen gründet, existiert für die ursprünglich ausschließlich auf Dienstleistung fokussierte Firma primär der österreichische Absatzmarkt. Als Tochter des engagierten Steinmetzmeisters Kurt Leidinger ist ihr die Thematik Stein in allen Facetten seit Kindesbeinen an vertraut. Auf einzelne Kundenanfragen werden eigene Lösungen kreiert, mit denen man Steinflächen schonend und effektiv reinigen kann. In die kontinuierlichen Geschäftsabläufe bringt Margit Leidinger ordentlich Dynamik, als sie mit den Vorbereitungen für einen firmeninternen Prozess beginnt, der so manchen Stein ins Rollen bringen sollte: 2001 startet sie den Verkauf einer eigenen Produktserie im Baufachmarkt und sie konzipiert ein interessantes und ausbaufähiges Vertriebssystem. Ein Schritt, den die Branche zwar für mutig, aber unpassend hält.

Dennoch startet Margit Leidinger 2002 mit einem Lizenzsystem für die Dienstleistung der Steinpflege sowie mit dem Vertrieb der Finalit-Produktserie im Ausland.

Heute kann die 41-Jährige stolz auf ihre Entscheidung und den mittlerweile erreichten Status quo sein. Mit Lizenznehmern in über 22 Ländern ist Finalit international tätig und auf jedem Kontinent der Erde vertreten: Österreich, Deutschland, England, Irland, die Slowakei, die Schweiz, Indien, Singapur, Australien, Ägypten, die Türkei, Kanada und viele mehr pflegen Stein mit Finalit. „Tschechien, Frankreich und Italien zeigen großes Interesse und wir sind in Verhandlung“, so Margit Leidinger.

Mit viel Know-how und Einsatz bringt die Unternehmerin Finalit zum Europamarktführer in Sachen Service und Technologie. Dieser Anspruch an die eigene Qualität bringt Finalit letztendlich ein prestigeträchtiges Referenzprojekt nach dem anderen ein.

Ein Ende des erfolgreichen Exports scheint nicht in Sicht, noch gibt es viel Markt: Die Finalit-Produktpalette, die bereits in Baufachmärkten in Österreich, Deutschland und in der Schweiz im Regal zu finden ist, wird nun auch in Do-it-yourself-Läden in Frankreich, der Schweiz, den USA und in Kanada platziert.

Margit Leidinger erschließt kontinuierlich einen Markt nach dem anderen und hat damit ein höchst innovatives Unternehmen geschaffen, das seine Produkte in Österreich entwickelt sowie produziert und damit den internationalen Markt beliefert. Mit Produkten für die Reinigung, Pflege und dauerhafte Imprägnierung von Steinen ist Finalit mit letztendlich nur 40 Mitarbeitern ein österreichisches Expansionswunder.

Für Margit Leidinger steckt die Zukunft noch voller Möglichkeiten: „Die Finalit-Produkte forciert zur Vorbehandlung in der Produktion zu platzieren und die Qualitätssicherung in der eigenen Produktentwicklung weiterhin zu gewährleisten sind ambitionierte Ziele von mir. Und ein weiteres interessantes Referenzprojekt zu gewinnen, wäre auch nicht schlecht“, lacht die energiegeladene Unternehmerin mit der Extraportion Humor.

rationell reinigen: Frau Leidinger, Sie sind seit über zwölf Jahren als Frau sehr erfolgreich in einer doch von Männern dominierten Branche am Bau. Wie waren Ihre Anfänge, wie haben Sie sich durchgesetzt?

Leidinger: Es war für mich zu Beginn trotz meiner Bauausbildung nicht ganz leicht, ich habe ganz klein von zu hause aus begonnen. Aufgrund meiner erblichen „Vorbelastung“ zum Thema Stein habe ich aber wahrscheinlich durch meinen weiblichen Zugang zum Thema „Pflege“ einen entscheidenden Vorteil gehabt. Weil es am Markt keine vernünftigen und anwenderorientierten Pflegeprodukte gab, haben mein Vater, Kurt Leidinger, und ich jeweils einen Teil unserer Produkte entwickelt und dann eben erfolgreich am Markt etabliert. Durch Beratung von Architekten, Steinmetzen und Fliesenlegern und Ausstellungen auf Fachmessen habe ich mir nach und nach einen Namen in der Branche gemacht. Der Durchbruch war dann die Zusammenarbeit mit dem Fachhändler Quester, durch den wir auch den Weg in die Fachmärkte gefunden haben.

rationell reinigen: Wie und wann sind Sie auf die Idee der Lizenznehmer gekommen, die Ihre Produkte nun erfolgreich in vielen Ländern vermarkten?

Leidinger: Durch viele Anfragen und Kunden in Deutschland habe ich zu Beginn ein gelockertes Franchisesystem geplant. Allerdings hat sich die Einstiegsgebühr von 1.500 Euro als Hindernis erwiesen, so dass heute ein Lizenznehmer lediglich 240 Euro für einen Basiskurs und dann 75 Euro monatlich für die Marketing- und Technikunterstützung bezahlen muss, was eben auch für Klein- oder Ein-Mann-Betriebe interessant ist. Während ich im alten System 15 Lizenznehmer mit Gebietsschutz hatte, sind es derzeit 51, die zwar keinen räumlichen Schutz haben, dafür mit unserer Unterstützung sehr zufrieden sind.

rationell reinigen: Sie setzen neben Ihren Qualitätsprodukten besonders auf die Schulung und haben sogar eine eigene Finalit-Academy in Stuttgart gegründet? Wieso dieser Aufwand?

Leidinger: Unser Thema Stein- und Fliesenpflege ist schier unerschöpflich. Neben den dutzenden verschiedenen Natursteinen gibt es eben sehr viele unterschiedliche Materialen, die alle unterschiedliche Eigenschaften haben und jedes dieser Materialien speziell auf die Situation abgestimmt behandelt werden muss. Das Thema „Imprägnieren und Schützen“ steht dabei im Vordergrund, dann kommt gleich das Stichwort „Gleitsicherheit“. Der Anwender braucht eben ein breites Wissen, um den speziellen Anforderungen in jedem Objekt optimal gerecht zu werden. Wir bieten dieses umfangreiche Fachwissen in unserer Academy und bei unseren Kursen, was unsere Partner sehr schätzen. Wir arbeiten auch eng mit der Fliesenlegerinnung, dem Bundesdenkmalamt und der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt zusammen. Es genügt einfach nicht, Produkte herzustellen, sondern man muss in Systemen und Anwendungen denken.

rationell reinigen: Sie haben mit den Pyramiden in Ägypten oder dem Diana-Memorial in London sehr beachtliche Referenzprojekte vorzuweisen, die auch über die Branche hinaus in der Wirtschaftspresse laufend gewürdigt werden. Wie kommen Sie zu diesen Prunkstücken?

Leidinger: Fast immer durch Partner vor Ort und dem nötigen Glück. Wenn wir aber zu einer Probefläche eingeladen werden, bekommen wir fast immer den Auftrag, wie zuletzt in Singapur, einfach weil unser System das Beste ist.

rationell reinigen: Spüren Sie die Krise auch in Ihrem Bereich, gibt es einen Preisdruck?

Leidinger: Unser potenzieller Markt ist sehr groß. Weil wir dem Auftraggeber oft das Auswechseln des Bodens ersparen, werden unsere Kosten, die nur ein Bruchteil der Neuerstellung sind, gerne bezahlt. Dieser Sanierungsmarkt ist ein Schwerpunkt, allerdings haben wir auch die Neuverlegung im Visier, für die wir zusätzliche Sicherheit und Komfort bieten. Wenn ein Naturstein mit unserer Pflege vor dem Einbau imprägniert wird, kann einfach nichts mehr ausblühen, so dass Verleger und Bauherr auf der sicheren Seite sind. Dies ist vielen Auftraggebern dann doch einen kleinen Zusatzbetrag wert und der Verleger verdient zusätzliches Geld. Auf Billigangebote können und wollen wir uns nicht einlassen, da wir Spezialisten sind und einen Mehrwert bringen. So haben wir im Hangar 7 in Salzburg ein unschönes Erscheinungsbild bei einem chinesischen Basalt in wochenlanger Kleinarbeit nach dutzenden verschiedenen Versuchen wieder zur vollen Kundenzufriedenheit saniert. Der daraus entstehende Ruf und das Vertrauen sind dann die Basis für weitere Aufträge.

rationell reinigen: Wie geht es mit der Auslandsexpansion weiter, wohin wollen Sie noch wachsen?

Leidinger: Ich plane die Expansion langsam, aber stetig. Mehr als zwei neue Exportländer pro Jahr sind trotz lokaler Partner nicht drin. Schließlich betreue ich alle Märkte persönlich, was sicher einen Teil des Erfolgs ausmacht.

rationell reinigen: Welche Traumprojekte schweben Ihnen noch vor?

Leidinger: Die Kuppel im Vatikan oder eine Inka-Weihestätte in Bolivien stehen auf meiner Wunschliste ganz oben. Irgendwann klappt alles, wenn ich mir etwas vorgenommen habe.

Thomas Mayrhofer | thomas.mayrhofer@rationell-reinigen.at