Aktuelles Heft 5/2012

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Himmelslift

Der Donauturm in Wien

Heft 8/2010
 
 
Der Donauturm in Wien
Fotostrecke: (6 Bilder)
Christoph Achleitner inspiziert den neuen Aufzugantrieb.
Bild: Mayrhofer

Der Donauturm in Wien ist seit 46 Jahren aus der Silouette der Bundeshauptstadt nicht mehr wegzudenken. Als Wirtschaftsfaktor sind die Dimensionen auch beachtlich. Über 400.000 Besucher sausen jährlich mit zwei Expressliften in die Höhe. Da diese nach mehr als vier Jahrzehnten an das Ende ihre technisches Lebensdauer gekommen waren, brauchte es ein versiertes Projektteam, das dieses hochkomplexe Millionen teure Vorhaben zeitgerecht und sicher umsetzen kann.


Zum Glück hatten die Betreiber des Donauturms mit HSG Zander, dem Spezialisten für technisches Facility Management, bereits seit Jahren einen verlässlichen Ansprechpartner auch für dieses Problem an der Hand. Weil Christoph Achleitner, Teamleader bei HSG Zander, Service Center Wien, gemeinsam mit seinem Team das technische Facility Management zur vollen Zufriedenheit des Auftraggebers betreibt, waren er und sein Team erste Ansprechpartner für diese Großinvestition.

Keine Totalschließung

Nicht nur die neuesten technischen und gesetzlichen Vorschriften mussten erfüllt werden, auch der Zeit- und Kostenrahmen waren wichtige Themen. Möglichst geringe Kosten und keine Komplettschließung des Tourismusmagneten waren die Vorgaben für das aufwändige Projekt. Bereits vor vier Jahren wurden die Grundzüge und Anforderungen der Kompletterneuerung der beiden Expresslifte begonnen. Nach zweijähriger Vorplanungsphase wurde dann vom Turmbetreiber 2008 die Freigabe von 1,5 Millionen Euro beschlossen. 2009 wurde die Detailplanung gemacht und im Jänner des heurigen Jahres startete dann die sechsmonatige Umbauphase. Statt einer Totalschließung von vier Monaten, die einen Verdienstausfall in Millionenhöhe bedeutet hätte (zu den Aufzugsgebühren der 35.000 monatlichen Besucher kommen noch die Restaurant- und Kaffeehausumsätze), einigte man sich auf eine Teilschließung, die sich dann eben auf sechs Monate verteilte. Jeweils einer der Lifte wurde außer Betrieb gestellt und erneuert. Es waren lediglich zwei 14-tägige komplette Betriebsstilllegungen aus technischen Gründen notwendig.

Es wurde allerdings nicht nur in ein modernes Design unter den strengen Augen des Bundesdenkmalamtes (der Turm steht komplett unter Denkmalschutz) investiert, sondern auch in Informationssysteme und Sicherheitsaspekte. So können die Besucher auf modernen Infoscreens allerlei Wissenswertes über den Turm oder appetitanregende Speisenpräsentationen sehen, während das neue Kamerasystem im Fall des Falles den Rettern wertvolle Informationen auf einen Blick bringt.

Im Zuge des Totalaustauschs der beiden Liftanlagen, die nun mit einer Geschwindigkeit von 6 m pro Sekunde (was immerhin 22 km/h oder einer Gesamtfahrzeit von nur 30 Sekunden bedeutet) hinauf, und herunterfahren, wurde auch die gesamte Verkabelung erneuert. Weil die Ausführung in der Brandsicherheitsstufe F90 erfolgen musste, war dies auf über 150 Höhenmeter keine geringe Herausforderung an das Montageteam.

Sicherheit geht vor

Dabei musste auch die eine oder andere Nachtschicht eingelegt werden, um den engen Zeitplan auch wirklich zu erfüllen und die Lärmbelästigung für die Besucher gering zu halten.

Die neuen Aufzüge verfügen im Gegensatz zur früheren Technologie über eine Stromrückgewinnung, die beim Abbremsen aus der Bewegungsenergie wieder elektrische Energie gewinnt. Dies bringt bei jährlichen Stromkosten von über einer Million Euro natürlich große Einsparungen von bis zu 50 Prozent. Durch eine Zusammenlegung der Strombezüge mit anderen Großverbrauchern hat HSG Zander für den Donauturm darüber hinaus auch noch einen besonders günstigen Strompreis für die nächsten drei Jahre fix vereinbart.

Auch die Ausfallsicherheit der gesamten Sicherheitsbeleuchtung im Turmkopf des vollklimatisierten Turms wurde durch neue Pufferbatterien und eine Sicherheitsbeleuchtungszentrale nochmals verbessert. Bei Netzverlust wird der komplette Turm mit dem Notstromaggregat elektrisch versorgt (etwa acht bis zehn Stunden sind mit einer Tankfüllung möglich).

Die ganze Technik im Hintergrund bekommen die Besucher des Donauturms gar nicht zu spüren, weil es dank der permanenten Wartung und Abstimmung zwischen den Verantwortlichen („Wir haben alle 14 Tage einen Jour fixe, bei dem alle anstehenden Arbeiten und Überprüfungen besprochen werden.“) nur sehr selten zu Beeinträchtigungen kommt. Nur bei Starkwind schwankt der Betonturm an seiner Spitze über 1 m und der Aufzug schaltet auf Langsamfahrbetrieb. Weil die zentrale Vorbereitungsküche am Fuße des Turms im Keller alles vorbereitet (der Küchenchef ist stolz darauf, keine Convinienceprodukte zu verwenden, sogar die Sauce hollandaise wird selbst zubereitet) und dann mit eigener Lastkabine, die unter der Personenkabine hängt, zum Restaurant und Kaffeehaus in luftige Höhe befördert. Dort wird dann alles frisch zubereitet und für das Auge besonders gefällig am Teller arrangiert. Weil es den Besuchern so gut schmeckt, muss man zeitgerecht reservieren, wenn man mit Blick auf ganz Wien gediegen speisen möchte.

Weiter geht’s

Auch nach der Überprüfung der neuen Aufzüge durch den TÜV (Technischer Überwachungs-Verein) und dem damit offiziellen Projektende geht Christoph Achleitner und seinem Team die Arbeit nicht aus. So plant der gelernte Umwelttechniker mit langjähriger Erfahrung im Architektengeschäft gerade die nächsten Verbesserungen. So wird die Beleuchtung schrittweise auf moderne LED-Technik umgestellt, was insgesamt mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Neben Stromeinsparungen stehen dabei die viel längeren Auswechselintervalle im Vordergrund, was sich bei der Hindernisbefeuerung (damit kein Flugzeug in den Turm kracht) in luftiger Höhe natürlich besonders bewährt, weil es einfach viel Arbeit spart. Nach dem farblichen Auffrischen des Hauptmastes über den Restaurants in der Originalfarbe Rot-Weiß-Rot wird gerade die Optimierung der Heizung mittels Heizwasseranalyse und einem Filtereinbau in Angriff genommen. Auch die Aktualisierung und das Einscannen sämtlicher Pläne auf den neuesten Stand und damit die rasch abrufbare Dokumentation werden Schritt für Schritt umgesetzt.

Hubschrauber oder Bergsteiger

Die jährliche Fensterreinigung außen in 180 m Höhe steht bereits auch wieder vor der Tür, was für die Industriesteigertruppe „Action“ bedeutet. Zum Glück ist das größte und schwierigste Projekt schon vor einigen Jahren umgesetzt worden. Für den Austausch des 6 t schweren und 10 m im Durchmesser großen Firmenlogo auf der Turmspitze musste sogar ein Lasthubschrauber aus der Schweiz organisiert werden, der alles millimetergenau absetzen musste, was auch reibungslos klappte.

Dank der guten Zusammenarbeit von HSG Zander und den Turmbetreibern konnte nicht nur das Wiener Wahrzeichen beinahe ohne Beeinträchtigungen für die Besucher offengehalten werden, auch für die über 100 Mitarbeiter war der Dienstleistereinsatz von Vorteil. Weil es nicht zu einer mehrmonatigen Totalschließung gekommen ist, musste auch keinem einzigen Mitarbeiter gekündigt werden, was ansonsten der Fall gewesen wäre. So freuen sich nach dem erfolgreichen Lifteinbau nicht nur der Betreiber, der Dienstleister und das Turmpersonal, sondern auch das Technische Museum in Wien ist dankbar für die besondere Spende: Der ausgemusterte Liftantrieb mit der Technologie aus den 60er Jahren wird in Zukunft dort ausgestellt werden.

Thomas Mayrhofer | thomas.mayrhofer@rationell-reinigen.at


 
 

Service rund um den Turm

Zahlen und Daten

 

Der Donauturm

Baujahr: 1964;
Höhe: 252 m bis zur Mastspitze;
Besucher: 400.000 pro Jahr;
Mitarbeiter: über 100;
Siegerzeit Treppenlauf (150 Höhenmeter, 60 Podeste, 779 Stufen):
3 Minuten 36,7 Sekunden;

HSG Zander, Service Center

Energiemanagement, Support, Überprüfungen, Betriebsführung, mobile Betreuung und effizienter Betrieb aller gebäudetechnischen Anlagen, wie Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär und Elektro, der automatischen Tore und Türen sowie Hebebühnen und Anpassrampen.