Aktuelles Heft 5/2012

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Tagebuch eines Meisterschülers (Teil 2): Vorbereitung und Prüfung

Crashkurs, Lerncamp – geschafft!

Heft 11/2010
 
 
Crashkurs, Lerncamp – geschafft!
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Ein Teil des Meisterkurses mit Michael Heimpel (Mitte).
Bild: privatprivat

Michael Heimpel hat 2008 die Meisterprüfung im Gebäudereiniger-Handwerk abgelegt. DenVorbereitungskurs absolvierte er bei der Gebäudereiniger-Innung Südbayern in München. Wie er diese Zeit erlebt hat und was ihm dabei durch den Kopf gegangen ist, hat er in seinem „Tagebuch eines Meisterschülers“ aufgeschrieben. Nach Teil 1 in der Oktoberausgabe folgt nun Teil 2.


12. Juli: Objektbesichtigung für die praktische Prüfung. Alle sind da und haben es gefunden. Eine Schule, wer hätte das gedacht! Ist alles ganz okay. Nur die Fenster und Fassadenteile aus Alu wurden vermutlich das letzte Mal vor dem Krieg gereinigt (war’s der 30-Jährige?). Nur die eine Kollegin denkt immer noch, dass der Boden ein Lino ist, lustig oder? Ein zweites modisches Highlight: Die Flip-Flops von Frau ...! Es war halt Sommer in der Stadt. Was wohl die BG dazu sagen wird (Fach Sicherheitsbestimmungen)?

14. August: Mein sportliches Großereignis. Barbara hat mich davor gewarnt. Tu’s nicht. Aber wie immer höre ich nur auf meinen Ehrgeiz. 20. Spielminute, eleganter Fallrückzieher. Landung nicht ganz so elegant (Aua hat’s gemacht). Diagnose im Aiblinger Krankenhaus: Trümmerbruch im Handgelenk. Praktische Prüfung: ade.

22. August: Wir treffen uns auf Eigeninitiative in der Innung (ich bin auch dabei) und gehen die Prüfung theoretisch schon mal durch. Haben uns extra einen Referenten zum Thema Alufassade geholt. Danke noch mal an den Spezialisten. Haben eine Checkliste gemacht mit allen Materialien, Werkzeugen usw., die wir benötigen. Kann ja gar nichts mehr schief gehen. Der Countdown läuft. Nur noch 14 Tage bis zum Tag X. Bei mir bis zum Tag Y.

2. bis 4. September: die praktische Prüfung (ohne mich aber irgendwie doch mit mir). Bin mindestens genauso aufgeregt wie die anderen. Habe ständigen Telefonkontakt. Geht aber keiner ran. Was machen die bloß? Ach ja richtig, Prüfung! Am zweiten Tag bin ich dann zum Ende bei ihnen. Wie kann so eine Prüfung Gesichter und Leiber verändern. Gott sei Dank muss ich nicht mitmachen. Vorerst zumindest. Morgen noch die Arbeitsproben, dann haben sie es geschafft oder auch nicht.

Letzter Tag: Bin wieder mit von der Partie. Glaube, langsam nerve ich die Prüfer, aber was soll’s. Sie brauchen mich doch (sagt zumindest Barbara). Geschafft, Sie sind’s und haben’s. Na ja, ein kleiner Schwund war schon dabei. Zwei müssen noch mal ran.

19. und 20. September: Chrashkurs in der Innung für die schriftliche Prüfung. Alles ist weg. Habe das noch nie vorher gehört. Von was reden die? Oh Gott, es sind nur noch vier Wochen. Das reicht nie und nimmer. Holt mich hier raus. Ein Lerncamp muss her.

26. bis 28. September: Lerncamp in Ösiland. Viel zu schön, um zu lernen. Glaube, ich bleibe hier. Hier gibt es keine Prüfung. In Österreich braucht man so was bestimmt nicht, oder? Es geht schon wieder los mit diesem Mischkreuz. Aber dieses Mal praxisnah. Ach so, ist ja ganz einfach. Warum nicht gleich mit Jägermeister.

Lernen von 8 Uhr morgens bis 24 Uhr. Im Ernst! Einige flüchten schon eher (angebliche familiäre Verpflichtungen und Angst vor zu viel Glutamat im Essen). Der harte Kern hält durch (er hat’s auch am Nötigsten). Danke noch mal an Christine Saalborn. Klasse, dass sie sich für uns so super vorbereitet und mit uns gepaukt hat.

14. bis 16. Oktober: Die schriftliche Prüfung. Hatte immense Schlafstörungen im Vorfeld. Dachte nie und nimmer, dass man mit zwei Stunden Schlaf überleben kann. Mache mir Gedanken, ob mir ein Kugelschreiber für die Prüfung reicht. Habe noch nie so viel in so kurzer Zeit geschrieben. Die Finger glühen. Jetzt das lange Warten (morgen) bis zur mündlichen Prüfung. Mein Gott, wie sind alle angespannt. Das einzeln Aufrufen zum Mündlichen war schon sehr spannend. Aber dann brachen alle Dämme.

Geschafft: die Welt hat vier neue Meister der Gebäudereinigung. Der Rest muss noch Teil III und IV ablegen. Aber das wird doch ein Klacks!

Rückblickend muss ich sagen, dass der Kurs mit diesen Leuten fantastisch war. Ich hoffe und denke, dass Freundschaften geschlossen worden sind, die länger anhalten und glaube auch, dass es mit einer anderen Gruppe viel, viel schwerer geworden wäre.

Danke auch noch mal an alle Referenten, die Crew von der Innung die uns immer super mit Kaffee versorgt hat und an alle anderen, die uns in dieser Zeit ertragen haben (mussten). Dieses Tagebuch habe ich auch in Andenken an unseren Kollegen Derya Serbetci, der leider viel zu früh und vollkommen überraschend von uns gegangen ist, geschrieben. Ich weiß, dass du bei uns warst und uns die Daumen gedrückt hast.

Michael Heimpel | heike.holland@holzmann-medien.de


 
 


Michael Heimpel

arbeitet heute als Repräsentant und Fachberater Anwendung/Technik bei Pramol-Chemie.