Aktuelles Heft 5/2012

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Bei der Hygiene ist weniger nicht mehr

Heft 2/2011
 
 
Bei der Hygiene ist weniger nicht mehr
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Heike Holland | Redakteurin |heike.holland@holzmann-medien.de
»Sparen an der Sauberkeit:Merkt doch keiner? Von wegen!«

Sauberkeit und Hygiene stehen überall hoch im Kurs. Wenn es ans Bezahlen geht, sieht das schnell ganz anders aus. Denn sorgfältige Reinigung kostet Geld, das mancher Auftraggeber heute gerne sparen würde. Das tut nicht nur dem Gebäudereiniger weh. Es kann auch teurer werden als gedacht. In Sachen Hygiene ist weniger eben nicht mehr.

Kennen Sie das? Mit einem Mal muss im Ob-jekt das Notwendigste reichen, was auch immer das im Einzelfall ist. Hier gibt es Abstriche, dort muss nun wirklich nicht mehr täglich gewischt werden. Entsprechend mager fällt das Reinigungsergebnis aus. Im besseren Fall ist nicht mehr alles so sauber wie gewohnt, im schlechteren ist die Hygienesituation nicht mehr ganz einwandfrei. Je nach Objekt kann das mehr oder weniger schlimme Folgen haben.

Merkt doch keiner, mag der Auftraggeber denken, so lange keine gravierenden Probleme auftreten. Merkt doch keiner? Von wegen! Das Hygienebewusstsein der Menschen ist deutlich gestiegen, der Anspruch an Sauber-keit oftmals höher als das, was der Alltag zu bieten hat.

Immerhin jeder dritte Deutsche empfindet die Toiletten an seinem Arbeitsplatz als unhygienisch und hat Angst, sich dort mit Krankheiten anzustecken. Das hat eine neuere Studie ans Licht gebracht. Jeder fünfte Befragte meidet sogar das Firmen-WC und wartet lieber ab, bis er wieder zu Hause ist. Wenn das nicht zu denken gibt!

Sparen an der Sauberkeit hat viele Facetten. Putzen ohne Nutzen, nennen es Spötter, wenn Schüler zu Reinigungsarbeiten zwischen Klassenzimmer und Schulhof verpflichtet werden. Eltern treten zum Putzdienst im Kindergarten an und auch im Seniorenheim ist in dieser Hinsicht schon mal Mitmachen angesagt. Sozialpädagogisch mag das vielleicht noch seinen Charme haben. Doch der Hygiene kann es kaum gerecht werden, wenn Laien die Arbeit von Reinigungsprofis erledigen. Vor allem nicht dort, wo die Situation besondere Sorgfalt erforderlich macht.

Ob das in der Schweiz anders ist? Dort müssen sich die Beschäftigten mehrerer hundert Poststellen seit Anfang des Jahres auch um die Reinigung ihrer Räumlichkeiten kümmern. Bevor diese Entscheidung wegen des gesunkenen Postvolumens umgesetzt wurde, wa-ren professionelle Reinigungskräfte einer Tochterfirma für die Poststellen zuständig.

Man möchte sich die Augen reiben: Wie war das mit der Bedeutung von Sauberkeit und Hygiene? Dem Wert von sorgfältiger Reinigung? Keimen, die auf Griffen, Tasten, Schaltern, Oberflächen lauern? Nicht nur die hohe Zahl von hygienebedingten Krankenhausinfektionen zeigt: An der Sauberkeit darf nicht gespart werden. Man kann es gar nicht oft genug sagen.

Heike Holland