Christine Bruchmann, Fürst-Gruppe in Nürnberg
Schwächelnder Euro und eine hohe Staatsverschuldung verunsichern viele Unternehmer in Deutschland. Die Angst ist kein guter Ratgeber! Ob wir mit einem aktuellen Eurokurs von 1,22 Bedenken für unsere Wirtschaft haben müssen, bezweifle ich. Was für rohstoffimportierende Unternehmen und Touristen ein Fluch ist, ist für unsere exportstarken Unternehmen ein Segen. Von einem schwachen Eurokurs und daraus resultierenden negativen Folgen kann aus meiner Sicht keine Rede sein. Eher waren und sind es die Rohstoffspekulanten, die durch ihr Handeln drastische Preisschwankungen ausgelöst haben. Vorsichtige Firmen, die Wechselkursschwankungen unterliegen, sichern sich deshalb entsprechend ab.
Nach den schwierigen Jahren 2008/2009 zeigt unsere Wirtschaft wieder eine sehr positive Entwicklung auf. In vielen Unternehmen werden Sonderschichten gefahren und der Arbeitsmarkt ist sehr robust mit sinkenden Arbeitslosenzahlen. Viele Unternehmen kommen gestärkt aus der Krise hervor und sehen den Herausforderungen einer globalisierten Wirtschaft gelassen entgegen.
Die Inflationsrate betrug in Deutschland im März 2010 0,5 Prozent der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Aber trotz der guten Zahlen wird vor allem durch die Medien ein Schreckensszenario einer zukünftigen ausufernden Inflation heraufbeschworen. Schuld ist natürlich auch die milliardenschwere Bekämpfung der Wirtschaftskrise, die aber notwendig war, um das Deutschlandschiff wieder auf Kurs zu führen. Als eher regional agierender Dienstleister tangiert uns ein hoher oder schwacher Euro eher weniger. Wichtiger ist, dass unsere Kundenunternehmen gut aufgestellt sind und unsere Dienstleistung wertschätzen. Des Weiteren, dass der Arbeitsmarkt stabil ist und keine zu hohen Lohnabschlüsse vereinbart werden, die die Lohn-/Preisspirale anheizen. Wichtig ist daher, die Tarifpolitik im Auge zu behalten, die ein Frühindikator für die Inflationsgefahr darstellt. Wer als Unternehmer seine Gewinne thesauriert und an einer hohen Eigenkapitalquote arbeitet, sein Kundenportfolio breit streut und langfristige und partnerschaftliche Beziehungen zu seinen Lieferanten und Mitarbeitern aufbaut, wird jedem Sturm wiederstehen.
Eva Flemisch, Kalka Dienstleistungs GmbH in Günzburg
Kapitalverlust durch Inflation ist durchaus als drohende Gefahr zu werten. Der Verschuldungswahnsinn, der im Rahmen der Finanzkrise nicht nur in europäischen Staaten zu beobachten war, macht eine Inflation zur Staatsentschuldung nicht unwahrscheinlich. Es muss sich zeigen, ob die hektisch eingeleiteten Sparprogramme der verschiedenen Regierungen hieran etwas ändern können. Als familiengeführtes, mittelständisches Dienstleistungsunternehmen stehen wir der gegenwärtigen Situation entspannt gegenüber. Unser Auslandsengagement, besonders im nicht-europäischen Ausland, hält sich sehr in Grenzen. Dank einer langfristig angelegten Firmenstrategie verfügt unser Unternehmen über eine außerordentlich hohe Eigenkapitalquote. Langfristiges Fremdkapital kann durch die mit einer Inflation einhergehenden Zinserhöhung zum Problem werden. Daher ist es uns in der aktuellen Situation sehr wichtig, unsere Eigenkapitalquote beizubehalten und auf langfristige Verbindlichkeiten zu verzichten. Erzielte Überschüsse werden folglich zur Re-Investition verwendet. Momentan sehen wir unser Unternehmen als beste Kapitalanlage.
Allen Unkenrufen zum Trotz muss beachtet werden, dass der Kurs des Euros momentan so hoch ist wie vor zehn Jahren bei seiner Einführung. Die deutsche Wirtschaft profitiert von diesem niedrigen Stand. Viele Unternehmen haben die schwachen Monate genutzt, um notwendige Restrukturierungen umzusetzen und neue Ideen zu sammeln. Verschobene Investitionen werden jetzt quer durch alle Branchen wieder aufgegriffen. Die Industrie investiert wieder, die Kurzarbeit ist meist beendet. Die deutlich anziehende Wirtschaft widerspricht den oft zitierten Horrorszenarien. Dennoch denke ich, dass man das Thema Inflation noch nicht aus dem Gedächtnis streichen sollte. Es kommt eine spannende Zeit auf uns zu.
Markus Wasserle, Wasserle Gebäudereinigung in Windach
Eine solide Finanzstruktur im Unternehmen ist erfahrungsgemäß die beste Vorsorge gegen Schwankungen am Kapitalmarkt. Unser Unternehmen ist hier gut aufgestellt, einen inflationsbedingten Kapitalverlust sehen wir nicht als Gefahr. Der schwache Euro bringt zudem Vorteile: Einige unserer exportorientierten Kunden berichten von einer wahren Auftragsflut. Ihre Produkte sind momentan sehr gefragt.
Eine weitere interessante Entwicklung: Viele große Firmen von öffentlichem Interesse nutzten die so genannte Krise zur bewussten Konsolidierung auf Kosten der Steuerzahler. Zusätzlich darauf zu spekulieren, dass eine eventuelle Geldentwertung die Schulden abbaut, sehe ich als sehr riskante Strategie an. Für ein nicht systemrelevantes Unternehmen bedeutet diese Methode schnell das Aus. Gleiches gilt für die deutsche Finanzpolitik: Die öffentliche Hand hat jahrzehntelang mehr Geld ausgegeben, als sie eingenommen hat. Das ist nicht nur unseriös, sondern bedeutet schlichtweg den Bankrott unseres Staatshaushaltes. Hier muss sich etwas ändern. Ich bin der Meinung, dass Deutschland dank seiner enormen Wirtschaftskraft durchaus in der Lage ist, die Kriterien des EU-Stabilitätspakts zu erfüllen. Das setzt u.a. voraus, dass wir uns auf die Rückzahlung unserer eigenen Schulden konzentrieren. Als ebenso zwingend erachte ich die Reform unseres Steuersystems. Ich plädiere für eine radikale Vereinfachung der Steuersätze und für die Abschaffung von Subventionen. Wir benötigen mehr Transparenz und Gerechtigkeit in der Gesetzgebung – für Bürger und Unternehmen.
Die beste Strategie für unternehmerischen Erfolg sind aus meiner Sicht gut qualifizierte Mitarbeiter und bankenunabhängige Wirtschaftlichkeit. Schlussendlich aber entscheidet jeder Unternehmer selbst, ob er sich von der Krise betroffen fühlt oder ob er selbstbestimmt handelt.